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Bringt Digitalisierung Italien den wirtschaftlichen Boom?

Italien setzt ab 2019 auf digitale Netze. Seit 1. Januar sind Unternehmen verpflichtet, Rechnungen elektronisch auszustellen. Das Verfahren bietet einige Vorteile.

Als Augustus das römische Finanzsystem reformierte, vereinfachte er die Besteuerung im gesamten Reich. Dies führte zu einer der längsten und stabilsten Wachstumsperioden der gesamten Antike.

Zweitausend Jahre später versucht die Regierung in Rom erneut, die nachlassende Wirtschaft zu stimulieren, deren Rückgang zum Teil auf ein anhaltendes Defizit bei den von Italien erhobenen Mehrwertsteuern zurückzuführen ist.

Italien wird ab 2019 eine Steuerlösung umsetzen, von der die Kaiser damals wohl nur träumen konnten: digitale Netze. Dieses Jahr wird das Land als erstes in Europa die elektronische Rechnungsstellung für alle Business-to-Business- und Business-to-Consumer-Transaktionen einführen. Das offizielle Austauschsystem hierfür heißt Sistema di Interscambio (Sdl).

Der direkte Effekt ist, dass die Steuerbehörden Einblicke in den Handel gewinnen, der ihnen ansonsten möglicherweise verwehrt bleibt. Der indirekte Effekt kann jedoch noch größere Auswirkungen auf die italienische Wirtschaft haben: Nach der Einführung der digitalen Rechnungsstellung und der Feststellung ihrer Effizienz, könnten viele italienische Unternehmen in Erwägung ziehen, digitale Geschäftsnetzwerke und Cloud-basierte Anwendungen einzuführen.

Mit dieser Technologie sind sie in der Lage, Beschaffung, Vertragswesen, Einkauf und Zahlungen nahtlos auf einer einheitlichen Plattform zu verwalten. Durch die elektronische Vernetzung von Einkäufern und Lieferanten wird die Transparenz über die sich gegenseitig ergänzenden Fähigkeiten und vernetzten Abläufe optimiert.

Darüber hinaus erhöhen digitale Netzwerke die Anzahl und Vielfalt der verfügbaren Handelspartner. Unternehmen erhalten auch die Möglichkeit, bei Produktdesign, Vertriebsstrategien und gemeinsamen Marketingkampagnen miteinander zu kooperieren. Durch diese und andere Synergien birgt der digitale Geschäftsverkehr das Potenzial, nicht nur das Wachstum eines Unternehmens, sondern einer ganzen Volkswirtschaft voranzutreiben.

Sean Thompson, SAP Ariba

„Italien schließt sich mit der Verpflichtung zur digitalen Rechnungsstellung einer vielversprechenden globalen Bewegung zur Stärkung der Rechenschaftspflicht im Einkauf an.“

Sean Thompson, SAP Ariba

Die Einführung könnte zu keinem besseren Zeitpunkt für Italien kommen: Nach vielen Jahren der Stagnation hat die Wirtschaft in jüngster Zeit Optimismus in Form von Haushaltsdisziplin signalisiert. Durch digitale Netze kann Italien hoffen, die Einnahmen wieder einzuholen, die erforderlich sind, um aus seiner beträchtlichen Verschuldung herauszukommen. Außerdem soll dadurch das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden, um einen Rückfall zu verhindern.

Italien schließt sich mit der Verpflichtung zur digitalen Rechnungsstellung einer vielversprechenden globalen Bewegung zur Stärkung der Rechenschaftspflicht im Einkauf an. Im November 2018 verabschiedete Australien einen Modern Slavery Act, der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar verpflichtet, ihre Bemühungen zur Beseitigung von Zwangsarbeit und Menschenhandel innerhalb ihrer Lieferketten zu melden. Das Gesetz folgt ähnlichen Verfügungen, die 2015 in Großbritannien und 2010 in Kalifornien erlassen wurden.

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation sind weltweit 25 Millionen Menschen von Zwangsarbeit betroffen. Bis zum Aufkommen der digitalen Netze hatten die betroffenen Verbraucher und Unternehmen wenig verlässliche Informationen, um die ethischen Geschäftspraktiken der von ihnen unterstützten Marken zu beurteilen.

Dank digitaler Geschäftsnetze, einer elektronischen Rechnungsstellung und Cloud-basierter Technologie hat sich das aber inzwischen geändert. Wie der amerikanische Jurist Louis Brandeis bemerkte: „Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel.“

Wenn Unternehmen digitalen Netzwerken beitreten, profitieren sie von Transparenz sowohl im operativen als auch im Reputationsbereich, so dass sie Wachstum fördern und gleichzeitig Gutes tun können. Brava, Italia!

Über den Autor:
Sean Thompson ist SVP und Global Head of Business Development & Ecosystem bei SAP Ariba.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2019 aktualisiert

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