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Low-Code treibt Digitalisierung auch vom Home-Office voran

Mit einer Low-Code-Plattform lassen sich Anwendungen kollaborativ im Home-Office erstellen. Damit wird die Digitalisierung der Unternehmen weiter vorangetrieben.

Die Low-Code-Technologie galt schon vor der Pandemie als Treiber der Digitalisierung. Denn sie versetzt auch Fachanwender ohne Programmierkenntnisse in die Lage, eigene Apps ohne großen Aufwand zu erstellen. Das beschleunigt die Entwicklung, entlastet die IT-Abteilung und gibt Unternehmen die Flexibilität, um auf neue Anforderungen schnell mit den passenden Apps reagieren zu können. Mit einer modernen, webbasierten Low-Code-Plattform lassen sich diese auch ganz einfach kollaborativ im Home Office erstellen.

Um Herausforderungen wie die derzeitige Pandemie zu meistern, müssen Unternehmen widerstandsfähig, agil und digitalisiert sein. Und in den ersten Monaten der Coronakrise waren sie auch auf einem guten Weg, wenn man bedenkt, wie schnell und reibungslos die Umstellung von Millionen Mitarbeitern auf Remote Work funktioniert hat. Um ihren Geschäftsbetrieb in der Pandemie aufrechtzuerhalten, haben viele Firmen damals entscheidende Schritte in Sachen Digitalisierung unternommen. Dazu zählt vor allem die technische Ausstattung der Mitarbeiter für das Home-Office und die Einführung neuer Kommunikations- und Collaboration Tools.

Die nächste Digitalisierungswelle steht an

Nun steht die zweite Welle der Digitalisierung an. Jetzt geht es darum, Arbeitsabläufe zu flexibilisieren und zu optimieren, so dass die verteilte Belegschaft effizient zusammenarbeiten kann – sowohl untereinander als auch mit Geschäftspartnern und Kunden. Und das stellt die Unternehmen vor wesentlich größere Herausforderungen. Denn um Geschäftsprozesse zu digitalisieren, reicht eine Standardsoftware meist nicht aus, und die Entwicklung eigener Anwendungen ist zeitaufwendig und teuer.

Das wiederum stellt besonders die IT-Abteilungen vor große Herausforderungen. Sie muss die Digitalisierung ihres Unternehmens vorantreiben, die dafür nötigen Anwendungen entwickeln und die passenden Sicherheitsmaßnahmen ergreifen – alles mit begrenzten Ressourcen und unter Zeitdruck. In einer Studie des zu Cisco gehörenden Application-Performance-Anbieters AppDynamics erklärten 81 Prozent der befragten IT-Experten, noch nie einen so extremen Technologiedruck erlebt zu haben wie seit dem Ausbruch von COVID-19. Erschwerend kommt hinzu, dass die vielen Anwender, und auch die ITler selbst, derzeit von zuhause arbeiten.

Vielen Firmen sind die Defizite bei ihren bisherigen Digitalisierungsbemühungen erst in der Krise bewusst geworden. In der Studie des Fraunhofer Instituts Arbeiten in der Corona-Pandemie: Auf dem Weg zum New Normal vom Sommer 2020 gaben mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihnen die digitale Transformation im eigenen Betrieb nicht schnell genug gehe. Auch eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter rund 600 Firmen in Deutschland bestätigt, dass nicht alle gleichermaßen in der Lage sind, ihre Maßnahmen der digitalen Transformation zu intensivieren. Die Gefahr sei groß, dass diese digitale Spaltung weiter zunehme, warnen die Experten.

Unterstützung der Digitalisierung mit Low-Code-Technologie

Abhilfe schaffen flexible Technologien wie Low-Code. Mit dieser Form der Softwareentwicklung, die Mitarbeitern auch ohne Programmierkenntnisse die Erstellung von Apps ermöglicht, lässt sich die Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit von Unternehmen deutlich erhöhen und ihr Umgang mit unerwarteten Veränderungen verbessern. Low-Code-Plattformen versetzen Anwender aus den Fachabteilungen mit benutzerfreundlichen Vorlagen und einfach zu bedienenden Tools in die Lage, als so genannte Citizen Developer zu agieren und Geschäftsanwendungen nach dem Baukastenprinzip zu entwickeln. Indem sie ihr Prozesswissen (ohne Umwege über die IT) direkt in neue Applikationen einbringen, steigern sie die Produktivität ihrer Abteilung und optimieren bestehende Prozesse.

Gleichzeitig vereinfachen Low-Code-Plattformen die Zusammenarbeit zwischen IT- und Fachabteilung bei der Applikationsentwicklung. Durch den Einsatz einer standardisierten Technologie behält die IT die Kontrolle über die erstellte Anwendung aus Governance- und Compliance-Sicht. Gleichzeitig werden die Endanwender befähigt, auch hoch komplexe Business-Anwendungen im Handumdrehen zu erstellen. An die Stelle von Schatten-IT tritt so ein kontrolliertes Citizen Development, von dem das gesamte Unternehmen profitiert.

Beschleunigte Entwicklung, erhöhte Flexibilität, Entlastung der IT

Die einfache Bedienung von Low-Code-Plattformen beschleunigt die Entwicklungsarbeit um das bis zu Zehnfache gegenüber der regulären Programmierung. Durch vorgefertigte Elemente, wie etwa standardisierte SAP-Konnektoren, und eine grafische Benutzeroberfläche für die Visualisierung von Prozesslogiken oder Datenbankschemata ist es möglich, in nur kurzer Zeit eine voll funktionsfähige mobile Applikation zu erstellen.

Der dazugehörige Programmcode wird währenddessen im Hintergrund automatisch erzeugt. Das trägt zur Effizienz und Verkürzung der Arbeitszeit bei. Zudem lassen sich Anwendungen flexibel an neue Gegebenheiten anpassen oder neue Applikationen agil umsetzen und Prozesse entsprechend optimieren. In der herkömmlichen Programmierung ist selbst bei leicht veränderten Anforderungen oft ein größerer Programmieraufwand oder zumindest eine längere Einarbeitungszeit für Entwickler, die die Anwendung nicht selbst geschrieben haben, erforderlich.

Auch die IT-Abteilung profitiert von der Arbeit der Citizen Developer. Statt sich mit einfachen und wiederkehrenden Tätigkeiten zu befassen, kann sie sich auf ihre Kernaufgaben und die Maßnahmen der Digitalisierung konzentrieren. Die Entlastung der IT-Abteilung durch die Fachanwender ist auch im Hinblick auf den anhaltenden Fachkräftemangel ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Für den Erfolg der digitalen Transformation eines Unternehmens spielt das Citizen Development daher eine zentrale Rolle. Wo bislang fundierte Programmierkenntnisse erforderlich waren, werden heute Anwender aus den Fachbereichen direkt an der Entwicklung dringend benötigter Apps beteiligt.

Damit sorgt Low-Code für mehr Unabhängigkeit von der IT und trägt zur Zukunftssicherheit von Unternehmen bei. Nach Angaben des Forrester-Reports Navigating The Rapid App Delivery Market vom September 2020 wird der Markt für Rapid-App-Delivery-Plattformen (inklusive Low-Code und digitaler Prozessautomatisierung) bis zum nächsten Jahr auf ein Volumen von bis zu 9,6 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Digitalisierung vorantreiben – auch im Home-Office

Mit einer modernen Low-Code-Plattform lassen sich Apps entwickeln, mit denen die Mitarbeiter verschiedene Aufgaben auch vom Home-Office aus effizient und in hoher Qualität erledigen und damit die Digitalisierung vorantreiben können.

Es gibt dahingehend viele Beispiele aus der Praxis, bei denen ein digitaler Helfer in Form einer Applikation unterstützen kann, ohne dabei selbst vor Ort sein zu müssen. So ermöglicht beispielsweise ein Smart Maintenance Dashboard die Echtzeit-Überwachung von Maschinendaten und Anlagen aus der Ferne.

Dabei können unter anderem bestimmte Schwellenwerte festgelegt werden, bei deren Über- oder Unterschreitung automatisch Störmeldungen ausgelöst und per Push Notification an das Mobilgerät eines ausgewählten Mitarbeiters gesendet werden. Mitarbeiter vor Ort können die Störfälle, die zuvor mit Unterstützung einer Störungsmanagement-App angelegt wurden, direkt und effizient abwickeln.

Nach Abschluss können diese in der Störungsmanagement-App als erledigt markiert und der Ablauf detailliert dokumentiert werden. Das sind nur zwei Beispiele für die zahlreichen Tätigkeiten, die heute digitalisiert werden können – und auch müssen. Denn nur so können Unternehmen die Vielzahl der neuen Möglichkeiten durch die digitale Transformation nutzen und Industrie 4.0 erfolgreich umsetzen.

Reza Etemadian, Simplifier AG

„Mit einer modernen Low-Code-Plattform lassen sich Apps entwickeln, mit denen die Mitarbeiter verschiedene Aufgaben auch vom Home-Office aus effizient und in hoher Qualität erledigen und damit die Digitalisierung vorantreiben können.“

Reza Etemadian, Simplifier AG

Und da sich auch viele Low-Code-Anwender, professionelle Programmierer ebenso wie Citizen Developer, derzeit im Home-Office befinden, sind moderne, flexible Low-Code-Plattformen gefragt, die das Erstellen, Anpassen, Warten und Erweitern von Apps mit wenigen Klicks auch von zuhause ermöglichen.

Unabhängig davon, wie lange die Coronapandemie noch dauert – der Bedarf an digitalisierten Prozessen wird weiter steigen. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen die dafür erforderlichen Anwendungen ohne großen Aufwand und ortsunabhängig entwickeln können. Webbasierte Low-Code-Plattformen, mit denen auch Fachanwender ohne Programmierkenntnisse Apps erstellen können, sind daher in der heutigen Zeit Gold wert.

Über den Autor:
Reza Etemadian ist Gründer und seit inzwischen fast zehn Jahren Geschäftsführer des Low-Code-Anbieters Simplifier (zuvor iTiZZiMO). Nach seinem Abitur absolvierte er ein Studium im Bereich Wirtschaftsinformatik und war anschließend einige Jahre in der SAP-Beratung tätig. Bevor er sich dazu entschloss, mit der Simplifier AG ein eigenes Unternehmen zu gründen, arbeitete er fünf Jahre bei einem Wiener Startup im SaaS-/Cloud-Umfeld.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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