Gorodenkoff - stock.adobe.com

Erfolgreicher Einstieg ins Product Line Engineering (PLE)

Der Einsatz von Product Line Engineering (PLE) bietet Unternehmen den Vorteil, effizient und kosteneffektiv Produkte zu entwickeln, um im kundenorientierten Markt zu konkurrieren.

Angesichts der heutigen Marktbedingungen, die einen hohen Grad an Personalisierung und Konfigurationsoptionen erfordern, streben immer mehr Unternehmen danach, ganze Produktfamilien oder -linien zu entwickeln. Dabei handelt es sich um Produktvarianten mit variierenden Merkmalen und Funktionen. Trotz der scheinbaren Einfachheit ist das Diversifizieren von Produkten sowie deren Subsystemen und Komponenten in Anbetracht der wachsenden Komplexität eine große technische Herausforderung.

Traditionelle Softwareentwicklungsmethoden betonen die sequenzielle Entwicklung einzelner Produkte, in aufeinanderfolgender Reihenfolge. Viele Unternehmen nutzen den Clone-and-Own-Ansatz (C&O), wobei auf einem existierenden Produkt auf- und dann weitergebaut wird. Aber C&O wird zunehmend ineffizient, je mehr die Produktfamilie wächst. Zukunftsorientierte Hersteller bevorzugen daher den Product-Line-Engineering-Ansatz (PLE). Beim PLE liegt der Fokus auf der Entwicklung von komplexen und Software-intensiven physischen Produkten wie Autos, Halbleiter und Industrieanlagen.

Weniger Fehler und schnellere Produktentwicklung

Product Line Engineering bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die Unternehmen bei ihrer Produktentwicklung und Marktposition stärken können. Zunächst ermöglicht es eine höhere und konsistente Produktqualität. Durch die Verwendung einer gemeinsamen Basis für Produktvarianten können Fehler und Inkonsistenzen minimiert werden, was letztendlich zu qualitativ hochwertigeren Produkten führt. Des Weiteren beschleunigt PLE die Produktentwicklung und -einführung. Da viele Elemente wiederverwendet werden können, verkürzen sich die Entwicklungszeiten erheblich, wodurch Unternehmen schneller auf den Markt gelangen und sich an veränderte Kundenbedürfnisse anpassen können.

Zusätzlich ermöglicht die effizientere Ressourcennutzung eine bessere Auslastung von Kapazitäten und reduziert Kosten. Dies führt zu einer erweiterten Produktinnovationskapazität, da Unternehmen mehr Ressourcen für die Entwicklung neuer Ideen und Features haben. Schließlich trägt Product Line Engineering zur verbesserten Marktpräsenz und Wettbewerbsfähigkeit bei. Die Möglichkeit, kundenspezifische Produkte effizient anzubieten, steigert die Attraktivität am Markt und stärkt die Position eines Unternehmens in der Konkurrenz. Insgesamt sind die Vorteile von PLE vielfältig und haben einen positiven Einfluss auf die Geschäftsleistung.

Weltweit und branchenübergreifend im Einsatz

Product Line Engineering hat seinen Ursprung in den Methoden der Fertigungsindustrie. Seit einiger Zeit gibt es auch einen verbindlichen ISO-Standard 26580, der die Methoden für einen funktionsbasierten Ansatz bei der Entwicklung von Software- und Systemproduktlinien definiert. PLE beinhaltet Prozesse, Tools und Best Practices, um Softwareprodukte auf Basis gemeinsamer Ressourcen und Produktionsverfahren zu schaffen. Durch das Verwalten des Produktportfolios als kohärente Einheit können Unternehmen die Markteinführungszeit, Produktqualität und Entwicklungskosten optimieren.

 Manuela Kohlhas, pure-systems GmbH

„Product Line Engineering bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die Unternehmen bei ihrer Produktentwicklung und Marktposition stärken können.“

Manuela Kohlhas, pure-systems GmbH

PLE stützt sich auf eine Kernarchitektur im Sinne eines Plattformansatzes, welche sowohl die Kernmerkmale als auch die geplanten Produktvarianten definiert sowie den Einsatz von Feature-Modellen, um Abhängigkeitswissen zu modellieren. Mit Unterstützung eines Fabrikansatzes können Varianten effizient generiert werden, wodurch die Wiederverwendung optimiert und redundante Entwicklungen vermieden werden.

Der Weg zum erfolgreichen PLE-Start beginnt mit:

  • Reifegradbestimmung und Zielsetzung: Beginnen Sie damit, den aktuellen Stand Ihres Unternehmens in Bezug auf PLE zu ermitteln. Identifizieren Sie Stärken und Schwächen und setzen Sie klare Ziele für die Implementierung. Erstellen Sie einen Maßnahmenplan, der die Schritte zur Erreichung dieser Ziele skizziert.
  • Klärung von Rollen und Verantwortlichkeiten: Die Einführung von PLE erfordert oft neue Rollen und Teamstrukturen. Passen Sie Ihre Organisationsstruktur entsprechend an, um sicherzustellen, dass die Verantwortlichkeiten klar definiert sind und die Teams effektiv zusammenarbeiten.
  • Nutzung von PLE-Tools und MBSE: Nutzen Sie spezialisierte PLE-Tools, um die Verwaltung und Entwicklung von Produktlinien zu optimieren. Denken Sie auch über den Einsatz von Model-based Systems Engineering (MBSE) nach, um die steigende Komplexität effektiv zu bewältigen.
  • Trennung der Entwicklungsphasen: Strukturieren Sie die PLE-Entwicklung in zwei klare Phasen – Domain Engineering, in der wiederverwendbare Plattformen entwickelt werden, und Application Engineering, bei dem Produkte auf Basis dieser Plattform erstellt werden. Diese Trennung ermöglicht eine gezielte und effiziente Entwicklung in beiden Bereichen.

Der Übergang von klassischen Entwicklungsmethoden zu PLE sollte schrittweise erfolgen. Ein stufenweiser Ansatz, beginnend mit einer kleinen Produktlinie, kann sinnvoll sein, um die Wirksamkeit und Effizienz von Product Line Engineering zu demonstrieren und schrittweise in größeren Maßstäben umzusetzen.

Um der zunehmenden Komplexität von Produkten, den unterschiedlichen Marktanforderungen und unerwarteten Kundenwünschen gerecht zu werden, ist ein gezieltes und systematisches Variantenmanagement unerlässlich. Product Line Engineering (PLE) ist weltweit und branchenübergreifend eine bewährte Strategie zur Bewältigung dieser Herausforderung.

Über die Autorin:
Manuela Kohlhas ist Head of Strategic Marketing bei pure-systems. Sie ist eine erfahrene Marketingexpertin mit über einem Jahrzehnt Erfahrung und einem Fokus auf B2B-Technologieunternehmen. Sie hat in verschiedenen Organisationen leitende Positionen innegehabt, in denen sie strategische Marketingmaßnahmen vorangetrieben hat. Manuela ist Dipl. Betriebswirtin und hat im Master für Innovationsmanagement & Entrepreneurship an der TH Nürnberg sowie der Linköpings Universitet Schweden studiert.

 

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

Erfahren Sie mehr über Softwareentwicklung

ComputerWeekly.de
Close