IEEE-Standard 802.11ac-2013 verabschiedet: Was WLAN-Planner wissen müssen

802.11ac ist ratifiziert, die ersten „echten“ Geräte werden ab 2016 erwartet. Dennoch müssen Verantwortliche bereits jetzt für den Standard planen.

Im Dezember 2013 ratifizierte die IEEE 11ac Task Group nach sechs Jahren endlich den IEEE-Standard 802.11ac-2013. Dieser wurde sehnsüchtig erwartet, ermöglicht die Technik doch Datenraten im WLAN, die an Gigabit-Ethernet-Systeme heranreichen, theoretisch sind sogar etwas weniger als 7 Gbps möglich. Was bedeutet die Ratifizierung für WLAN-Planer in Unternehmen?

Erste und zweite Produktwelle bringen unterschiedliche Herausforderungen

In den ersten Monaten wird es wahrscheinlich nur wenige Änderungen in Produkten geben. Der Grund: Die ersten Wi-Fi-zertifizierten ac-Produkte werden bereits seit Mitte 2013 ausgeliefert; neue Zertifizierungen auf Basis des aktuellen Standards sind wohl erst 2015 zu erwarten. In der Zwischenzeit dürften es neue, noch nicht zertifizierte Funktionen in eine Reihe von Consumer-Produkten schaffen. Ein Beispiel dafür ist etwa der Router Asus RT-AC87U, der auf der Fachmesse CES 2014 gezeigt wurde.

Matthew Gast, der Autor von „802.11ac: A Survival Guide“ fasst es in seinem Blog recht gut zusammen: Die erste Welle an AC-Produkten wird voll interoperabel mit Produkten der zweiten Welle sein. Das liegt daran, dass die Funktionen, die in die aktuellen Geräte einfließen, auf dem Entwurf 3.0 des 802.11ac-2013-Standards basieren, dieser wurde in der finalen Version nicht signifikant verändert.

Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den Produkten, die auf dem letzten Entwurf basieren und denen, die den finalen Standard nutzen, gering. Die größten Unterschiede: breitere 160-MHz-Kanäle, Access Points mit fünf bis acht räumliche Streams und Multi User Multiple Input Multiple Output (MU-MIMO). Zusammen bringen diese Funktionen den maximal möglichen Durchsatz von 1,3 Gbps auf 6,9 Gbps.

Verpassen Sie nicht die erste Welle – diese wird Ihre Grundlage

In der Praxis benötigen nur wenige Unternehmen bereits jetzt den Datendurchsatz von 6,9 Gbps. Aber einfach gesagt: Bereits eine Migration von 8082.11n-Geräten auf die ersten Produkte mit 802.11ac verspricht einen dreifachen Datendurchsatz. Noch besser: Die Geräte der ersten Welle mit 802.11ac vergrößern die WLAN-Kapazität deutlich – sowohl die Anzahl der Geräte wie auch die Reichweite werden erhöht. Migrieren Sie beispielsweise 11ac und Dual-Band 11n auf 5 GHz, besteht deutlich weniger Konkurrenz um die Bandbreite. Die Verbindungsqualität wird sowohl für neue wie auch ältere Geräte verbessert. Unternehmen sollten daher Einkaufszyklen und Planungen für Netzwerkerweiterungen nutzen und Stück für Stück Access Points auf Basis von 802.11ac integrieren.

Geht es um die Migration der WLAN-Clients, haben Unternehmensplaner allerdings deutlich weniger Einfluss. Dank Bring Your Own Device (BYOD) befinden sich wahrscheinlich bereits die ersten Geräte auf Basis von 802.11ac im Unternehmens-Netzwerk. Analysten erwarten zudem, dass 802.11ac-Geräte in 2014 stark anwachsen werden, vor allem, wenn der Standard in neue Smartphones, Tablets und Notebooks integriert wird. Wenn Unternehmen neue Geräte anschaffen, sollten sie auf die Zertifizierung nach 802.11ac bestehen, um künftige Herausforderungen ans Netzwerk besser in den Griff zu bekommen.

Bereiten Sie sich auf die zweite Welle an Geräte vor

Wenn Sie Geräte der ersten 802.11ac-Generation im Netzwerk einfügen, müssen Sie wahrscheinlich die bestehende Strategie für 802.11n anpassen. Schwerpunkt dürfte der Einsatz des 5-GHz-Spektrums sein – nutzen Sie die breiteren 40 Mhz und 80 MHz-Kanäle dort, wo Sie das größte Datenaufkommen erwarten. Kurzfristig sollte ihre Infrastruktur im Back-End aber ein paar Access Points auf Basis von 802.11ac, gemischt mit 802.11n-Geräten und älteren Access Points, verkraften. Zu Beginn können die Geräte Engstellen wahrscheinlich über 1 Gbps-Ethernet und Powerline umgehen.

Sobald aber sowohl die Dichte von 11ac-Geräten wie auch die Anforderungen ans Netzwerk zunehmen, werden Sie die verbesserten Funktionen der 11ac Second-Wave-Geräte dankbar annehmen. In Unternehmensumgebungen ermöglicht MU-MIMO einem einzelnen Access Punkt, dass er bis zu vier Clients zeitgleich mit voller Bandbreite versorgen kann. Ein Upgrade auf die 11ac-Geräte der zweiten Generation bedeutet daher, dass Sie Chipsätze mit MU-MIMO-Funktion vorziehen sollten. Diese Investitionen werden sich vor allem in Bereichen lohnen, in denen hohe Datenraten notwendig sind oder in denen sich viele Geräte aufhalten.

Diese Geräte werden allerdings wahrscheinlich selbst deutlich mehr Leistung benötigen. Hier bietet sich eine Back-End-Infrastruktur auf Basis von 10-GB-Ethernet und CAT6a an. So vermeiden Sie Engpässe beim Datentransport. Wenn Sie jetzt bereits mit der Planung beginnen und die Upgrades für Front- und Back-End über die nächsten Jahre ausrollen, sollten Sie für die nächste Welle der 802.11ac-Geräte ab 2016 locker gerüstet sein.

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