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So migrieren Sie Oracle-Datenbanken mit RMAN in die Cloud

Firmen, die Oracle-Datenbanken nutzen, können diese mit dem herstellereigenen Recovery Manager in die Cloud migrieren und die Backup-Kopien von dort aus wiederherstellen.

Unternehmen, die Oracle-Datenbanken nutzen, können diese nicht nur in einem lokalen Backup ablegen, sondern mit Oracle Recovery Manager auch in einer Oracle Cloud Region sichern, die wiederum die gleiche Konfiguration aufweist wie der eigene Standort. Für die Migration der Datenbank in die Cloud bedarf es neben dem eigenen Rechenzentrum und der Oracle Datenbank, eine Oracle Cloud Region sowie einen Anwendungsserver, Storage, die Oracle Database Enterprise Edition und ein Oracle Database Backup Cloud-Backupmodul.

Das Backup der Datenbank wird im Oracle Database Cloud Backup-Modul gesichert und das Backup Set wird innerhalb der Infrastrukturregion von Oracle Cloud an das Object Storage transferiert. Ein Backup mit RMAN wird dann auch in einem RMAN-Ziel – einem Datenbanksystem – wiederhergestellt. Die Validierung der Datensicherung zwischen der Quell- und Zieldatenbank erfolgt über SQL*Net.

Abbildung 1: Die Architektur für die Datenbankmigration mit RMAN umfasst das unternehmenseigene Rechenzentrum, die Datenbank und eine Oracle Cloud Region.
Abbildung 1: Die Architektur für die Datenbankmigration mit RMAN umfasst das unternehmenseigene Rechenzentrum, die Datenbank und eine Oracle Cloud Region.

Es gibt einige andere wichtige Komponenten, die für die Migration zum Einsatz kommen. Die Quelldatenbank muss über einen Internetzugang verfügen, um die verschlüsselten Backup-Kopien in die Cloud Infrastructure zu senden. Das Cloud Backup Modul kann zum einen Bandspeicher simulieren, zum anderen Backup-Daten ohne VPN oder Oracle Infrastructure FastConnect versenden, allerdings empfiehlt der Hersteller deren Einsatz, da dies die Übertragung sicherer macht. Der Oracle Cloud Infrastructure Object Storage-Service stellt hoch skalierbaren Cloud-Speicher zur Verfügung.

Ein großer Vorteil von RMAN ist, dass sich Datenbanksicherung durchführen lassen, wenn diese aktiv genutzt werden. Viele andere Tools erfordern das Deaktivieren der Datenbank für eine Migration. Mit RMAN kann ein Admin zudem inkrementelle Backups einrichten, von denen sich schnelle Restores umsetzen lassen. Das minimiert die Ausfallzeit der Datenbank. Allerdings lässt sich eine Ausfallzeit nicht völlig vermeiden, da die Quelldatenbank fixiert, ein endgültiges Backup ausgeführt und die Zahldatenbank vor dem Failover wiederhergestellt werden muss. Die Ausfallzeit hängt von der Größe der Datenbank und den verwendeten Speichermedien und Bandbreiten ab.

Anwender, die eine Migration mit RMAN nutzen wollen, benötigen diese Produkte:

  • Oracle Cloud Infrastructure Account
  • Oracle Cloud Infrastructure Object Storage
  • Java 1.7

Darüber hinaus muss der Administrator SSH-Zugriff auf die Quelldatenbank verfügen, für den er einen SSH Public Key eingibt. Zudem ist ein RSA-Schlüsselpaar nötig, das von Shell-Befehlen auf den Quell- und Domainservern über SSH verwendet wird. Jedes der Komponenten erhält eine spezifische Rolle, die wiederum bestimmte Funktionen erlaubt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die einzelnen Rollen für die Oracle-Komponenten und welche Funktionen sie zugänglich machen.
Abbildung 2: Die einzelnen Rollen für die Oracle-Komponenten und welche Funktionen sie zugänglich machen.

Erste Schritte vor der Migration

Als erstes muss der IT-Verantwortliche das Oracle Database Cloud Backup-Modul herunterladen. Hier konfiguriert er die Umgebungsvariablen für ORACLE_SID und ORACLE_HOME sowie eine Wallet in der Quelldatenbank. Diese Informationen sind wichtig, da damit die Zieldatenbank installiert und eingerichtet wird.

Danach müssen die Services in der Cloud entsprechend eingerichtet werden, damit diese die Migrationsdaten empfangen können. Dafür wird der Wallet-Public Key der Quelldatenbank dem Account hinzugefügt, ein Speicher-Bucket generiert. Der Bucket speichert nicht nur die Daten, sondern stellt auch eine kompatible Datenbank zur Verfügung und kopiert das Wallet von der Quell- in die Zieldatenbank. Eine detaillierte Anleitung, wie diese Schritte durchzuführen sind, stellt der Hersteller auf seiner Webseite unter diesem Link bereit.

Die Migration

Um ein Backup der Quelldatenbank in der Cloud abzulegen, müssen verschiedene Schritte unternommen werden, darunter die Konfiguration des Recovery Manager. Eine weitere Phase der Migration ist die Installation des Oracle Database Backup Cloud Service in der Quelldatenbank. Das ermöglicht dem RMAN, den Objektspeicher zu erkennen und zu adressieren. Danach legt der Admin den Archivierungsmodus für die Datenbank fest. Für eine erfolgreiche Migration muss sich die Datenbank im ARCHIVELOG-Modus befinden. Dabei ist zu beachten, dass die Datenbank heruntergefahren wird, wenn der Archivmodus geändert wird.

Nachfolgend wird das Backup Storage und damit verbundenen Kriterien konfiguriert. Dabei werden unter anderem Ziel- und Quell-Gerät definiert sowie andere Funktionen aktiviert, beispielsweise Komprimierung,Datenaufbewahrungsrichtlinien oder Lösch-Regeln für archivierte Daten. Wurden diese Schritte erfolgreich umgesetzt, kann das Backup der Quelldatenbank erfolgen. Hier muss der Administrator angeben, welche Art an Backup er durchführen möchte. Er kann zwischen einem vollständigen Backup (genannt Ebene 0) oder einer inkrementellen Sicherung (genannt Ebene 1) wählen. Für letzteres lassen sich zudem Abschnittsgrößen festlegen.

Der gesamte Konfigurationsprozess wird im Detail auf der Oracle-Webseite beschrieben und gibt eine genaue Anleitung für die zu verwendenden Kommandos.

Die Datenbank wiederherstellen

Um eine Wiederherstellung durchzuführen, muss die Kopie der Quelldatenbank auf der Zieldatenbank installiert und ausgeführt werden. Danach richtet der Admin den Backup-Speicher auf der Zieldatenbank ein. Dabei wird das eingerichtete Backup-Gerät auf der Target-DB konfiguriert.

Darüber hinaus legt der Admin die DBID (Datenbank-ID) fest und wählt die SPF-Datei, aus der das Backup wiederhergestellt wird. Hier nutzt man entsprechende RMAN-Befehle, um die DBID und das Entschlüsselungskennwort zu definieren. Bei der Festlegung der DBID wird die die Ziel-DB-ID mit RMAN durch die Quell-DBID ersetzt.

Ein Zielverzeichnis für die Audit-Datei ist ebenso notwendig, was normalerweise unter /u01/app/oracle/admin/$ORACLE_SID/adump zu finden ist beziehungsweise hier abgelegt wird. Danach lässt sich die Datenbank zurückschreiben und wiederherstellen. Dabei kommen wieder RMAN-Befehle zum Einsatz, mit dem die Kontrolldatei aus dem Backup wiederhergestellt wird und daraufhin die gesamte Datenbank. RMAN stellt die Datenbank mit archivierten Redo-Logs wieder her.

Der genaue Ablauf mit allen notwendigen Befehlen lässt sich in dieser Anleitung finden.

Generell versucht Oracle, es seinen Kunden einfach zu machen, Backups und Recoverys umzusetzen. Die Befehle hierfür sind relativ kurz und nicht zu zahlreich. Ein paar Vorkenntnisse muss der IT-Verantwortliche jedoch mitbringen, da hierfür ein CLI (Command Line Interface) genutzt wird, was weniger intuitiv oder benutzerfreundlich sein kann als eine Weboberfläche. RMAN lässt sich vielfältig nutzen, unter anderem auch für die Sicherung von Daten in einem Objektspeicher. Erfreulich ist, dass Oracle eine umfassende Dokumentation auf seiner Webseite zur Verfügung stellt, die eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet.

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