Mainframe-Fachkräftemangel: Deutsche Unternehmen schlecht vorbereitet

Zwei Drittel der CIOs befürchten Geschäftseinbußen, weil sie infolge Mainframe-Fachkräftemangel vorhandene Anwendungen nicht mehr unterstützen können.

Im Mainframe-Bereich wird der Fachkräftemangel immer konkreter und dringlicher, trotzdem besitzen viele Unternehmen immer noch keine konkreten Pläne, um dieser Gefahr zu begegnen. Dies zeigt eine weltweite CIO-Umfrage von Compuware. Ein Reifemodell, das den Status quo analysiert, kann Veränderungsprozesse anstoßen, um für den Fachkräftemangel gerüstet zu sein.

Gemäß der Studie von Compuware glauben 81 Prozent der befragten CIOs, dass Mainframe-Anwendungen auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen, insbesondere durch die zunehmende Nutzung von Cloud Computing. Doch viele Mainframe-Experten gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, so dass 66 Prozent der Teilnehmer Geschäftseinbußen befürchten, da sie bestehende Anwendungen nicht mehr unterstützen können. Jeweils 61 Prozent der Befragten erwarten dabei ein erhöhtes Anwendungsrisiko und eine geringere Produktivität. 56 Prozent befürchten mehr Überschreitungen bei der Projektlaufzeit. Trotzdem sehen sich 40 Prozent als sehr schlecht auf den Mainframe-Fachkräftemangel vorbereitet.

„Auch in Deutschland erkennen viele Unternehmen zwar den hohen Bedarf an Mainframe-Entwicklern in den kommenden Jahren, doch finden sie keine Lösung für das Problem“, sagt Maurice Groeneveld, Vice President Enterprise Business EMEA & Asia Pacific bei Compuware. „Dabei gibt es zunächst nur zwei Alternativen: Entweder bildet man mehr Menschen zu Mainframe-Experten aus oder man wechselt das System. Die erste Alternative scheitert zumeist an fehlenden geeigneten Kandidaten aus dem In- und Ausland. Es bliebe dann nur die Option, auf den Mainframe zu verzichten, was technisch nicht einfach machbar ist. Eine Lösung aus diesem Dilemma ist es, das Mainframe-Management durch effizientere Prozesse einfacher zu gestalten.“

Verzicht auf Mainframe-Lösungen ist keine Alternative

Der Verzicht auf Mainframe-Lösungen kommt für die meisten Unternehmen nicht in Frage, da dies einen deutlich zu hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten würde. Daher bietet sich die Umstellung auf moderne Prozesse und Oberflächen an, die auch junge Entwickler intuitiv und reibungslos bedienen können. Dies würde ein weiteres Problem lösen. Gemäß einer anderen Studie von Compuware glauben 91 Prozent der CIOs, dass die Erwartungen an die Performance der Mainframe-Anwendungen weiter steigen, weil diese immer stärker in die Bereitstellung kundenorientierter Anwendungen eingebunden werden. Entsprechend denken 55 Prozent der Befragten, dass es Mainframe-Teams schwer fällt, mit den sich schnell ändernden Anforderungen des Geschäfts Schritt zu halten. Dies würde aber eine effiziente Bedienung deutlich erleichtern.

Mainframe verändert sich

Mainframe-Anwendungen haben sich in den letzten Jahren bereits deutlich verändert. Dies zeigen insbesondere folgende Entwicklungen:

  1. Mainframe-Applikationen haben ursprünglich nur Backend-Systeme unterstützt. Heute lösen zahlreiche Endnutzer-Anwendungen Prozesse aus, die direkt auf den Mainframe zugreifen und dort verstärkt zu Transaktionen führen.
  2. Die Komplexität der IT-Landschaften steigt kontinuierlich, da immer mehr gemischte und zusammengesetzte Workloads multiple Plattformen und Betriebsumgebungen umfassen. Die Mainframe-Teams müssen daher eng mit den Teams für verteilte, offene Systeme zusammenarbeiten.
  3. Mainframe-Anwendungen werden immer häufiger mit dem Web und mobilen Geräten vernetzt, so dass Mainframe-Transaktionen und MIPS stark ansteigen.

Maurice Groenveld erklärt dazu: „Einerseits erhöht sich aufgrund des zunehmenden Workloads der Druck, Prozesse zu verschlanken. Die Transaktionsvolumen explodieren geradezu durch die mobile Nutzung, gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Service-Qualität. Andererseits verbessert sich die Situation durch sinkende Kosten pro MIPS sowie durch die Einführung leistungsfähiger, günstiger Mainframes wie den IBM zBC12.

Der Mainframe sollte jedoch nicht länger als reine Kostenstelle betrachtet werden, sondern als vollwertiger Bestandteil der Anwendungslieferkette sowie als Umsatzgenerator. Dies verlangt ein Umdenken in der Unternehmens-IT, im strategischen Anwendungsmanagement und auch bei den Business-Entscheidern. Kurz gesagt, ein neues Mainframe-Management ist gefordert.“

Das Reifemodell

Reifemodelle können solche Veränderungsprozesse anstoßen. Für den Mainframe müssen diese die vorhandenen und notwendigen Fähigkeiten erfassen sowie dabei helfen, die Lücken zu schließen. Sie sollten auch die neuen Mainframe-Rollen und Workloads für offene Systeme, Cloud- und Mobile-Anwendungen berücksichtigen, sowie die Tools für Management und Betrieb in dieser neuen Umgebung. Ein aktuelles Reifemodell definiert dabei folgende fünf Stufen:

  1. Ad hoc: Auf dem Mainframe laufen Kernsysteme und Anwendungen mit traditionellen Mainframe-Workloads, die mit der herkömmlichen Eingabe über Kommandozeilen verwaltet werden.
  2. Technologie-zentriert: Der etwas fortgeschrittenere Ansatz löst erste Herausforderungen durch steigende Datenvolumen, höhere Kapazität sowie komplexe Workload- und Transaktions-Verarbeitung bei gleichzeitiger Kontrolle der MIPS-Nutzung.
  3. Intern Service-zentriert: Der Fokus liegt auf einem Delivery-Ansatz für Mainframe-basierte Services, der interne Service Level Agreements (SLAs) erfüllen soll.
  4. Extern Service-zentriert: Mainframe- und Nicht-Mainframe-Systeme basieren auf einem Service-Ansatz, der Endnutzer-Erwartungen umfasst und externe SLAs erfüllt.
  5. Umsatz-zentriert: Geschäftsanforderungen und Endnutzer-Erwartungen werden durch Interoperabilität mit Cloud- und Mobil-Systemen erfüllt. Dabei unterstützen Echtzeit-Analysen umsatzsteigernde Prozesse.

Auf jeder Stufe werden dabei folgende Bereiche untersucht: Zum Thema Anwendungstechnologie gibt es die Prüfung, welche Hardware und Software sowie welche Tools für die Interaktion mit Mainframe-Anwendungen zum Einsatz kommen. Bei den Mainframe-Attributen ist zu klären, wie der Mainframe von außerhalb der Kerngruppe gesehen wird und wie das Management der Mainframe-MIPS abläuft. Zudem wird gefragt: Wie interagieren die verschiedenen Technologie-Disziplinen in der Organisation? Welche Produkte gewährleisten, dass Anwendungen die Endnutzer-Erwartungen an die Performance erfüllen? Und welche Prozesse werden eingesetzt, um Performance-Probleme bei Anwendungen zu lösen?

Ein solches Reifemodell kann Unternehmen dabei helfen, die Prozesse für die Verwaltung der Anwendungs-Performance zu verbessern und Mainframe-Kosten zu reduzieren. Schließlich verschmelzen die verteilten und die Mainframe-Systeme zunehmend. Und diese steigende Komplexität ist durch leistungsfähigere und effizientere Systeme zu bewältigen. Dann verliert auch der drohende Fachkräftemangel an Schrecken für die Unternehmen, die weiterhin auf Mainframes vertrauen.

Über den Autor: Herbert Gettert ist Regional Sales Director Mainframe Central Europe bei Compuware.

Artikel wurde zuletzt im März 2014 aktualisiert

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