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Wie Biotechnologie Supply Chain Management inspirieren kann

Die Wirtschaftswelt kann sich durch Biotechnologie inspirieren lassen, indem sie Lieferketten mit neuartigen Mustern und Erkenntnissen optimiert und verbessert.

Rund sechs Jahrzehnte nach Entdeckung der chemischen Struktur der DNA durch Francis Crick und James Watson, haben Wissenschaftler sogenannte CRISPR-Technologien zur Krankheitsprävention entwickelt. Sie dienen dazu, erkrankte Gensequenzen zu identifizieren und durch gesunde zu ersetzen.

Fehlerhafte Mutationen an den langen, sich wiederholenden Mustern genetischen Codes, aus denen sich die Doppelhelix der DNA bildet, werden lokalisiert und repariert. Krankheiten werden dadurch geheilt. Darüber hinaus kann die CRISPR-Methode zu erhöhter Krankheitsresistenz und weiteren positiven Veränderungen auf körperlicher und geistiger Ebene führen. Das macht die Technologie spannend, aber auch unheimlich.

Ähnlich dem Vorgehen in der Biotechnologie wird Fortschritt auch in der Wirtschaft hervorgebracht: es gilt Schwachstellen zu identifizieren und diese zu beheben, bevor sie Schaden anrichten können. Auf die Supply Chain angewandt heißt das: Unternehmen müssen bestimmte Teile ihrer Lieferketten identifizieren und so modifizieren können, damit sie die benötigte Flexibilität und Kompetenzen erreichen können, die für das Ausgabenmanagement und die Erzielung optimaler Ergebnisse erforderlich sind.

Treten Unternehmen zum Beispiel digitalen Netzwerken bei, erhalten sie Einblicke in die vernetzten Abläufe ihrer Handelspartner. Eine derartige Transparenz rückt unweigerlich sowohl leistungsschwache Zulieferer als auch Alternativanbieter, die einen potenziell höheren Mehrwert und Wettbewerbsvorteile mit sich bringen, in den Fokus.

„Angenommen wir fragen einen Computer, würde er antworten, dass er ein Bewusstsein besitzt und erklären, was er damit meint?“
Francis Crick Britischer Physiker und Molekularbiologe

Eine weitere Gemeinsamkeit von Wirtschaft und Biotechnologie besteht in der großen Relevanz kontinuierlicher Innovationen. Diese ergeben sich oftmals bei der Entdeckung bisher unbekannter Muster. Was alles könnten Unternehmen entdecken, wenn sie, analog zur CRISPR-Methode, ihre gesamte Bandbreite verfügbarer Informationen nach Mustern, Anomalien und Bedeutungen durchforsten würden?

Täglich sammeln Unternehmen im regulären Arbeitsprozess riesige Datenmengen zu Transaktionen, internen Vorgängen und Marketingaktivitäten. Jedoch wird nur ein Bruchteil dieser Daten jemals analysiert.

Welches Leistungspotenzial bleibt dadurch liegen? Welche Erkenntnisse bleiben verborgen? Welche Mehrwerte liegen in der schier endlosen Abfolge an Nullen und Einsen und den unzähligen Zulieferern aus der digitalen Supply Chain verborgen? Auf der Suche nach Antworten stützen sich Unternehmer auf digitale Netzwerke und neue Technologien wie künstliche Intelligenz.

Diese digitale, durch kognitive Technologien unterstützte Transformation kommt für die Wirtschaft genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn angesichts der anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten und branchenübergreifender Handelsspannungen, müssen Führungskräfte der einzigen Konstante voraus sein, auf die sie sich verlassen können: der Unerbittlichkeit des Wandels selbst.

Unternehmen, die offen gegenüber digitalen Technologien und Predictive Analytics sind, verbessern ihre Fähigkeit, operative (und weitere) Risiken einzudämmen. Sie haben die Möglichkeit, Engpässe, Fehlbestände und andere Herausforderungen vorauszusehen und zu beheben, bevor sich diese auf die Bilanz auswirken.

Die Transparenz entlang aller Lieferketten kann Unternehmen alternative Bezugsquellen und Transportwege aufzeigen und so die Wahrscheinlichkeit von Störungen durch Zölle, Materialknappheit, Streiks oder Naturkatastrophen verringern.

Eine agile Wertschöpfungskette muss stets flexibel genug bleiben, um Lieferanten, wenn nötig, auszugliedern und zu ersetzen. Sie sollte es aber ebenso gestatten, diejenigen zu belohnen, die ihre Anforderungen trotz unerwarteter logistischer Herausforderungen erfüllen können.

Die Transparenz der digitalen Netzwerke zeigt aber weit mehr als systemische Bedrohungen für die Geschäftsabläufe auf. Sie beleuchtet darüber hinaus wichtige Qualitätsfragen. Wie interagieren die Stakeholder eines Unternehmens – Zulieferer, Kunden, Angestellte – mit dessen E-Commerce-Plattform? Sind diese Systeme intuitiv in der Bedienung? Lernen sie etwas aus vergangenen Nutzungsszenarien, um zukünftige zu verbessern? Werden Daten aus angrenzenden Systemen auf einer zentralen Oberfläche integriert? Was sind die Pain Points der Nutzer? Oder wird im Betrieb überhaupt danach gefragt?

Pat McCarthy, SAP Ariba

„Unternehmen, die offen gegenüber digitalen Technologien und Predictive Analytics sind, verbessern ihre Fähigkeit, operative (und weitere) Risiken einzudämmen.“

Pat McCarthy, SAP Ariba

Was man nicht messen kann, kann man auch nicht reparieren. Deshalb fühlen smarte Unternehmen ihren Stakeholdern zunehmend mit ausgereifter Experience-Management-Funktionen auf den Zahn. Dabei wird Feedback eingeholt und analysiert, so dass Vorstände möglichst schnell entsprechend reagieren können.

Auch hier tut sich eine aufschlussreiche Parallele zu den CRISPR-Technologien auf: Die fortschrittlichen Arzneimittel versprechen eine deutlich verbesserte Lebensqualität für Menschen auf der ganzen Welt. Indem sie fehlerhafte Muster in der DNA wortwörtlich umschreibt, erscheint die CRISPR-Methode geradezu prädestiniert dafür, Leid zu verringern und das menschliche Leben in den kommenden Jahren bis ins Unermessliche zu verbessern.

In der Zwischenzweit lässt sich die Wirtschaftswelt weiter von der Biotechnologie inspirieren, indem sie Supply Chains mithilfe neuartiger Muster und Erkenntnisse verbessert – und indem sie neue Kompetenzen und Ressourcen in ihre DNA einbrennt.

Über den Autor:
Pat McCarthy ist General Manager bei SAP Ariba.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder und entsprechen nicht unbedingt denen von ComputerWeekly.de.

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