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Data Governance: Rollen und Verantwortlichkeiten

Data Governance erfordert Teamarbeit. Tipps zur Strukturierung und Implementierung von Data-Governance-Rollen, die Geschäftsanwender im Unternehmen einbinden.

Kompromittierte Daten können im gesamten Unternehmen Probleme verursachen. Sie können Geschäftsprozesse untergraben, Bedenken hinsichtlich der Einhaltung von Vorschriften und Richtlinien aufwerfen und negative Publicity erzeugen. Inkonsistente Daten können ähnliche Auswirkungen haben und den täglichen Betrieb und Analysen behindern. Die Bemühungen um Datenmanagement und -schutz müssen gleichermaßen breit angelegt sein. Dafür müssen die Data-Governance-Rollen das gesamte Unternehmen abdecken und von einer starken Führung überwacht werden.

Data Governance muss ein funktionsübergreifendes, zentralisiertes Bestreben sein – nicht eine Reihe von Einzelprojekten, die unternehmensweit stattfinden“, sagt Yasmeen Ahmad, Vice President of Global Business Analytics bei Teradata.

Im Rahmen von Data-Governance-Programmen müssen Unternehmen Richtlinien und Verfahren für Daten erstellen, die rechtliche Aspekte, Anforderungen an die Datensicherheit, Ansprüche an Plattformen und Tools und vieles mehr berücksichtigen. Diese Programme müssen in Teamarbeit erstellt werden. Das dafür zuständige Team wird von einem Data-Governance-Rat oder -Ausschuss geleitet, an dem nicht nur Datenmanager, sondern auch Unternehmensleiter und normale Geschäftsanwender beteiligt sein sollten.

Mehr als nur IT

Die Expansion der Data-Governance-Rollen in den Unternehmen spiegelt die Tatsache wider, dass Datenkonsistenz, -genauigkeit, -integrität und -sicherheit nicht mehr allein Sache der IT sind.

Data-Governance-Prinzipien und -Praktiken müssen sowohl von den Gatekeepern in der IT als auch von den Datenanwendern auf Geschäftsseite verstanden und umgesetzt werden. Ein Data-Governance-Rat sollte deshalb Vertreter aus allen Geschäftsbereichen und aus der IT integrieren. Sie sollten sich regelmäßig mit der Rechtsabteilung in Verbindung setzen und sich laufend über sich ändernde Vorschriften und rechtliche Bedenken bei der Datennutzung beraten lassen.

Laut Ahmad verhindert das breite Spektrum an Data-Governance-Rollen einen Tunnelblick auf das Management und die Steuerung von Daten. Häufig konzentriert sich die IT auf Sicherheit, Datenmodellierung und Compliance, während das Business eher Überlegungen zur Datenqualität, zum Zugriff und zur Agilität anstellt.

So sind IT-Teams beispielsweise an der Verwaltung der zugrunde liegenden Infrastruktur, der Tools und der Automatisierung beteiligt. Sie stellen damit sicher, dass alle Anwendungen unterstützt und die Data-Governance-Richtlinien umgesetzt werden. Geschäftsanwender hingegen sind Fachexperten und legen ihren Fokus darauf, wie Daten zur Erreichung von Zielen und zur Lösung spezifischer Geschäftsprobleme verwendet werden. Dies ist eine wichtige Überlegung bei der Erstellung von Data-Governance-Problemen.

„Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass Geschäftsanwender zu wichtigen Stakeholdern beim Thema Dateneigentum werden“, erklärt Ahmad. Zu ihren Aufgaben bei der Data Governance gehören die Erstellung gemeinsamer Datendefinitionen und Metriken für die Datenqualität sowie die Mitwirkung bei der Durchsetzung von Governance-Richtlinien und -Prozessen.

Data-Governance-Rolle: Führungsebene

Ana Maloberti, Big Data Architektin beim IT-Beratungsunternehmen Globant, sagt, ein Data-Governance-Programm sollte mit einem Data-Governance-Sponsor beginnen. Dieser muss sicherstellen, dass das Programm über genügend Ressourcen verfügt und er muss die Gesamtvision des Programms verstehen. Der Sponsor wird die Data-Governance-Richtlinie des Rats an den übergeordneten Zielen der Geschäftsstrategie ausrichten.

In großen Unternehmen wird die Sponsoring-Rolle manchmal von einem Chief Data Officer (CDO) oder einem Data-Governance-Manager übernommen. Der CDO oder Data-Governance-Manager beaufsichtigt in dieser Funktion die Kommunikation über den Data-Governance-Prozess und kontrolliert die verschiedenen Initiativen.

Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass das Gesamtprogramm auf Kurs und innerhalb des Budgets bleibt. CDO oder Data-Governance-Manager helfen auch bei der Koordinierung der Aktivitäten des unternehmensweiten Data-Governance-Rats.

Verantwortlichkeiten des Data-Governance-Rats

Der Data-Governance-Rat – oder Ausschuss (Council) regelt und entwickelt strategische Leitlinien für die gesamte Pflege der Daten. Die Verantwortlichkeiten des Data-Governance-Rats umfassen folgende Punkte:

  • Festlegung von Zielen für das Data-Governance-Programm, das Identifizieren von Initiativen, die Data Governance benötigen, das Überwachen des Fortschritts bei der Programmimplementierung und das Zuweisen von Rollen an Data Stewards und Dateneigentümer.
  • Erstellung und Genehmigung von Datenstandards, Richtlinien, Geschäftsregeln und Kauf von Tools zu deren Unterstützung.
  • Behebung von Problemen und Themen, die Data Stewards nicht selbst lösen können.
  • Kommunikation über das Programm und Förderung der Bedeutung von Data Governance.

Andy Hall, Application Security Engineer bei FormAssembly, einem Anbieter von Webformularen, sagt, dass die Data-Governance-Rolle eine Verbindung von Managementkompetenz und technischem Wissen erfordere. Diese Person „sitzt an der Schnittstelle zwischen strategischer Planung in der Führungsebene, Arbeitsgruppen auf Abteilungsebene und Data Stewards – ähnlich wie der Herausgeber einer Publikation zwischen strategisch motivierten Vorgesetzten und Autoren sitzt“, erklärt er.

Als solche fungieren Data-Governance-Sponsoren als Vermittler zwischen den strategischen Entscheidungsträgern auf der obersten Ebene, den Arbeitsgruppen im gesamten Unternehmen und den Data Stewards ganz unten bei den Daten. Die Sponsoren können sogar als Kontaktstellen für externe Stellen dienen, die mit der Datenverwaltung in ihren Organisationen befasst sind.

Data-Governance-Rolle: Data-Governance-Rat

„Der Data-Governance-Rat oder -Ausschuss ist ein Lenkungsausschuss innerhalb der Organisation. Er beaufsichtigt die Entwicklung des Data-Governance-Programms auf strategischer Ebene“, sagt Hall. Der Rat kann technische, geschäftliche und juristische Experten aus dem gesamten Unternehmen umfassen, um verschiedene Elemente des Programms anzusprechen. Zu den typischen Mitgliedern gehören auch Data Stewards aus jeder Domäne. Sie können die Interessen ihres Bereichs und die Interessen des Data-Governance-Programms auf der Implementierungsebene vertreten.

Zusätzlich können ein oder mehrere Führungskräfte auf C-Levelebene Teil des Rats sein. Sie vertreten das strategische Element des Programms. Fall es einen CDO gibt, hilft er bei der Entwicklung eines konkreten Plans für die Überwachung und Umsetzung – wobei die Grundlage die Entscheidungen des Rats bilden. Es können auch zusätzliche Mitglieder mitmachen, wie zum Beispiel Datenanalytiker, um Trends innerhalb der Organisation zu identifizieren und darüber zu berichten, und wie diese Trends die Entscheidungsfindung auf strategischer Ebene beeinflussen.

Data-Governance-Rolle: Data Stewards

Data Stewards sind in der Regel Personen, die sich in ihrem Bereich gut auskennen und genau wissen, wie die Data-Governance-Richtlinien der Organisation auf die von ihnen verwalteten Daten angewendet werden, erklärt Hall. Data Stewards können als Ansprechpartner für normale Nutzer in verschiedenen praktischen Fragen der Datenverwaltung fungieren. Ihre Rolle besteht jedoch hauptsächlich darin, hinter den Kulissen zu arbeiten, um die Datenqualität sicherzustellen und Vertrauen in die von ihnen verwalteten Daten zu schaffen.

Darüber hinaus stellen Data Stewards sicher, dass die von ihnen verwalteten Daten mit dem sich stetig weiterentwickelnden Datenrecht übereinstimmen – egal ob auf lokaler, regionaler, nationaler oder internationaler Ebene. Infolgedessen sind Data Stewards eine wichtige Ressource für die Compliance-Anforderungen in ihren Domänen.

Mit kleinen Schritten beginnen

Maloberti sagt, dass Data-Governance-Rollen und -Verantwortlichkeiten die Art und Weise widerspiegeln sollten, wie das Unternehmen arbeitet. Sie sollten auf keinen Fall der Organisation aufgezwungen werden. Sie schlägt vor, dass Unternehmen damit beginnen, die vorhandenen Strukturen der Geschäftsabteilungen zu analysieren und herauszufinden, wer Entscheidungen trifft.

Abbildung 1: Beteiligte Akteure am Data-Governance-Prozess.
Abbildung 1: Beteiligte Akteure am Data-Governance-Prozess.

Denn Data Governance bedeutet ja, Entscheidungen auf der Grundlage von Daten zu treffen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass viele funktionale Bereiche mehrere strukturelle Geschäftseinheiten überspannen können. Da die Daten aus der Geschäftsabwicklung stammen, sollte es gängige Praxis sein, dem Geschäftsablauf zu folgen, Dateneigentümer zu identifizieren und Stewards zuzuweisen.

Obwohl das Ziel darin besteht, das Data-Governance-Programm auf das gesamte Unternehmen auszudehnen, ist es wichtig, mit inkrementellen Schritten zu beginnen, um an Dynamik zu gewinnen. „Am besten ist es, von Anfang an kleine Siege anzustreben und Dynamik aufzubauen, anstatt große, weitreichende Änderungen auf einmal zu versuchen“, sagt Hall. „In diesem Sinne ist es am besten, Data Governance als eine fortlaufende Praxis zu betrachten und nicht als ein Projekt mit einer festen Frist und Ergebnissen.“

Es ist auch wichtig, Metriken für die Datenqualität und andere Methoden zur Quantifizierung der Auswirkungen eines Data-Governance-Programms zu entwickeln. Damit lässt sich feststellen, wann das Programm erfolgreich ist oder vom Kurs abweicht.

Vier Fragen zum Aufbau eines Data-Governance-Programms

Kristina Bergman ist Gründerin und CEO von Integris Software, einem Anbieter von Datenschutz-Tools. Sie sagt, ein Data-Governance-Programm ist dann erfolgreich, wenn die folgenden vier Fragen mit Ja beantwortet werden:

  • Haben der Data-Governance-Rat und das Data-Governance-Team die Unterstützung und den Rückhalt der Führungsebene?
  • Kann der Rat klare Strategien und Ziele entwickeln, die sich auf Geschäftsinnovation, Effizienz und Kunden-Support auswirken?
  • Verfügt das Data-Governance-Team über das Budget, um Werkzeuge und Dienstleistungen für die Implementierung und Verwaltung des Programms zu erwerben?
  • Verfügt die Organisation über Fachexperten, die die taktischen und betrieblichen Herausforderungen eines Data-Governance-Programms unterstützen können? Falls nicht, werden neue Mitarbeiter oder professionelle Dienstleistungen erforderlich sein.

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