VM-Migration: Der Unterschied zwischen vMotion und Live Migration

Für die Migration virtueller Maschinen gibt es mit VMware und Microsoft zwei große Anbieter. Ein Überblick über vMotion und Live Migration.

Für den Anfänger sehen VMware vMotion und Microsoft Live Migration sehr ähnlich aus. Beide bewegen virtuelle Maschinen im laufenden Betrieb von einem Host zu einem anderen. Und das Ganze ohne Zeitverzögerung oder mit nur ein paar Millisekunden Ausfallzeit. Natürlich behaupten beide Anbieter, dass ihre Technologie der jeweils anderen überlegen ist, aber wie funktionieren die Techniken und welche ist wirklich besser? Oder sind beide Technologien gleichwertig? Werfen wir einen Blick darauf, wie Live Migration  und vMotion funktionieren und was Sie dazu wissen sollten.

Der Versuch, Live Migration und vMotion zu vergleichen, ähnelt dem Vergleich edler Weine. Die subtilen Unterschiede sind nicht sofort erkennbar, bis Sie Zeit mit jeder Technik verbringen. Nicht viele Menschen haben die Zeit oder Ressourcen, um sich sowohl in VMware vMotion als auch in die Microsoft Live Migration einzuarbeiten. In diesem Beitrag werden ich Ihnen diese feinen Unterschiede erklären, damit Sie sich selbst ein Bild machen können.   

Eine kurze Geschichte der Migration virtueller Maschinen

Bereits im Jahr 2003 startete VMware GSX und vCenter, das vMotion enthielt. VMware vMotion war der erste „Aha-Effekt“ der Server-Virtualisierung. Die Migration virtueller Maschinen mit vMotion war damals schon so einfach, dass es schier unglaublich war. Ich erinnere mich an die Prüfung der Prozesse: Ich konnte mich mit der VM verbinden, während vMotion die VM und ihre Dateien bewegte. Bevor ich überhaupt realisieren konnte was geschah, war die Migration auch schon wieder abgeschlossen. Das war nicht nur für mich eine überraschende und hervorragende neue Technik, daher verkaufte sich VMware vMotion auch bei vielen anderen IT-Profis aus dem Bereich der Server-Virtualisierung entsprechend gut.

Weitere Artikel zu Windows Server:

Wie Windows Server 2012 R2 die Speicherverwaltung ändern wird

Mit Hyper-V Linux virtualisieren

Hardware-Anforderungen von Windows Server 2012 R2

Windows Server 2012 R2: Synchronisieren mit Arbetisordnern

5 Gründe für den Einsatz von Hyper-V in Windows Server 2012 R2

Auch Microsoft stellte daraufhin eine ähnliche Technik zur Verfügung, um seinem Hypervisor Hyper-V Hochverfügbarkeit zu spendieren. Microsofts Lösung heißt Quick Migration und wurde mit Windows Server 2008 Hyper-V eingeführt. Mit Quick Migration wurde die virtuelle Maschine angehalten, der Speicher wurde auf die Platte geschrieben, die VM-Speicher danach auf einen anderen Hyper-V-Host verschoben und erst danach wurde die Maschine wieder gestartet. Dieser Vorgang kostete Zeit und vor allem stand die virtuelle Maschine währenddessen nicht zur Verfügung. Im Vergleich zu vMotion war das ein großer Nachteil. Quick Migration ist auch heute noch Bestandteil von Hyper-V, auch in Windows Server 2012 R2.

Mit Windows Server 2008 R2 hat Microsoft Quick Migration schließlich durch Live Migration ersetzt. Mit Live Migration bleibt die VM tatsächlich aktiv,  auch solange die VM-Speicher von einem Hyper-V-Host zu einem anderen bewegt werden. Wie auch in früheren Versionen von vSphere war für Live Migration Shared Storage erforderlich. Für Server, die nicht kompatibel mit Live Migration sind, steht auch weiterhin Quick Migration zur Verfügung.

Was ist neu in vMotion und Live Migration?

Für Live Migration in Windows Server 2012/2012 R2 ist jetzt kein gemeinsam genutzter Speicher mehr nötig. Zudem besteht seit Hyper-V 2012 die Möglichkeit, gleichzeitig mehr als eine Live Migration durchzuführen. Mit dieser neuen Funktion kann ein Admin virtuelle Maschinen lokal oder sogar auf SMB-Speichern (Server Message Block) im Netzwerk speichern. Auch dann sind Sie immer noch in der Lage, VMs ohne Ausfallzeiten zu bewegen. Live Migration mit Hyper-V in Windows Server 2012 unterstützt auch 10-Gigabit-Ethernet-Netzwerke.

Weitere Artikel zu VMware vSphere:

Mit PowerCLI-Skripten vSphere automatisieren

vSphere vs. Hyper-V: Hypervisor-basierte VM-Replikation

vSphere mit Bordmitteln absichern

Nach der vSphere-Migration auf virtuelle Maschinen zugreifen

vSphere: Mit Distributed Resource Scheduler die VM-Performance verbessern

Einer der umstrittensten Aspekte bei der Live Migration ist schließlich die Aussage von Microsoft, man könne damit eine unbegrenzte Anzahl an Migrationen auf einmal durchführen. Mit Windows Server 2012 R2 hat Microsoft die Technologie aber auf jeden Fall noch einmal verbessert und die Daten-Komprimierung in die Live Migration integriert. Administratoren können auf diesem Weg die Live Migration wesentlich schneller durchführen und das Netzwerk wird bei diesem Vorgang nur wenig belastet.

VMware dagegen hat in vSphere 5.1 Verbesserungen integriert, die vMotion und Storage VMotion in einem einzigen Arbeitsgang vereint. Im Ergebnis kann auch vMotion jetzt ohne Shared Storage durchgeführt werden. Damit besitzt vSphere seit dieser Version ähnliche Funktionen wie Live Migration in Hyper-V 2012/2012 R2. Diese neue, verbesserte Version von vMotion ist allerdings nur dann verfügbar, wenn Sie den vSphere Web Client nutzen. Enthalten ist diese Funktion in vSphere Essentials Plus und höher. Laut VMware beträgt die maximale Anzahl der gleichzeitigen vMotion-Migrationen pro Host mit einer 1-GbE-Netzwerkverbindung vier, während die Anzahl mit einer 10-GbE-Netzwerkverbindung auf acht steigt.

vMotion und Live Migration: Performance-Unterschiede bei der VM-Migration

Letztendlich besteht der größte Unterschied zwischen VMware vMotion und Microsofts Live Migration bei Performance und Funktionsumfang.

VMware vMotion ist in vSphere Essentials Plus und höher integriert. Microsofts Live Migration dagegen ist auch in der kostenlosen Version von Hyper-V Server 2012/2012 R2 enthalten. Die kostenlose Version verfügt zwar nicht über eine grafische Benutzeroberfläche, bietet aber den gleichen Funktionsumfang wie die kommerzielle Version von Windows Server 2012/2012 R2. Natürlich unterstützen auch die Standard- und Datacenter-Version von Windows Server die Live Migration.

Microsofts Anspruch, eine unbegrenzte Anzahl gleichzeitiger Live-Migrationen durchführen zu können, hat eine hitzige Debatte darüber gestartet, ob ein solcher Anspruch überhaupt realistisch ist oder eigentlich nicht umgesetzt werden kann. Die Aussage, dass Software unbegrenzt skalieren kann ist höchst verdächtig, und viele Experten haben darauf hingewiesen.

Dies hat VMware-Experten, darunter Chris Wahl und Eric Gray, auf den Plan gerufen. Beide haben die Technologie untersucht und darauf hingewiesen, dass das Durchführen einer unbegrenzt großen Anzahl gleichzeitiger Live-Migrationen nicht besonders klug oder praktisch wäre. Beide Experten raten dazu, als Softwareunternehmen von der Aussage unbegrenzter Skalierbarkeit abzurücken und stattdessen eine getestete maximale Konfiguration angeben.

Eine von VMware in Auftrag gegebene Forschungsstudie von Principled Technologies zeigte im Gegenzug, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit von vMotion in vSphere 5 bis zu 5,4-mal schneller abgeschlossen werden kann, als der Durchschnittswert einer Live- Migration in Windows 2008 R2 SP1. Die Studie ergab auch, dass die Live Migration die Leistung von Anwendungen und Betriebssysteme mehr als vMotion beeinträchtigt. Es hat allerdings noch keine Studie Windows Server 2012 oder Windows Server 2012 R2 mit  vSphere vMotion 5.1/5.5 verglichen. Hier kann also nicht abschließend festgestellt werden, wie die Leistungsunterschiede der beiden Technologien sind.

vMotion vs. Live Migration: Welchem Anbieter vertrauen Sie mehr?

Wie bei vielen Vergleichen kommt es letztlich auch beim Unterschied zwischen vMotion und Live Migration darauf an, welchem ​​Anbieter Sie am meisten vertrauen. VMware vSphere kann sicherlich auf die längere Entwicklungszeit zurückblicken und besitzt den größeren Marktanteil. VMware hat also bereits das Vertrauen von zahlreichen Verantwortlichen in Data Centern für sich gewonnen, während Microsofts Live Migration auf der anderen Seite der "Herausforderer" ist und das großflächige Vertrauen erst noch gewinnen muss. Das bedeutet aber nicht, dass Microsofts Live Migration weniger vertrauenswürdig wäre.

Wie bei vielen Produkten oder Funktionen, die ähnlich aussehen, können Sie auf den ersten Blick nicht wirklich wissen, wie skalierbar oder vertrauenswürdig diese wirklich sind. So können beispielsweise zwei Rennwagen ähnlich aussehen, aber Sie wissen nicht wirklich, wie schnell sie sind oder wie lange sie die Geschwindigkeit halten können, ohne die Wagen auf der Strecke zu testen.

Wenn Sie mit Hyper-V 2012/2012 R2 liebäugeln, dann ermutige ich Sie, für sich selbst zu testen und zu sehen, ob Sie mit der Lösung zurechtkommen. Microsoft stellt neben der kostenlosen Standalone-Version Hyper-V Server 2012 R2 auch kostenlose Testversionen von Windows Server 2012/2012 R2 zur Verfügung. Egal wofür Sie sich entscheiden, Sie sollten bedenken, dass die Migration von laufenden VMs nur einer von vielen Aspekten eines Hypervisor-Paketes ist. Die Virtualisierungs -Debatte ist viel mehr als nur der Vergleich zwischen vMotion und Live Migration. Im größeren Rahmen dreht es sich also eigentlich um einen Vergleich zwischen vSphere und der vCloud Suite auf der einen Seite und Microsoft Hyper-V und System Center 2012/2012 R2 auf der anderen.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Facebook, Twitter und Google+!

Erfahren Sie mehr über Containervirtualisierung

ComputerWeekly.de
Close