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SAP ABAP-1: KI-Sprachmodell für ABAP-Code
SAP ABAP-1 ist das erste auf ABAP spezialisiertes Foundation Model von SAP. Das Modell erklärt ABAP-Code, kann mittlerweile aber auch für Codegenerierung verwendet werden.
SAP ABAP-1 (ABAP-KI-Modelle) ist das erste Foundation Model von SAP, das auf ABAP-Code trainiert wurden. Der produktive Funktionsumfang deckt unter anderem die Erklärung von ABAP-Programmcode ab. Der Zugang erfolgt über den Hub für generative KI (Generative AI Hub) auf der SAP Business Technology Platform (BTP).
SAP ABAP-1 ist auf den Bestand an ABAP- und CDS-Code innerhalb von SAP S/4HANA abgestimmt. Die technische Anbindung und die unterstützten Aufrufe beschreibt SAP im Help Portal. Das Modell richtet sich auf ein verbreitetes Problem gewachsener SAP-Landschaften: das Verständnis von ABAP-Code ohne vorhandene Dokumentation.
SAP ABAP-1 erklärt vorhandenen ABAP-Code
Das Modell beschreibt Quellcode in natürlicher Sprache. Als Eingabe dient eine ABAP-Klasse, eine Methode oder ein Ausschnitt aus dem Code-Repository, als Ausgabe folgt eine Erläuterung in englischer Sprache, wobei mittlerweile auch andere Sprachen unterstützt werden. Entwickler erhalten damit einen Einstieg in fremde oder alte Programme, bevor sie eine Anpassung vornehmen oder ein Refactoring starten. Der Nutzen steigt mit dem Alter des Codes, denn gerade gewachsene Z-Programme dokumentieren ihre Logik selten vollständig.
Dasselbe Modell steht hinter mehreren SAP-Werkzeugen. Joule for Developers in den ABAP Development Tools (ADT) für Eclipse nutzt SAP ABAP-1 im Hintergrund, ebenso Joule for Consultants und das Szenario zur Custom-Code-Migration, das alten Code bei der Umstellung von SAP ERP auf SAP S/4HANA erläutert. Als Trainingsgrundlage nennt SAP den ABAP- und CDS-Codebestand von S/4HANA, laut SAP rund 250 Millionen Zeilen ABAP-Code. Die Menge deutet auf eine breite Abdeckung von Standardobjekten, Kundenerweiterungen, BAdI-Implementierungen und Mustern der ABAP-Cloud-Entwicklung hin, sagt für sich genommen aber nichts über die Qualität einzelner Erläuterungen aus.
Gegenüber generischen Sprachmodellen führt SAP einen fachlichen Vorteil an. Nach SAP-Angaben kennt SAP ABAP-1 das Typsystem von ABAP, die eingeschränkte Sprachmenge der ABAP-Cloud-Entwicklung und die für den Clean Core freigegebenen Schnittstellen und erzeugt dadurch seltener falsche Klassennamen oder Methodensignaturen. Die Info dazu stammt aber von SAP und ist nicht unabhängig validiert. Für Entwicklerteams bleibt ein Praxistest an eigenem Code die belastbarste Prüfung, denn die Ausgabe verlangt weiterhin eine fachliche Kontrolle vor jeder Änderung am Programm.
Zugang über Orchestration Service
Der Aufruf des Modells erfolgt über den Orchestration Service des Generative AI Hub. Voraussetzung sind ein Onboarding in SAP AI Core, eine Service-Instanz samt Service Key, der Extended Service Plan und eine Deployment-URL für den Orchestration Service. Im Request-Payload verweist der Aufruf über den Modellnamen sap-abap-1 auf das Modell. Über den Orchestration Service lassen sich Prompt-Templates und die harmonisierte API der Plattform nutzen, sodass der Zugriff dem Muster anderer Modelle im Hub für generative KI folgt. Eine Filterung von Ein- und Ausgabe blockt schädliche oder unerwünschte Inhalte.
Die maximale Kontextlänge beträgt 128.000 Token. Nach Abzug von Reserven für Anweisungen und Ausgabe verbleiben rund 120.000 Token für den Code, was ungefähr 250.000 Zeichen Quellcode ergibt. Große Einzelklassen passen damit in einen Aufruf, sehr umfangreiche Monolithen überschreiten die Grenze und erfordern eine Aufteilung in kleinere Einheiten. Für Massenanalysen bietet der Generative AI Hub eine Batch-Verarbeitung, die mehrere Eingaben in einem Vorgang abarbeitet. Die Abrechnung folgt dem Verbrauchsmodell von SAP AI Core.
Die Verfügbarkeit hängt an den Entitlements des BTP-Kontos und an der gewählten Region, da SAP AI Core nicht jedes Modell in jeder Region anbietet. Ein Testzugang steht über eine kostenlose Phase von 30 Tagen zur Verfügung. Die Modellgewichte gibt SAP nicht heraus, eine eigene Feinabstimmung ist nicht vorgesehen. Das Modell bleibt vollständig von SAP verwaltet, Aktualisierungen auf neue ABAP-Versionen übernimmt der Anbieter ohne Eingriff des Kunden.
Joule for Developers ist primäre Schnittstelle
Für die meisten Entwickler führt der Weg zu SAP ABAP-1 über Joule for Developers in den ABAP Development Tools für Eclipse. Die Einbindung dort ist nativ, das Modell liefert die zugrunde liegende Fähigkeit, Oberfläche und Kontextbezug stammen von Joule. Joule bezieht daneben Modelle von Drittanbietern ein, unter anderem von OpenAI, Google, Anthropic und Mistral, und kombiniert sie mit SAP-eigenen Modellen. Der direkte Aufruf über den Generative AI Hub bleibt die Option für Teams, die von Joule unabhängig arbeiten oder eigene Werkzeuge anbinden.
SAP stellt inzwischen auch die ABAP Development Tools for Visual Studio Code bereit und integriert dort ebenfalls Joule for Developers. Technisch lässt sich das Modell theoretisch in jede Entwicklungsumgebung mit Erweiterungsschnittstelle einbinden. Über die genannten Punkte hinaus plant SAP einen ABAP MCP Server, der ABAP-Fähigkeiten über das Model Context Protocol (MCP) für beliebige KI-Agenten bereitstellen soll.
Produktiv deckt SAP ABAP-1 die Codeerklärung ab, also Code-to-Text-Szenarien, unterstützt mittlerweile aber auch Codegenerierung, Refactoring und Testgenerierung. Für die tägliche Programmierarbeit bleibt Joule for Developers mit seinen Funktionen aber der empfohlene Weg.
Das Modell koppelt KI-Hilfe an BTP-Lizenz-Stack
Der Zugriff auf SAP ABAP-1 setzt SAP AI Core, den Extended Service Plan und entsprechende BTP-Entitlements voraus. Damit hängt die KI-Unterstützung für ABAP am kostenpflichtigen Cloud-Stack von SAP und an dessen AI Foundation. Für Bestandskunden bedeutet das eine engere Bindung an die Plattform, denn ohne aktives BTP-Abonnement einschließlich AI Foundation steht das Modell nicht bereit. Die AI Foundation wird damit zur Voraussetzung für den Zugang zu SAP-eigener KI in der Entwicklung.
SAP ABAP-1 bleibt ein geschlossenes Modell. Ohne Zugang zu den Gewichten und ohne eigenes Fine Tuning können Unternehmen es nicht an ihre spezifischen Codemuster anpassen, die Steuerung erfolgt allein über die Eingabeaufforderung. Der Quellcode wird zur Analyse an den von SAP betriebenen KI-Dienst innerhalb der AI Foundation übertragen, was allerdings Fragen zur Region der Verarbeitung und zur Nachweisbarkeit aufwirft. Für CISO, Datenschutzbeauftragte und Compliance zählen an dieser Stelle die Region des Modellbetriebs und die Protokollierung der Ein- und Ausgabefilterung.
Die Ausgabe erfolgt in erster Linie in englischer Sprache, wobei Joule mittlerweile mehrere Sprachen unterstützt. Für deutschsprachige Teams kann das eine Einschränkung bedeuten, vor allem bei der Einarbeitung jüngerer Entwickler in dokumentationsarmen Code. Enterprise Architects gewinnen mit einem gemanagten Modell wiederholbare Muster für die Codeanalyse, geben im Gegenzug jedoch Kontrolle über Betrieb und Anpassung ab.
SAP ABAP-1 stützt Clean-Core-Strategie
Das Training auf ABAP-Cloud-Mustern und freigegebenen Schnittstellen richtet das Modell am Clean-Core-Ansatz von SAP aus. Die eingeschränkte Sprachmenge der ABAP-Cloud-Entwicklung untersagt Zugriff auf nicht freigegebene Tabellen und APIs sowie Änderungen am SAP-Standard. SAP ABAP-1 ist auf diesen Rahmen ausgerichtet, denn das Training deckt vor allem die konformen Muster ab. Für On-Stack-Erweiterungen im S/4HANA-System steht das BTP ABAP Environment bereit.
Für Kunden mit großen Beständen an eigenem Z-Code liegt der praktische Nutzen heute im Verständnis alter Programme vor einem Umbau. Die Umstellung auf das ABAP RESTful Application Programming Model (RAP) verlangt eine andere Denkweise und eine Umschulung der Entwickler, der Refactoring-Aufwand bleibt hoch. SAP ABAP-1 unterstützt die Erklärungsphase dieser Migration, die konkrete Umsetzung liegt weiter bei den Teams. Für offene Standards mit Node.js oder Java bietet SAP daneben das Cloud Application Programming Model (CAP).
Innerhalb der AI Foundation ist SAP ABAP-1 ein Baustein neben anderen Modellen, darunter SAP RPT-1 für strukturierte Geschäftsdaten und verschiedene Analytics-Aufgaben. Der technische Kern bleibt ein spezialisiertes Werkzeug für die ABAP-Entwicklung, dessen Nutzen sich an der Qualität der Erläuterungen am eigenen Codebestand bemisst. Die strategische Kopplung an Clean Core und BTP verschiebt die Frage von der reinen Technik hin zur Investitionsentscheidung über die künftige SAP-Architektur.