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Der Stand der Dinge bei Intent-based Networking (IBN)

In Sachen Intent-based Networking wurden schon einige Fortschritte gemacht. Allerdings muss jeder Teil des Netzwerks und damit auch die entsprechenden Anbieter IBN unterstützen.

Das schnelllebige Geschäft setzt gerade im Zeitalter der Digitalisierung hohe Anforderungen an die IT eines Unternehmens. Doch trotz des Aufkommens von Software-defined Networking (SDN) bleibt das Netzwerk-Management eine langsame, unflexible und weitgehend manuelle Aufgabe. Das könnte sich ändern, denn Cisco setzt sich für einen radikal neuen Ansatz ein, der als Intent-based Networking (IBN) bezeichnet wird.

Das Ziel von IBN ist es, das Netzwerk zu einer agileren, robusteren und sichereren Ressource zu machen, indem es effektiv in die Lage versetzt wird, sich selbst zu verwalten. Worum geht es bei Intent-based Networking jedoch im Detail?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, was unter dem englischen Begriff Intent zu verstehen ist, der auf Deutsch mit Absicht übersetzt werden kann. Gegenwärtig ist Netz-Management eingabebasiert. Es sind also manuelle Eingaben erforderlich, um Dinge wie Switches, Router, Load Balancer und Firewalls zu konfigurieren, zu überwachen und zu verwalten. Ein absichtsbasiertes Netzwerk dreht dies im Prinzip um. Es soll Administratoren ermöglichen, die gewünschten Ergebnisse der Netzwerkorchestrierung zu bestimmen. Anschließend automatisiert das Intent-based Networking die Bereitstellung, die Konfiguration von Servern sowie das vollständige Lifecycle-Management der Anwendungsdienste. Vereinfacht ausgedrückt: Man sagt der Technologie, welche Absicht man hat, und überlässt ihr, herauszufinden, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist. Das funktioniert in der Theorie so ähnlich wie bei einem selbstfahrenden Auto. Man gibt ein, wohin es gehen soll, und überlässt den Rest dem System.

Derzeit ist es trotz zahlreicher Initiativen und Technologien zur Automatisierung von Management-Prozessen noch nicht ganz so weit. Tatsächlich scheinen selbstfahrende Autos weiter zu sein als absichtsbasierte Netzwerke. Ein Grund dafür ist, dass die Vernetzung durch eine silobasierte Denkweise behindert wird, wenn es darum geht, verschiedene Technologien zum Zusammenspiel zu bringen. Zwar haben die Anbieter grundlegende Interoperabilitätsprobleme gelöst, aber sie müssen es noch einfacher machen, übergeordnete Informationen über Netzwerkverkehr, Anwendungslasten, Sicherheit und so weiter auszutauschen. Erst dann kann sich das Netzwerk einheitlich verhalten und sich an veränderte Bedingungen anpassen, ohne dass eine ständige manuelle Nachsteuerung erforderlich ist.

Es ist dieser Mangel an Synergien, mit dem IBN aufräumen will, damit das Netzwerk so autonom und agil ist wie ein fahrerloses Auto. Es soll in die Lage versetzt werden, Geschäftsabsichten (Business Intent) – Dinge wie Application Service Levels, Compliance-Anforderungen und so weiter – automatisch in Richtlinien zu übersetzen, die erforderlich sind, damit die unterstützende Infrastruktur das liefert, was das Unternehmen benötigt. Darüber hinaus wird IBN es dem Netzwerk auch ermöglichen, Kontext und Analytik zu nutzen, um zu lernen und sich an das Geschehen in der gesamten Infrastruktur anzupassen. So kann man beispielsweise QoS-Richtlinien in Zeiten hoher Videokonferenzaktivität ändern oder Ports automatisch deaktivieren, wenn ein Malware-Angriff erkannt wird.

Frey Khademi, Avi Networks

„IBN wird es dem Netzwerk auch ermöglichen, Kontext und Analytik zu nutzen, um zu lernen und sich an das Geschehen in der gesamten Infrastruktur anzupassen.“

Frey Khademi, Avi Networks

Da sich Unternehmen vom in sich geschlossenen Rechenzentrum zu hybriden Infrastrukturen entwickeln, ist leicht zu verstehen, warum das Konzept an Dynamik gewinnt. Hybride Infrastrukturen sollen zu einer agileren IT führen, bringen aber im Hinblick auf die Netzwerkintegration und -verwaltung zunächst nur zusätzliche Silos in den Mix. Die Verwaltung eines hybriden Multi-Cloud-Netzwerks ist bereits ohne neue Technologien, wie das Internet der Dinge (IoT) und die Einführung von Mikroservices und Containerisierung, ein Vollzeitjob. Mit diesen neuen Technologien wird der Druck auf Netzwerk-Administratoren weiter zunehmen. Höchste Zeit, einen besseren Ansatz zu entwickeln, um Netzwerke effektiver zu verwalten.

Die absichtsbasierte Vernetzung scheint dieser agilere Ansatz zu sein. Sie verspricht eine deutlich schnellere Umsetzung neuer Projekte, indem sie es für IT-Teams möglich macht, Dienste in Sekundenschnelle produktiv zu stellen, deren Umsetzung vorher Wochen oder Monate dauerte. Die Zeit ist reif, da notwendige unterstützende Technologien wie Datenanalyse maschinelles Lernen, offene APIs und Prozessautomatisierungs- und Orchestrierungsplattformen voll entwickelt sind. Alle Teile scheinen also vorhanden zu sein, um absichtsbasiertes Netzwerk-Management einzuführen. Was tun die Anbieter von Netzwerktechnologie um das Modell marktreif zu machen?

Jenseits der Absicht

Die gute Nachricht ist, dass bereits einige Fortschritte erzielt wurden. Cisco hat beispielsweise seine Produkte so positioniert, dass sie die erforderlichen Rahmenbedingungen für Intent-based Networking bieten können. Tatsache ist jedoch, dass Cisco es nicht allein schaffen kann. Jeder Teil des Netzwerks muss bereit und in der Lage sein teilzunehmen. Um dies zu erreichen, müssen Anbieter zum einen mehr Anstrengungen in die Entwicklung offener APIs investieren, damit Netzwerkprodukte Informationen austauschen. Zum anderen müssen die Kunden ihre Abhängigkeit von unflexiblen Legacy-Anwendungen aufgeben und auf neuere, softwarebasierte Technologien setzen.

Dies alles wird seine Zeit in Anspruch nehmen, aber das Interesse am Ansatz und die Dynamik hinter dem Aufbau der praktischen Umsetzung wächst, auch wenn die absichtsbasierte Vernetzung im Moment noch nicht vollständig ausgebildet ist. IBN ist auf dem Weg. Demnächst auch in einem Netzwerk in Ihrer Nähe.

Über den Autor:
Frey Khademi ist Systems Engineer bei Avi Networks und seit mehr als 15 Jahren in den Bereichen Networking und IT tätig. Avi Networks ist ein Anbieter von Multi-Cloud Application-Services. Die Firma wird von Investoren wie Cisco Investments, DAG Ventures, Greylock Partners, Lightspeed Venture Partners und Menlo Ventures unterstützt.

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Artikel wurde zuletzt im November 2018 aktualisiert

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