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Chancen und Risiken alternativer Daten im Finanzensegment

Alternative Datenquellen können, wenn sie zuverlässig und vertrauenswürdig sind, für Finanzinstitute ein wichtiges Hilfsmittel zum Sammeln von Informationen sein.

In einem Umfeld zunehmenden Wettbewerbsdrucks und zunehmender Abhängigkeit von Daten müssen sich Banken und andere Finanzinstitute an Änderungen anpassen können. Schlechte Datenqualität oder fehlende unterschiedliche Datenquellen können zu unzureichend fundierten Entscheidungen führen, Geschäftspraktiken behindern und schlechte Investitionen verursachen.

Um ein umfassenderes Bild von Kunden und Investitionen zu erlangen, greifen Unternehmen auf nicht herkömmliche Datenpunkte zurück. Diese alternativen Daten sind ein übliches Mittel für diese Unternehmen und ein wertvolles Werkzeug geworden. Aber es birgt auch Gefahren.

Was sind alternative Daten?

Alternative Daten sind nicht herkömmliche Datenpunkte und werden verwendet, um ein umfassenderes Bild der finanziellen Lage zu erhalten. Statt sich bei der Entscheidungsfindung auf die herkömmlichen Informationen zu verlassen, suchen Finanzorganisationen nach anderen Mitteln, die mehr Einblicke versprechen.

„Wenn Sie als Verbraucher eine Hypothek beantragen, wird in der Regel darauf geschaut, ob Sie ein Darlehen zurückzahlen können. Dazu werden Ihre Kreditpunkte und Ihr bisheriges Zahlungsverhalten unter die Lupe genommen“, sagt Mikkel Hippe Brun, SVP of Asia-Pacific bei Tradeshift. „Unter Verwendung alternativer Daten wie Einkommen, Vermögenswerte und Umgang mit Finanzen könnte die Bank die Kreditwürdigkeit auf der Grundlage eines umfassenderen Bildes Ihrer finanziellen Solidität bestimmen.“

Alternative Daten umfassen eine große Bandbreite an Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen (Finanztransaktionen, öffentliche Verzeichnisse, Satelliten und vieles mehr), die über die herkömmlichen Datenquellen zu einer Person, einem Unternehmen oder einer Branche wie Dokumente der SEC oder FICO-Bewertungen hinausgehen.

Im Investmentsektor ist ein Anwendungsbereich alternativer Daten zum Beispiel das Verstehen und Messen der wirtschaftlichen Sensibilität eines bestimmten geografischen Raums in Bezug auf eine Branche wie Öl oder Gas, so Ed Mallon, Chief Investment Officer bei Pagaya, einem Finanztechnologieunternehmen.

Vorteile alternativer Daten

Der Wunsch, für ein potentiell umfassenderes Bild nicht herkömmliche Quellen heranzuziehen, ist nicht neu. Mit der Ausbreitung von COVID-19 und den damit einhergehenden Aufforderungen, zu Hause zu bleiben, hat sich die Notwendigkeit verstärkt, sich einen Vorteil zu verschaffen.

„Alternative Daten wie Daten zu Transaktionen, Systemen und Finanzen, können zusätzliche und weitreichendere Kontextinformationen bereitstellen, mit denen Unternehmen Verhaltensweisen und den Kontext von Erfahrungen umfassender verstehen können“, sagt Jennifer Passini, Senior Strategic CX Consultant bei InMoment, einer Plattform für Kundenerfahrung.

Alternative Daten liefern interessante Details für Ursachenanalysen und Folgenabschätzungen für Finanzen und Geschäft. Durch die Analyse umfangreicherer Daten können Finanzinstitute die Vorteile alternativer Daten nutzen und Einblicke erlangen, die ihnen herkömmliche Kennzahlen nicht bieten können.

„Alternative Daten spielen eine wesentliche Rolle bei der Erzielung besserer Renditen und intelligenter Investitionen“, erklärt Mallon. „Das gilt aber nur, wenn Sie diese Daten richtig analysieren und die Informationen in wertvolle Erkenntnisse umwandeln können.“

Alternative Daten verlangen dieselben Anforderungen wie herkömmliche Daten: die richtige Technologie und die richtigen Fähigkeiten. Ohne die erforderlichen Analysefertigkeiten bieten alternative Daten für Unternehmen kaum Vorteile.

Nur durch eine genaue Analyse alternativer Daten können Vermögensverwalter und Hedgefonds Risiken besser bewerten und Geschäftsmöglichkeiten mit hoher Rendite und niedrigem Risiko ermitteln.

Mit sorgfältiger Prüfung Risiken minimieren

Das Erheben von Informationen und Rückmeldungen von Kunden sind heutzutage ein Muss. Das Wie, Wo und Wer ändern sich jedoch ständig.

„Hochwertige Quellen alternativer Daten können nicht nur dabei helfen, größere Einblicke zu erhalten, sondern mit ihnen lässt sich auch die Entwicklung von Kundenrückmeldungen erfassen“, erklärt Passini.

Das Erfassen von Kundenrückmeldungen ändert sich und Finanzinstitute suchen nach alternativen Quellen und Maßnahmen. Daher muss auch das Risiko neu bewertet werden. Standarderhebungen von Daten sind aus gutem Grund Standard. Sie haben sich schon vielfach bewährt und die Unternehmen wissen, was sie von ihnen im Hinblick auf Zuverlässigkeit und Effektivität erwarten können.

Wird auf alternative Daten zurückgegriffen, müssen diese einer umfassenderen Prüfung unterzogen werden. Ist die Qualität der Quelle oder der Informationen fragwürdig, wird die Analyse keinen Nutzen bringen.

„Für alternative Daten könnte der Spruch ‚garbage in, garbage out’ (Wo Müll reingeht, kommt auch Müll heraus) nicht passender sein“, sagt Passini. „Vor Verwendung einer Quelle alternativer Daten für mehr Kontext oder weitergehende Einblicke sollten Unternehmen die Quelle auf die Art der Datenerhebung, die Vollständigkeit der Informationen und ihrer Validität hin untersuchen.“

Die Zuverlässigkeit von Daten ist eine Herausforderung für Finanzinstitute. Zeit und Arbeit in das Erheben von Daten aus einer alternativen Quelle zu investieren, die sich später als unzuverlässig herausstellt, kann für ein Unternehmen einen erheblichen Rückschlag bedeuten.

„Es handelt sich hier um einen sich schnell verändernden Markt. Eine sorgfältige Prüfung ist daher unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Daten aus einer zuverlässigen Quelle stammen“, sagt Brun. „Weitere wichtige Aspekte sind die Sicherheit der Daten, nicht zuletzt der Datenschutz, sowie die Einhaltung von Vorschriften wie der DSGVO.“

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