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Schatten-KI im Netzwerk erkennen und eindämmen

Schatten-KI, also die unbefugte Nutzung von KI-Tools, birgt Risiken wie Datenexposition und Compliance-Probleme. Dagegen helfen bessere Netzwerksichtbarkeit und Monitoring.

Eine genaue Analyse von IT-Unternehmensumgebungen zeigt, dass Schatten-KI längst kein Randthema mehr ist – sie ist allgegenwärtig. Unautorisierte KI-Tools werden unternehmensweit eingesetzt, oft begünstigt durch schwache Richtlinien und den aktuellen KI-Hype.

Die Gefahr ist real: Unternehmen riskieren durch Schatten-KI Reputationsschäden, Compliance-Verstöße und potenzielle Umsatzverluste. Organisationen, denen es nicht gelingt, den Einsatz von KI zu kontrollieren und zu formalisieren, werden Schwierigkeiten haben, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dies stellt sowohl für Unternehmen als auch für Netzwerkteams eine wachsende Herausforderung dar, insbesondere angesichts der zunehmenden Komplexität moderner Infrastrukturen. Schatten-KI ist ohne umfassende Sichtbarkeit und kontinuierliches Monitoring schwer zu erkennen. Dieser Artikel beschreibt Möglichkeiten, wie Unternehmen Schatten-KI erkennen und deren Folgen minimieren können.

Was ist Schatten-KI?

Schatten-KI bezeichnet den Einsatz von KI-Tools und -Modellen innerhalb eines Unternehmens ohne Genehmigung oder Kontrolle durch IT-, Sicherheits- oder Compliance-Teams. Ähnlich wie bei Schatten-IT birgt diese unkontrollierte Nutzung gravierende Risiken wie Datenlecks, regulatorische Verstöße und Sicherheitslücken. Das gilt insbesondere dann, wenn sensible Informationen mit nicht verifizierten Drittanbieterplattformen geteilt werden.

Nicht verwaltetes BYOD beschleunigt die Verbreitung von Schatten-KI in Unternehmen. Diese Risiken bleiben oft unentdeckt, bis spezialisierte Teams umfassende Sichtbarkeit und kontinuierliches Monitoring implementieren.

Die Bedrohung ist nicht theoretisch, sondern bereits durch Zahlen belegt. Laut einem Bericht von IBM aus dem Juli 2025 hat jedes fünfte Unternehmen bereits eine Sicherheitsverletzung im Zusammenhang mit KI erlebt. Doch lediglich 37 Prozent haben Richtlinien zur Regelung der KI-Nutzung oder zur Erkennung von Schatten-KI-Aktivitäten eingeführt.

Diese Lücke verdeutlicht eine ernsthafte Gefährdung: Sensible Daten, einschließlich personenbezogener Informationen, können jederzeit kompromittiert werden, was sowohl das Vertrauen als auch den Ruf des Unternehmens gefährdet.

Fünf Hinweise auf Schatten-KI in Ihrem Netzwerk

Schatten-KI ist für viele Unternehmen ein unsichtbares Schlachtfeld. Auch wenn im Netzwerk scheinbar alles reibungslos läuft, arbeiten versteckte Tools und nicht genehmigte Prozesse oft unbemerkt im Hintergrund, ohne dass spezialisierte Teams sie aktiv erkennen.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Anzeichen dafür, dass ein Netzwerk von Schatten-KI betroffen ist.

1. Auffälliger ausgehender Traffic zu KI-Diensten

Ein häufiges Frühwarnsignal für Schatten-KI in einem Netzwerk ist eine Veränderung beim ausgehenden Datenverkehr. Beispiele hierfür sind:

  • Erhöhte Verbindungshäufigkeit zu externen KI-Service-Endpunkten.
  • Eine höhere Anzahl von POST-Anfragen im Vergleich zum typischen Surfverhalten.
  • Größere ausgehende Payloads als bei Standard-SaaS- oder Webaktivitäten.

In einigen Umgebungen äußert sich dies durch den regelmäßigen Transfer strukturierter Daten (etwa im JSON-Format) oder wiederholte Interaktionen mit Inferenz- beziehungsweise API-Endpunkten statt des Aufrufs statischer Inhalte.

Maßnahmen: Überprüfen Sie Ihre Proxy- oder Firewall-Protokolle auf ausgehende JSON-Payloads, die ungewöhnlich große Text- oder Eingabefelder enthalten.

2. API-Traffic von nicht verifizierten Endpunkten

KI-Plattformen werden in erster Linie über APIs genutzt, wodurch ihr Datenverkehr im normalen Anwendungs-Traffic untergeht. Anzeichen für einen nicht verwalteten Endpunkt sind unter anderem:

  • API-Aufrufe, die von Benutzer-Workstations, Laborumgebungen oder nicht verwalteten Hosts ausgehen.
  • Authentifizierungs-Token, die außerhalb der erwarteten Systeme oder Netzwerkzonen beobachtet werden.
  • Direkte ausgehende API-Kommunikation, die zentrale Services oder Gateways umgeht.

Eine Analyse des Netzwerkverhaltens könnte eine API-Nutzung identifizieren, die sich keinen bekannten internen Anwendungen zuordnen lässt, oder neue externe Endpunkte sichtbar machen, für die keine Dokumentation über eine vorherige Integration vorliegt. Diese Muster deuten oft auf eine dezentrale oder unbefugte API-Nutzung hin, insbesondere in entwicklungsintensiven Umgebungen.

Maßnahmen: Überwachen Sie den ausgehenden Datenverkehr auf API-Schlüssel oder -Token, die sich nicht den freigegebenen Unternehmenskonten zuordnen lassen.

3. Konsistenter Traffic ohne Benutzerinteraktion

Automatisierte Prozesse, beispielsweise KI-Agenten, erzeugen tendenziell Datenverkehr, dem die typische Dynamik menschlicher Nutzung fehlt. Zu den beobachtbaren Mustern gehören:

  • Anfragen in gleichmäßigen, vorhersehbaren Intervallen.
  • Aktivitäten auch außerhalb der normalen Betriebszeiten.
  • Sich wiederholende Datenmengen pro Anfrage oder ähnliche Datenstrukturen im zeitlichen Verlauf.

Allerdings sind diese Merkmale nicht ausschließlich auf KI beschränkt. Monitoring-Systeme, Backups und geplante Jobs können ähnlichen Traffic generieren. Die entscheidende Frage ist, ob das Verhalten mit dokumentierten und erwarteten Workloads übereinstimmt.

Maßnahmen: Verbessern Sie die Netzwerksichtbarkeit, um die Quelle der Aktivität zu identifizieren. Wenn Netzwerkteams nicht autorisierten Traffic feststellen, müssen sie die Aktivität eindämmen und den Netzwerk-Traffic kontinuierlich überwachen, um regelmäßige Überprüfungen durchzuführen.

4. Spitzen bei OAuth-Berechtigungen für Effizienz-Apps

Unternehmen agieren weitgehend in digitalen Umgebungen, wobei zahlreiche Tools den Arbeitsalltag von IT-Teams prägen. Integrationen optimieren die Zusammenarbeit und vermeiden doppelten Aufwand, erfordern aber gleichzeitig ein Zugeständnis bei der Sicherheit.

Mitarbeiter autorisieren häufig Anwendungen von Drittanbietern, sich per OAuth mit Unternehmenskonten bei Google Workspace oder Microsoft 365 zu verbinden, etwa um Meetings zusammenzufassen oder E-Mails zu verwalten. Schatten-KI dringt oft über Drittanbieterplattformen ein, die in Enterprise-Systeme integriert sind. Zu den Beispielen gehören:

  • Verbindungen zu bisher unbekannten externen Domänen.
  • Dauerhafte Kommunikation nach ersten Authentifizierungs- oder Autorisierungsprozessen.
  • Datenaustausch zwischen internen Diensten und externen Plattformen ohne klare Verantwortlichkeiten.

Mit der Zeit können unkontrollierte Integrationen von Drittanbietern zu einer erhöhten Abhängigkeit von externen Endpunkten führen, die weder in der Architektur noch im Asset-Inventar erfasst sind. Diese Muster sollten mit den freigegebenen Servicekatalogen und bekannten Integrationspunkten abgeglichen werden.

Maßnahmen: Überwachen Sie die Protokolle von Identitätsanbietern, um nicht verifizierte Drittanbieterapps aufzuspüren, die unnötige Berechtigungen anfordern – etwa Lese- und Schreibrechte für E-Mails oder Zugriff auf Kalenderdaten.

5. Zunahme von verschlüsseltem ausgehendem Traffic

Die meisten KI-bezogenen Interaktionen erfolgen über HTTPS, so dass der direkte Einblick in die Payload-Inhalte eingeschränkt ist. Zu den Indikatoren für nicht überwachte ausgehende Datentransfers zählen:

  • Anhaltende verschlüsselte Sitzungen mit überdurchschnittlich hohem Datenvolumen.
  • Wiederholte Übertragungen von Payloads ähnlicher Größe.
  • Auffällige Asymmetrie zwischen ein- und ausgehendem Datenverkehr.

Da der Inhalt verschlüsselt ist, stützt sich die Analyse auf Traffic-Metadaten – wie Volumen, Häufigkeit und Dauer – sowie auf Zielmuster und die Klassifizierung der Endpunkte. Diese Anzeichen bestätigen zwar nicht, dass es sich um sensible Daten handelt, könnten jedoch auf einen unkontrollierten Datenabfluss an externe Services hinweisen.

Maßnahmen: Nutzen Sie Metadaten, um ungewöhnlichen Datenverkehr zu erkennen. Bei unbefugtem Traffic sollten Sie dessen Zugriff auf das Netzwerk einschränken, um das potenzielle Risiko zu minimieren.

Risiken im Zusammenhang mit Schatten-KI

Die Debatte um Schatten-KI dreht sich meist primär um Fragen von Governance oder Compliance. Es ist jedoch entscheidend, die Risiken auf der Netzwerkebene zu erkennen, wo die tatsächliche Gefährdung auftritt. Jede Interaktion mit einem externen KI-Dienst – sei es ein Prompt, ein Datei-Upload oder ein API-Aufruf – basiert auf ausgehender Konnektivität. Wenn diese Konnektivität nicht streng kontrolliert wird oder nicht vollständig sichtbar ist, wird der dazugehörige Traffic aktiv über das Netzwerk übertragen.

In einem Netzwerk mit Schatten-KI kann es zu folgenden Problemen kommen:

Aus Datenlecks wird unkontrollierter ausgehender Traffic

In Zeiten allgegenwärtiger KI-Tools werden Datenlecks und der Verlust der Vertraulichkeit zu immer größeren Risiken. Durch den einfachen Zugang zu leistungsstarken Plattformen könnten Mitarbeiter unwissentlich sensible Daten in ihre Prompts eingeben. Auf diese Weise werden geschützte Informationen offengelegt – mit dem Risiko von Imageschäden durch eine unbeabsichtigte Preisgabe an öffentliche KI-Systeme.

Das Problem besteht nicht nur darin, dass Daten geteilt werden, sondern auch darin, dass sie an externe Endpunkte übermittelt werden, die vom Unternehmen möglicherweise nicht zugelassen wurden. Dadurch können die Daten Kontrollen auf Anwendungsebene umgehen, da sie direkt von den Endpunkten gesendet werden. Anschließend werden sie in verschlüsselte Sitzungen eingebettet, was eine Überprüfung einschränkt.

Ohne adäquate Egress-Filterung, DNS-Sichtbarkeit oder Traffic-Analysen können sensible Informationen den Netzwerkperimeter verlassen, ohne herkömmliche Warnmeldungen auszulösen. In der Praxis entsteht dadurch eine Kontroll- und Sichtbarkeitslücke beim ausgehenden Traffic.

Compliance-Risiken an der Netzwerkgrenze

Regulatorische Anforderungen, etwa Vorschriften für Datenstandort oder Datenverarbeitung, hängen davon ab, wohin und wie Daten übertragen werden.

Schatten-KI verkompliziert dies, da Daten an Services gesendet werden könnten, die in unbekannten oder nicht konformen Regionen gehostet werden. Netzwerkpfade zu diesen Services sind häufig nicht dokumentiert oder eingeschränkt. Daher hat das Unternehmen nur begrenzte Kontrolle darüber, wie viele Daten in welcher Häufigkeit übertragen werden.

Compliance-Risiken entstehen, wenn der Traffic geografische Grenzen oder Vertrauensbereiche ohne entsprechende Kontrollen überschreitet. Außerdem wachsen die Risiken, wenn das Netzwerk nicht segmentiert ist oder es keine Richtlinie gibt, die regelt, welche Systeme extern kommunizieren dürfen. Mit anderen Worten: Compliance ist weit mehr als eine reine Richtlinienfrage – sie steht und fällt mit der technischen Durchsetzung auf Netzwerkebene.

Nicht vertrauenswürdige Integrationen und Schatten-APIs

Viele KI-Tools lassen sich über APIs oder OAuth integrieren und verbinden auf diese Weise interne Systeme effektiv mit externen Diensten. Dies kann zu folgenden Problemen führen:

  • Dauerhafte ausgehende Verbindungen zu Plattformen von Drittanbietern.
  • Neue Wege für den Datenaustausch, die traditionelle Anwendungsarchitekturen umgehen.
  • Externe Services, die indirekten Zugriff auf interne Datenströme erhalten.

Wenn diese Integrationen nicht validiert werden, können sie die Angriffsfläche vergrößern. Dies erfolgt über externe Endpunkte, den potenziellen Missbrauch von API-Verbindungen oder Token sowie permanente Datenübertragungskanäle, die sich dem Standard-Monitoring entziehen.

Dadurch wird Schatten-KI zu einer Quelle unkontrollierter Netzwerkabhängigkeiten, bei denen externe Systeme ohne angemessene Überwachung Teil des Datenpfads werden.

Schatten-KI erkennen und eindämmen

Unternehmen sollten als ersten Schritt die Netzwerk- und API-Sichtbarkeit erhöhen, um nicht autorisierten KI-Traffic und versteckte Systemintegrationen aufzuspüren. Dies wird durch die fortlaufende Analyse von DNS-, Proxy- und Anwendungsprotokollen erreicht, anhand derer sich ungewöhnliche oder nicht genehmigte KI-bezogene Aktivitäten erkennen lassen.

Um Schatten-KI zu identifizieren und einzudämmen, sollten Netzwerkteams die folgenden Best Practices priorisieren:

  • Traffic-Sichtbarkeit über DNS-, Proxy- und Flow-Protokolle.
  • Monitoring ausgehender API-Aktivitäten.
  • Verhaltensbasierte Erkennung von maschinellem Traffic.
  • Überprüfung von verschlüsseltem Datenverkehr, wo dies möglich ist.
  • Durchsetzung des Zero-Trust-Prinzips am Netzwerk-Edge.
  • Egress-Filterung und Segmentierung.

Auch das Sicherheitsbewusstsein der Nutzer ist von entscheidender Bedeutung. Mitarbeiter setzen häufig KI-Tools ein, um die Produktivität zu steigern, ohne die damit verbundenen Sicherheitsrisiken vollständig zu verstehen. Kontinuierliche Schulungen und eine klare Kommunikation tragen dazu bei, sichereres Verhalten zu etablieren und zu gewährleisten, dass die Nutzung von KI innerhalb der vom Unternehmen festgelegten Grenzen bleibt.

Bei fehlender Netzwerksichtbarkeit kann Schatten-KI zu einer unkontrollierten Datenpipeline werden, die in Echtzeit arbeitet. Schatten-KI lässt sich nicht in Berichten oder Audits entdecken – sie verbirgt sich meist tief im Traffic, den APIs und den ausgehenden Verbindungen des Netzwerks. Netzwerkteams müssen daher die Verantwortung übernehmen, ein kontinuierliches Monitoring durchführen und für eine durchgängige Sichtbarkeit über alle Ebenen der Infrastruktur hinweg sorgen.

Dieser Artikel ist im Original in englischer Sprache auf Search Networking erschienen.

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