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Eine kurze Geschichte von VMware und Containern

VMware ist schon lange ein Synonym für Virtualisierung. Mit dem Aufkommen von Containern hat der Anbieter jedoch Strategien entwickelt, um mit Red Hat und Docker zu konkurrieren.

Der Start von VMware auf dem Containermarkt war gelinde gesagt eher schleppend. In letzter Zeit hat der Anbieter jedoch Schritte unternommen, um seine Position in diesem Segment zu verbessern. Im Moment sieht es aus, als würde sich dieses Vorgehen auszahlen, jedoch sind Marktprognosen im Moment bekannterweise noch schwieriger als sonst.

Das Interesse von Unternehmen an Containern steigt. Bis 2022 werden mehr als 75 Prozent der globalen Unternehmen in ihrer Produktion Containeranwendungen einsetzen. Das ist laut Gartner ein deutlicher Anstieg von knapp 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018.

Wieso steigt die Beliebtheit von Containern?

„Container liefern Unternehmen die dringend benötigte Agilität“, sagt Arun Chandrasekaran, Vizepräsident und Analyst bei Gartner. Die Softwarekomponenten teilen den Code in kleine Pakete auf, welche Unternehmen miteinander kombinieren können – das verkürzt die Entwicklungszeit.

Entsprechend investieren Unternehmen auch in die Technologie. IHS Markit, ein Informationsanbieter mit Sitz in London, prognostiziert, dass der Umsatz mit Containersoftware bis 2023 1,6 Milliarden US-Dollar erreicht. Das entspricht laut dem Data Center Compute Intelligence Service ab 2019 einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 30 Prozent.

Besser spät als nie

VMware hat sich viel Zeit gelassen, um in den Containermarkt einzusteigen. In der Vergangenheit verließen sich viele Teams auf virtuelle Maschinen (VMs) als Grundlage für die Anwendungsentwicklung – ein Markt, den VMware bisher beherrschte. VMware konzentrierte seine Aufmerksamkeit stark auf diesen Virtualisierungsmarkt – auch dann noch, als Container längst ihren Durchbruch feierten. Infolgedessen liegt der Marktanteil von VMware mit nur sechs Prozent weit hinter dem der führenden Containerunternehmen zurück. So hat Red Hat (2019 von IBM übernommen) einen Marktanteil von 44 Prozent und Docker einen Anteil von 23 Prozent.

Red Hat und Docker sind aus mehreren Gründen beliebt: Red Hat hat sein Geschäft auf der Bereitstellung von Open-Source-Software aufgebaut. Das Unternehmen verfolgt eine praktische Vertriebsstrategie: Es berät und schult zuerst Unternehmensentwickler und monetarisiert deren Arbeit, sobald das Unternehmen Container in der Produktion einsetzt. Docker hat sich ebenfalls für eine Open-Source-Strategie entschieden. VMware hingegen zögerte, Container zu übernehmen, egal, ob Open Source oder proprietär.

Eine Änderung der Pläne

Inzwischen hat VMware seine bisherige Position aus guten Gründen geändert. Es sieht so aus, als planten einige Organisationen, VMs zugunsten von Containern und Microservices abzuschaffen. Andere könnten sich dazu entschließen, beide Technologien gleichzeitig einzusetzen und Container auf VMs zu betreiben.

So oder so zeichnet sich ab, dass Container die Zukunft der Anwendungsentwicklung und -verwaltung sind. Um in diesen Märkten nicht hoffnungslos zurückzubleiben, hat VMware deshalb eine Reihe von Schritten unternommen, um seine Position zu stärken und die Containertechnologie besser zu integrieren.

„VMware hat ein Legacy-Geschäft für Kunden aufgebaut, die mit den VMware-Lösungen für das Infrastrukturmanagement arbeiten. Es fehlt aber eine starke Präsenz in der Entwicklergemeinde“, sagt Gary Chen, Research Director für Software Defined Computing beim IT-Marktforschungsdienstleister IDC.

Um seinen Ruf zu verbessern, hat der Anbieter eine Reihe von Akquisitionen getätigt. So hat VMware im November 2018 Heptio und seine Open-Source-Kubernetes-Technologie übernommen.

„Die Übernahme von Heptio war sowohl darauf ausgerichtet, die personellen Talente des Unternehmens zu gewinnen als auch seine Technologie“, erklärt Chen. „Deren Gründer waren in der Kubernetes-Community sehr einflussreich.“

Im Mai 2019 kaufte VMware auch Bitnami, ein Unternehmen, das Anwendungspakete für Container- und Kubernetes-Umgebungen bereitstellt. Darüber hinaus ging VMware im Jahr 2018 eine Partnerschaft mit Pivotal ein und kaufte den Containeranbieter im Dezember 2019. Pivotal hat inzwischen 140 Unternehmen, die seine Container verwenden.

VMware hat bei Containern den Startschuss verpasst. Aber sie haben stark aufgeholt und eine Vision skizziert, die ihren Kundenkreis ansprechen dürfte. Was sie jetzt tun müssen, ist, diese Vision umsetzen.
Arun ChandrasekaranGartner

VMware verfügt über viel Know-how und einen großen Kundenstamm in den Märkten für Servervirtualisierung und Systemmanagement. Viele große Unternehmen verlassen sich auf VMware, um ihre Netzwerke zu überwachen. Das Hinzufügen einer VMware-Containerverwaltung zu den Funktionen ist daher sinnvoll.

Probleme für Wettbewerber

Die Wettbewerber von VMware auf dem Containermarkt stehen zudem vor ihren eigenen Herausforderungen. Im Oktober 2018 kaufte IBM Red Hat für 34 Milliarden Dollar auf. Die Übernahme eines so großen Unternehmens wie Red Hat ist eine gewaltige Aufgabe.

„Bis heute hat IBM nur sehr wenige Änderungen an den Geschäftsabläufen von Red Hat vorgenommen“, erläutert Chen. Stattdessen habe sich das Unternehmen darauf konzentriert, die Red-Hat-Technologie in IBM-Produkte – beispielsweise die Public Cloud – einzubinden. Um seine Investitionen zu maximieren, könnte IBM in Zukunft einen praxisorientierteren Ansatz verfolgen und Red Hat als eigenständige Marke an Bedeutung verlieren.

Wie bei VMware, war auch bei Docker die Containerstrategie zunächst unklar. Das Unternehmen entwickelte Swarm, das für die Verwaltung von Containersoftware entwickelt wurde. Swarm gewann schnell an Popularität, wurde aber schließlich von Kubernetes usurpiert, das den Markt bis heute dominiert.

Im November 2019 erwarb Mirantis die Docker-Enterprise-Plattform mit 750 Geschäftskunden. Mirantis plant, die Plattform in sein Kubernetes-as-a-Service-Produkt zu integrieren und damit Unternehmen bei der Verwaltung von Containeranwendungen zu unterstützen. Mirantis hat außerdem vor, Unternehmen, die Swarm nutzen, für weitere zwei Jahre zu unterstützen. Trotz des Engagements für Open Source ist Mirantis bei der Open-Source-Bereitstellung zurückgeblieben.

„Im Laufe seiner Geschichte war Mirantis eng mit OpenStack verbunden. Doch Container sind anders“, sagt Chandrasekaran. Wie VMware muss sich auch Mirantis schnell anpassen, wenn die Containertechnologie an Bedeutung gewinnt.

Angesichts der noch jungen Technologie hat VMware in den kommenden Jahren immer noch eine Chance, sich als einer der Hauptakteure am Containermarkt zu etablieren.

„VMware hat bei Containern den Startschuss verpasst. Aber sie haben stark aufgeholt und eine Vision skizziert, die ihren Kundenkreis ansprechen dürfte“, sagt Chandrasekaran. „Was sie jetzt tun müssen, ist, diese Vision umsetzen.“

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