Cloud-ERP: Was ist SAP Business ByDesign?

Mittelständler, die eine Cloud-ERP-Lösung wie Business ByDesign einführen, können ihre IT-Kosten besser kalkulieren und entlasten die IT-Abteilung.

Dieser Beitrag ist der dritte einer Artikelreihe zu den Mittelstandlösungen von SAP. Den ersten Artikel finden Sie unter dem Titel „ERP-Unterstützung verbessert Unternehmensleistung im Mittelstand“ hier. Der zweite Beitrag beschäftigt sich mit SAP Business All-in-One.

Einen neuen Ansatz verfolgt der Walldorfer Softwarehersteller mit der ERP-On-Demand-Lösung SAP Business ByDesign. Im Unterschied zu den anderen Lösungen für den Mittelstand bietet SAP diese Software ausschließlich im Cloud-Modell als Software as a Service (SaaS) an. Glaubt man den Ergebnissen der IDC-Studie "Cloud Computing in Deutschland 2013", stehen die Zeichen für die Nutzung von Geschäftssoftware aus der Datenwolke günstig. Von den 260 befragten IT-Fach- und -Führungskräften planen 27 Prozent die Einführung von Cloud-Services oder beschäftigen sich damit.

SAP Business ByDesign richtet sich an Firmen, die zwischen 50 und 500 Mitarbeiter beschäftigen. Die andere Zielgruppe sind Konzerne, die kleinere Niederlassungen, Tochtergesellschaften oder Neugründungen in eine bestehende SAP-Landschaft integrieren wollen. Laut Matthias Zacher, Analyst beim Marktforscher IDC, hat SAP in jüngster Zeit insbesondere die Großunternehmen als Zielgruppe im Visier und kann mit Hilti, TUI und Lufthansa auch namhafte Kunden vorweisen.

SAP Business ByDesign deckt die Prozesse in den Bereichen Finanz-, Lieferanten-, Projekt-, Lieferketten- (SCM-) und Kundenbeziehungs-Management (Customer Relationship Management, CRM) sowie im Personalwesen ab. Darüber hinaus wartet die ERP-On-Demand-Software mit eingebauten Analysefunktionen auf. Das hat den Vorzug, dass kein zusätzliches, externes Data-Warehouse-System mehr benötigt wird. Alle Berichte sind direkt in die Software eingebunden. Die Endanwender können ferner mit In-Memory-Technologie auf den aktuellen Datenstand zugreifen. Zudem integriert die Lösung Automatisierungsfunktionen und eine Aufgabensteuerung mit Statusmanagement. Ein Nachteil der ERP-On-Demand-Software ist, dass es bisher lediglich 15 offizielle Länderversionen gibt; neben Deutschland, Österreich, Schweiz sind darunter auch die USA, China, Kanada, Australien, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Wird SAP Business ByDesign in ein Land ausgerollt, für das es keine offizielle Länderversion gibt, ist eine Lokalisierung und somit die Anpassung an landestypische Spezifika wie lokale Währung, Mehrwertsteuersatz und Finanzbuchhaltung unerlässlich. Das bedeutet: Diese SAP-Kunden leisten auf diesem Feld Pionierarbeit.

Abbildung 1: Mittelständische Firmen können mit der ERP-On-Demand-Lösung SAP Business ByDesign Kerngeschäftsbereiche integriert abbilden und eingebettete Analysefunktionen nutzen.

Die Geschäftsfunktionen werden über das Internet bereitgestellt. Der Zugriff darauf erfolgt über einen Browser, ob am Desktop-PC oder unterwegs per Laptop, Tablet oder Smartphone. Kunden beziehen die Software praktisch wie Strom aus der Steckdose und zahlen dafür eine monatliche Miete. SAP stellt durch den Betrieb der ERP-On-Demand-Lösung in seinen Rechenzentren außerdem die technische Infrastruktur bereit, inklusive Support- und Serviceleistungen. Dabei übernimmt SAP auch Administrations- und Pflegearbeiten, zum Beispiel das Einspielen neuer Funktionen, das Ausführen von Backups oder die Archivierung. Kunden können die On-Demand-Mietsoftware vorab nach ihren individuellen Anforderungen über das Internet konfigurieren und testen. Die Implementierung wird von SAP Consulting wie auch von speziellen SAP-Partnern erledigt. Die Einführung kann methodisch in Form einer „Go-Live-Assistance“ erfolgen; hierbei wird der Produktivstart durch externe Berater unterstützt. Bei einer „Go-Live Execution“ dagegen übernimmt SAP oder ein SAP-Partner den Produktivstart.

Das Lizenzmodell für die ERP-On-Demand-Lösung ist in drei Anwenderkategorien gestaffelt: Enterprise-User, Team-User und Self-Service-User. Die Mindestanzahl für eine Enterprise-User-Gruppe oder Team-User-Gruppe beträgt 15 Anwender. Laut SAP sind in der monatlichen Grundgebühr von 1.000 Euro fünf Anwender einer Enterprise-User- oder einer Team-User-Gruppe enthalten. Der monatliche Mietpreis für jeden weiteren Standard-Enterprise-Anwender liegt bei 133 Euro pro Monat. Will ein Unternehmen zusätzlich noch SCM-Funktionen zur Lagerverwaltung und Fertigungssteuerung nutzen und in diesen Bereichen auch Daten erfassen, fallen monatlich pro Anwender 179 Euro an. Die Team-User-Lizenz für CRM und Vertrieb kostet 79 Euro pro Anwender und Monat.

Für jeden Self-Service-User zahlt eine Firma zwischen zehn und 22 Euro pro Monat. Dazu zählen Anwender, die nur gelegentlich mit der Software arbeiten und zum Beispiel Teilaufgaben in der Projektabwicklung erledigen. Darunter fallen auch Anwender, die lediglich Werkzeuge für Self-Services und zur Datenerfassung benötigen, etwa im Fertigungs- und Lagerbereich.

Services zu Anwendungen koppeln

Technische Grundlage der ERP-On-Demand-Software bilden die Technologieplattform SAP NetWeaver sowie die in einem speziellen Bereich der Plattform hinterlegten Prozessbeschreibungen. Anders als bei der „klassischen“ SAP-R/3-Software wird Geschäftsfunktionalität beziehungsweise Geschäftslogik nicht mehr über Softwaremodule, sondern über Services zur Verfügung gestellt. Diese wiederum sind in SAP Business ByDesign betriebswirtschaftlich sinnvoll zu Anwendungen gekoppelt. Darüber hinaus bietet SAP für die Lösung diverse Services an, etwa zur Integration mit Geschäftspartnern, die Datenmigration, zur Simulation eines Einführungsprojektes oder für die Anpassung von Formularen und der Bedienoberfläche. Für die Cloud-basierte ERP-Software werden neue Funktionen, etwa für erweiterte Analysen oder das Finanzmanagement, über webbasierte App-Stores bereitgestellt. Allerdings seien bei einer ERP-On-Demand-Lösung die ausgelieferten Änderungen für viele Kunden nicht relevant und würden sich außerdem ihrer Kontrolle entziehen, kritisiert Gartner-Analyst Christian Hestermann in einem Blog-Beitrag.

Cloud-ERP: 50 Prozent preiswerter als On-Premise

Dafür profitieren Firmen von Kostenvorteilen, wenn sie sich für ein ERP-System aus der Cloud entscheiden statt für den On-Premise-Betrieb. Das jedenfalls wollen die Strategieberater von Booz & Company in ihrem Bericht „ERP in the Cloud. Is It Ready? Are You?” errechnet haben. Über einen Zeitraum von zehn Jahren liegen danach die IT-Gesamtbetriebskosten (= Total Cost of Ownership, TCO) für eine ERP-Lösung aus der Cloud rund 50 bis 60 Prozent unter denen einer Inhouse-Installation. Eine Cloud-basierte ERP-Software sei aber nicht nur kostengünstiger, sondern könne auch schneller implementiert werden als eine On-Premise-Lösung.

Im Schnitt dauert Booz zufolge die Einführung vier bis acht Monate, bei einer Inhouse-Installation zwischen zwölf und 36 Monate. Selbst für ein ERP-System im Hosting-Modell werden immerhin zwischen neun und 18 Monaten an Implementierungszeit veranschlagt. Laut einer Analyse von Accenture bedeutet das aber keineswegs das Ende der klassischen On-Premise-ERP-Installation. Nach wie vor werde für die Standardisierung von Prozessen und die Vereinheitlichung von Daten, Metriken und Reporting-Mechanismen ein zentrales ERP-System gebraucht. Den Königsweg sehen die Accenture-Analysten in einer „Two-Tier”-ERP-Implementierung. Dabei werde das ERP-Mutterschiff in bestimmten Bereichen und für einzelne Aufgaben um ERP-Lösungen aus der Wolke ergänzt.

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