Wiederherstellung einer VirtualBox-VM: Zwei Arten, Ihre Daten zu retten

Bei der Wiederherstellung virtueller Festplatten aus einer VirtualBox-VM gibt es mehrere Möglichkeiten. So gelingt die Datenrettung.

Müssen Sie eine mit VirtualBox realisierte virtuelle Maschine wiederherstellen, sollten Sie die nachfolgenden Tipps und Tricks im Hinterkopf behalten. Dann bekommen Sie auch Ihre Daten zurück.

Ich hatte kürzlich das Vergnügen, mit einer VirtualBox virtuellen Maschine arbeiten zu dürfen. Diese ist allerdings abgestürzt und hat sich auch nicht mehr starten lassen. Sollten Ihnen etwas ähnliches passieren, gibt es diverse Disaster-Recovery-Methoden für VirtualBox.

Oracle VM VirtualBox ist eine gehostete Plattform, die sich sowohl zur Server- als auch Desktop-Virtualisierung einsetzen lässt. Ich habe VirtualBox verwendet, um virtuelle Desktops damit zu hosten. Leider befanden sich die Daten auf den virtuellen Maschinen des Systems und nicht extern. Verwenden Sie ebenfalls VirtualBox zur Desktop-Virtualisierung, sollten Sie nachfolgende VM-Wiederherstellungsmethoden kennen. Ohne diese können Sie Ihre Daten nicht retten.

Mögliche Ansätze zu Wiederherstellung einer VirtualBox-VM

Meine wichtigen Daten befanden sich auf der virtuellen Festplatte (VHD) der VM. Alle Daten von Grund auf neu zu erstellen wäre mit zu viel Aufwand verbunden gewesen. Die beste Option war daher, die VHD wiederherzustellen und danach die Daten zu extrahieren, um den Schaden zu begrenzen.

In einer solchen Situation gibt es zwei Optionen, um die mit VirtualBox realisierte virtuelle Maschine zu retten.

  1. Booten Sie die virtuelle Maschine mit einem Recovery-Medium. Danach greifen Sie auf die VHD zu und kopieren die von Ihnen gewünschten oder benötigten Daten auf eine andere VHD. Auch ein Kopieren via Netzwerk auf ein gemeinsam genutztes Laufwerk ist denkbar.
  2. Binden Sie die VHD in eine andere virtuelle Maschine als zweite Festplatte ein. Booten Sie nun diese VM und retten die Daten auf diese Weise.

Die erste Herangehensweise ist etwas sicherer. In diesem Fall minimieren Sie die Anzahl zusätzlicher Änderungen für die VHD und die virtuelle Maschine. Die zweite Option funktioniert aber natürlich ebenfalls. Persönlich bevorzuge ich aber die erste Variante, weil damit die Wahrscheinlichkeit auf ein noch größeres Chaos geringer ist.

Wie Sie sich vorstellen können, liegt der Teufel im Detail. Als ich mit meiner eigenen Wiederherstellung der VirtualBox-VM begann, sind mir diese Einzelheiten erst bewusst geworden. Es waren mehr, als ich zunächst gedacht habe. Im Anschluss finden Sie einige Herausforderungen, auf die Sie bei Ihrer Wiederherstellung ebenfalls treffen könnten.

Wo befindet sich die VHD?

Zunächst einmal müssen Sie wissen, um welche Art von Festplatten-Abbild es sich handelt und wo sich die VM-Disk befindet. Oracle VM VirtualBox kann verschiedene Arten an VHD-Abbildern erzeugen. Die Unterschiede beeinflussen dabei die Wiederherstellung der VM.

Meist sind VHDs als „normal“ klassifiziert. Das bedeutet, dass nur eine virtuelle Maschine dieses Abbild der Festplatte gleichzeitig benutzen kann. Die Quelle des Fehlers liegt in der Regel in dieser einzelnen virtuellen Maschine. Wird ein Festplatte-Image von mehreren virtuellen Maschinen verwendet, kann jede davon das Problem initiiert haben. In diesem Fall sind die Fehlersuche und die Problemlösung schwieriger. „Write-Through“ Disks arbeiten wie normale Festplatten, ihnen fehlt aber die Möglichkeit, Snapshots anzufertigen.

In beiden Fällen sollten Sie auf jeden Fall sicherstellen, dass alle virtuellen Maschinen, die diese kaputte virtuelle Festplatte benutzen, ausgeschaltet sind. Die VM nur in den Suspend-Status zu legen ist keine Option. Fangen Sie im Anschluss mit der Wiederherstellung an, indem Sie eine virtuelle Maschine dafür verwenden. Sie sollte die benutzen, die mit dem meisten Arbeitsspeicher ausgestattet ist.

Mehrere virtuelle Maschinen können auch eine „Multi-Attach“ Disk verwenden. Somit hat jede VM die Unterschiede separat gespeichert. Diese Herangehensweise ist dann sinnvoll, wenn Sie ein Festplatten-Abbild besitzen, das Sie als Master für mehrere virtueller Maschinen verwenden möchten. Das bedeutete aber auch, dass das Disaster Recovery von der VM durchgeführt werden muss, mit der die entsprechenden Daten genutzt wurden. Andernfalls würde die VM die Daten ganz einfach nicht sehen.

Ein Hinweis zur Recovery-Umgebung: Wenn möglich sollten Sie die das betroffene VHD-Abbild in das Host-Betriebssystem als nur lesbar einbinden. Leider ist Windows für diese Option nur bedingt brauchbar.

Sobald Sie herausgefunden haben, von welcher VM und VHD Sie Daten wiederherstellen wollen, sollten Sie Platz für die Daten schaffen.

VM-Wiederherstellung: Netzwerk gegen lokale Festplatten

Eine Option für die Wiederherstellung ist es, eine neue und leere VHD zu erstellen. Diese binden Sie danach in die VM ein, booten ein Rettungs-Betriebssystem und kopieren einfach alle gewünschten Dateien. Diese Wiederherstellungsmethode ist recht einfach durchzuführen. Sie müssen lediglich das neue Medium einbinden und formatieren. Allerdings ist somit möglicherweise ein Extraschritt notwendig. Sollten Sie die Daten auf dem Host brauchen und nicht in einer VHD, müssen Sie diese im Anschluss noch einmal kopieren.

Diesen Schritt sparen Sie sich, indem Sie ein gemeinsam genutztes Laufwerk in Netzwerk verwenden. Stellt der Host dieses Netzlaufwerk bereit, müssen Sie die Daten nur einmal kopieren. Aber auch bei diesem Ansatz gibt es möglicherweise Schwierigkeiten.

Zunächst einmal kann es sein, dass die von Ihnen verwendete virtuelle Maschine gar nicht für den Netzwerk-Einsatz konfiguriert ist. Eventuell gibt es auch nur ein lokales Netzwerk und die VM kann nicht mit dem Host kommunizieren. In diesem Fall müssen Sie die Konfiguration ändern. Dafür brauchen Sie lediglich die Hardware-Einstellungen der virtuellen Maschine ändern und nicht am Betriebssystem selbst schrauben. Das Betriebssystem selbst werden Sie ja während der Wiederherstellung sowieso nicht neu starten.

Weiterhin müssen Sie sicherstellen, dass sich das Recovery-System mit dem Netzwerk verbinden kann. Eventuell ist dafür eine Umstellung des Netzwerkkarten-Typs notwendig, wenn das Rettungssystem keinen passenden Treiber für die derzeit eingesetzte Schnittstelle mit sich bringt.

Dann ist auch noch die Kopiergeschwindigkeit zu beachten. Je nach Ziel kann die Performance ein Problem sein. Verwenden Sie ein Netzwerk, das lediglich mit dem Host verknüpft ist, sollte die Menge der Daten keine Rolle spielen. Verbinden Sie sich allerdings mit einem Ziel im wirklichen Netzwerk und es gibt Beschränkungen bezüglich der Bandbreite oder Latenzen, bremst das natürlich auch die Übertragung der Daten. 

Das Kopieren von virtueller Maschine auf den Host kann ebenfalls langsam sein. Das gilt im Speziellen dann, wenn sich die VHD auf derselben Festplatte wie das Ziel der Datenübertragung befindet. Auch diesem Umstand sollten Sie Beachtung schenken.

Die VirtualBox-VM komplett außen vor lassen

Eine andere Herangehensweise ist es, VirtualBox überhaupt nicht zu verwenden. Dafür binden Sie die virtuelle Festplatte direkt in das Host-Betriebssystem ein und kommen so an die gewünschten Dateien. Wie Sie das genau realisieren, variiert zwischen den verschiedenen Host-Betriebssystemen. Es gibt unter Linux native Wege, dies zu bewerkstelligen. Zum Beispiel können Sie libguestfs verwenden.

Für Windows ist ein Programm verfügbar, das sich WinMount nennt. Mithilfe dieser Software können Sie .VDI-Dateien öffnen und dann via Explorer wie auf ein ganz normales Laufwerk zugreifen. Dateien im .VHD-Format können Sie mit dem Archivierungs-Tools 7-Zip entpacken. Letzteres ist kostenlos und Open Source. Ich persönlich habe schon mit beiden Tools sehr gute Resultate erzielt.

Verwenden Sie diese Methode, um eine VirtualBox-VM zu retten, lässt das den Mittelsmann im Prinzip außen vor. Somit können Sie die Datei komplett ohne weitere Software bearbeiten. Allerdings gibt es auch hier einige Stolperfallen:

  • Ein sauberes Herunterfahren der virtuellen Maschine bringt hier Vorteile. Sollte die VM abgestürzt sein, befindet sich die virtuelle Festplatte eventuell in einem inkonsistenten Zustand. Deswegen sollten Sie eine Instanz mit dem gleichen Betriebssystem wie das der VM booten (vielleicht ein .ISO-Abbild) und dann zunächst eine Festplattenüberprüfung durchführen. Im Anschluss fahren Sie das System sauber herunter und versuchen eine Offline-Wiederherstellung.
  • Diese Tools sind alle von Drittanbietern. Aus diesem Grund gibt es keine Garantie für eine vollständige Funktionalität oder gar den Erfolg der Wiederherstellung. In den meisten Fällen sollte es mithilfe der Utilities zwar klappen, mehr Erfolg verspricht aber der Weg über VirtualBox und die dazugehörige VM. Das gilt vor allem für .VDI-Dateien. Ein Einbinden der Festplatte ist bei Letzterem so gut wie immer möglich und entsprechend lassen sich auch die Daten lesen.

Die Wiederherstellung einer mit VirtualBox realisierten virtuellen Maschine ist auf jeden Fall kein Spaß. Wer VirtualBox schon lange verwendet und noch nie ein Problem damit hatte wird kaum auf den Ernstfall vorbereitet sein. Daher sollten Sie diese Disaster-Recovery-Methoden im Hinterkopf behalten, falls die virtuelle Maschine irgendwann einmal streikt.

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