So bringt die Fortnite-Kultur Cloud-Teams voran

Das Setup und das Modell des Spiels Fortnite ist der ideale Weg, um die unternehmenseigenen Cloud-Teams zu strukturieren, meint Lee James, CTO EMEA bei Rackspace.

Rund 80 Millionen vor allem junge Menschen spielen monatlich das Online-Game Fortnite. Um die Zielgruppe bei Laune zu halten, muss der Inhalt immer wieder aktualisiert werden, deshalb findet bei Fortnite wochenweise ein Update statt. Das Survival-Spiel ähnelt der Cloud-Welt: eine schnelllebige Umgebung mit regelmäßigen Updates – und immer jüngeren Akteuren.

Ein Top-Thema des AWS-Summit London im Mai 2019 war unter anderem die Organisation von (Multi-)Cloud-Umgebungen. Was das mit Fortnite zu tun hat? Ganz einfach: Dort wie auch bei der Organisation von Cloud-Teams geht es darum, agile, ausfallsichere und kollaborative Teams zu bilden. Ein echtes Beispiel dafür, wie Technologie und etwas, das oft als unproduktiv angesehen wird – wie eben Computerspiele – dafür eingesetzt werden kann, Geschäftsfähigkeiten aufzubauen. Denn Technologie kann Kultur positiv beeinflussen.

So funktioniert Fortnite

Im Fortnite-Universum treten im Battle-Royale-Modus 100 Spieler gegeneinander an und wer als letzter überlebt, gewinnt. Auf der Karte der Spielwelt (der Map) müssen sie zu zweit oder als Teil eines kleinen Teams gegen andere antreten. Alle starten als Soldaten ohne jegliches Inventar. Die Spielzeit ist begrenzt. Nach dem Last-Man-Standing-Prinzip bekämpfen sich die Gegner so lange, bis ein Gewinner übrigbleibt. Dabei können sie auf der kompletten Map nach Gegenständen und Waffen suchen, um bessere Chancen im Wettkampf zu haben. Das Wichtigste dabei ist das Team: Es muss Ziele und Aufgaben genau definieren und sich über beides einig sein.

Scheitern und gewinnen

Fortnite-Spieler experimentieren und testen verschiedene Lösungswege. Indem sie immer wieder und in sehr schnellen Abständen neue Lösungen probieren, verbessern sie sich und verfeinern ihr Spiel. Und so gewinnen sie schließlich. Darüber hinaus haben sie auch traditionelle hierarchische Strukturen aufgebrochen: Allein die Leistung des Teams zählt. Es gibt einen starken Selbstauswahlprozess, ohne die üblichen Kriterien wie Alter oder Status. Das Spiel demokratisiert die Teamstruktur: Leistung wird transparent.

Ob beim Bauen oder Kartenlesen: Hier hat jeder seine Talente, die er einsetzen kann und soll. Das erhöht zugleich die Agilität. Was die Teamgröße anbelangt, gilt – egal ob im Unternehmen oder bei Fortnite – grob so viele Leute, wie von zwei Pizzen satt werden; übrigens auch das Amazon-Credo für agile Teams. Ähnliches gilt für IT-Teams. Auch sie sollten fortlaufend abwägen und testen, wie sie am besten zusammenarbeiten, um Erfolge zu erzielen. Das kann der Sieg im Computerspiel – oder eben ein erfolgreiches Kundenprojekt sein. Auch die Diversität der Fortnite-Mannschaften kann als Vorbild für die Zusammensetzung von IT-Teams dienen. Menschen ganz unterschiedlichen Alters und verschiedener Hintergründe erarbeiten zusammen eine Leistung, die auch noch Spaß macht.

Mindset für IT-Teams einsetzen

Dieses Mindset, insbesondere in Bezug auf das Konzept des Scheiterns, sollten sich auch IT-Organisationen näher ansehen. Ja, Misserfolge beim Programmieren können negativ interpretiert werden. Aber gerade in der Softwareentwicklung ist Scheitern ein Muss. Denn nur in Iterationen wird das bestmögliche Produkt entstehen. Es geht darum, die Unternehmenskultur zu verändern, Mauern einzureißen und die vorhandenen Talente zu erkennen und richtig einzusetzen. Das zeigt auch die Kultur bei Fortnite, die man auf das Agieren in IT-Teams ummünzen kann: Die Spieler handeln ohne Hintergedanken oder Machtziele. Einzig das gemeinsame Ergebnis zählt hier. Einen Manager braucht Fortnite nicht. Die Teams verwalten sich selbst, konzentriert auf das Ergebnis.

Kultur ist für Kunden der Schlüssel zur Skalierung

Diesen Trend zu kleinen Teams, die sich kontinuierlich verbessern, hat Rackspace auch bei seinen Kunden erlebt: Viele Unternehmen setzen auf kleine, für einen begrenzten Zeitraum zusammengestellte Teams. Beim Fortnite-Battle-Royale-Modus starten 100 Mitglieder gemeinsam ein Spiel und müssen sich in dieser Umgebung als kleine Teams zusammen- und zurechtfinden. Das Modell setzt folglich auf eine Elite-Einheit talentierter Spieler, die ihre Stärken einsetzen, um zu gewinnen.

Lee James, Rackspace

„Wer Zeit investiert, die Teammitglieder individuell weiterzuentwickeln, wird das gesamte Team an der Spitze halten.“

Lee James, Rackspace

Ein gutes, einander vertrauendes Team weiß, was zu tun ist. Die Mitglieder sind bereit, neue Taktiken zu testen, da sie wissen, dass ihnen die Unterstützung der anderen sicher ist. Das gilt genauso für IT-Teams: Der Aufbau eines leistungsfähigen Teams steht und fällt mit den Menschen. Sie benötigen ein ausbalanciertes Set an Erfahrungen und Fähigkeiten. Ohne das richtige Gleichgewicht wird es den Teams schwerfallen, in Notfällen oder komplizierten Szenarien effektiv zu handeln.

Agil, kooperativ und effektiv

Die Zusammensetzung und Funktionsweise von Fortnite-Teams kann also ein Vorbild für Teamstrukturen in Unternehmen sein: Sie ist agil, kooperativ und positiv. Ein moderner Cloud- oder Operations-Engineer sollte also ausgeprägte Problemlösungskompetenzen, breite technische Fähigkeiten und Soft Skills wie Konfliktlösungsbereitschaft und kritisches Zuhören besitzen.

Unternehmensseitig zählt, die Schwächen und Stärken der einzelnen Mitglieder zu erkennen und an der richtigen Stelle zu entwickeln. Tools und Taktiken ändern sich häufig. Wer Zeit investiert, die Teammitglieder individuell weiterzuentwickeln, wird das gesamte Team an der Spitze halten. Für viele Mitarbeiter heutzutage ist negative Unternehmenskultur ein Grund für den Jobwechsel: Umfelder, die Individualität ablehnen, bremsen, statt voranzutreiben und Intrigen fördern. Wer junge Mitarbeiter halten will, kann sich ein Beispiel an dem Fortnite-Konzept nehmen: Ein kollaboratives, agiles und individuelles Arbeitsmodell.

Über den Autor:
Lee James ist CTO EMEA bei Rackspace, einem Anbieter von Fachwissen und Managed Services für alle wichtigen Public- und Private-Cloud-Technologien.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder und entsprechen nicht unbedingt denen von ComputerWeekly.de.

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