Mobilfunk: Setzt sich 5G schneller durch als erwartet?

Während in Deutschland und Europa die Infrastruktur für den Mobilfunkstandard 5G noch im Aufbau ist, gibt es laut Ken Hu von Huawei in Asien schon Millionen tatsächliche Nutzer.

In Deutschland könnte man den Eindruck gewinnen, dass es noch etwas dauert, bis der neue Mobilfunkstandard 5G wirklich allgemein verfügbar ist. In anderen Teilen der Welt ist man da schon weiter.

Die Deutsche Telekom möchte in Deutschland „bis Ende 2019 300 5G-Antennen in sechs deutschen Städten“ aufstellen. Vodafone verkündete: “...zum Ende des laufenden Geschäftsjahres funken mehr als 160 5G-Antennen an ersten Orten in 25 Städten, in 25 Gemeinden sowie in zehn Industrieparks.“ Ein Geschäftsjahr dauert bei Vodafone jeweils von März bis April, diese Ziele sind also bis April 2020 angedacht. und weiter „Zum Ende des Jahres 2020 werden 10 Millionen Menschen ans 5G-Netz angeschlossen sein.“ 10 Millionen alleine bei Vodafone, das hört sich nach vielen deutschen 5G-Nutzern an. Allerdings meint diese Aussage lediglich, dass sich theoretisch 10 Millionen Menschen im Abdeckungsbereich von 5G-Antennen befinden. Über die tatsächlichen Nutzerzahlen sagt das nichts aus und Angaben dazu gibt es von den Mobilfunkanbietern in Deutschland noch nicht.

3,5 Millionen 5G-Nutzer in sechs Monaten

Entsprechende Zahlen liegen allerdings aus Süd-Korea vor. Auf dem Global Mobile Broadband Forum 2019 in Zürich berichtete Ken Hu, Deputy Chairman von Huawei, in seiner Keynote, dass es in dem asiatischen Land nach nur sechs Monaten schon 3,5 Millionen 5G-Nutzer gibt. Das sei wesentlich mehr, als man bei der Einführung von 4G gesehen habe und die Akzeptanz von 5G sei damit höher als prognostiziert. Der durchschnittliche Datenverbrauch pro 5G-Anwender liege in Süd-Korea bei 1,3 GByte/Tag. Huawei als Mobilfunkausrüster und Endgeräteanbieter sieht diese Zahlen als positive Vorzeichen dafür, dass 5G sich allgemein schneller durchsetzen wird als ursprünglich erwartet.

Weltweit gibt es derzeit 40 kommerzielle 5G-Netze.
Abbildung 1: Weltweit gibt es derzeit 40 kommerzielle 5G-Netze.

Ken Hu: „In weniger als einem Jahr, nachdem die Standards eingefroren wurden, sind 5G-Netze bereits in großem Umfang kommerziell im Einsatz, viel schneller als 4G. Bisher haben Carrier in mehr als 20 Märkten insgesamt 40 kommerzielle 5G-Netze gestartet. Bis zum Ende des Jahres werden mehr als 60 erwartet.“ Alex Sinclair, Chief Technology Officer der GSMA, bestätigte diese Zahlen.

Grund zu klagen gibt es trotzdem

Ken Hu hat allerdings auch Grund zu klagen: Er weißt darauf hin, dass die Spektrumsressourcen, insbesondere die Kosten und die Verfügbarkeit von Frequenzen, eines der größten Hindernisse für die Unternehmen sind, denen sie sich in Zukunft stellen müssen.“ Er hofft, dass die Regierungen den Mobilfunkanbietern mehr Spektrumressourcen zur Verfügung stellen und flexiblere Preismodelle in Betracht ziehen, um die anfängliche Investitionsbelastung der Carrier beim Aufbau ihrer 5G-Netze zu verringern. Hu wünscht sie von den Regierungen auch eine aktive Planung, um den neuen Frequenzbedarf in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu decken. Ausdrücklich nennt er hier die 6-GHz-Spektrumsbänder.

Mobilfunkausrüster, -Anbieter und die GSMA bemängeln unter anderem die Lizenzkosten.
Abbildung 2: Mobilfunkausrüster, -Anbieter und die GSMA bemängeln unter anderem die Lizenzkosten.

"Unsere Branche braucht auch mehr Unterstützung für die Antennenstandorte", fuhr Hu fort. "Die Kosten sind immer noch zu hoch, und die Standortverfügbarkeit bleibt stets hinter der Nachfrage zurück. Die Regulierungsbehörden sollten die Situation verbessern, indem sie mehr öffentliche Infrastrukturen für die gemeinsame Nutzung öffnen und Leitlinien für den Bau von Anlagen bereitstellen." In Europa arbeiteten die Regierungsbehörden direkt mit den Betreibern zusammen, um den Co-Nutzungsbedarf für 5G-Standorte und andere Formen der öffentlichen Infrastruktur (wie Ampeln, Schilder und Bushaltestellen) zu ermitteln und um die Kosten für alle durch gemeinsame Nutzung der Infrastruktur zu senken. Als positive Beispiel nannte er in seiner Präsentation Deutschland und Großbritannien.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben das Global Mobile Broadband Forum 2019 auf Einladung und Kosten von Huawei besucht. Unsere Berichterstattung zu wichtige Neuheiten erfolgt redaktionell völlig unabhängig.

 

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