Mit Open-Source-Prinzipien die Wettbewerbsfähigkeit stärken

In einem immer stärker werdenden Konkurrenzumfeld können Open-Source-Prinzipien wie partnerschaftliche Zusammenarbeit und Offenheit die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Open-Source-Software und die damit verbundenen Open-Source-Prinzipen, beispielsweise Offenheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit in Communities, werden auch für Unternehmen in der Telekommunikationsbranche immer wichtiger. Das gilt vor allem dann, wenn sie sich in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld behaupten und weiterentwickeln wollen.

Die Anforderungen an die technischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Service-Provider in der Telekommunikationsbranche sind in den letzten Jahren massiv angestiegen – und dies bei stagnierenden oder leicht gesunkenen Mitarbeiterzahlen. Gleichzeitig klagen viele Unternehmen über zu wenige Nachwuchskräfte mit dem benötigten Know-how.

In einem vielfältigen und umfangreichen Ecosystem von Open-Source-Softwareherstellern und -Dienstleistern bieten sich den Service-Providern zahlreiche Möglichkeiten, den aktuellen Bedarf an technologischem Know-how, Software und Services mit Hilfe von Partnern zu schließen. Die folgenden sieben Best Practices und Open-Source-Prinzipien unterstützen Service-Provider bei der Entscheidung, wie, wann und mit wem sie Partnerschaften eingehen, um ihr Geschäft auszubauen und ihre Wettbewerbsposition zu stärken.

Diese Faktoren beeinflussen den Erfolg von Partnerschaften im Open-Source-Bereich und damit den gesamten Unternehmenserfolg. (Quelle: Red Hat)
Abbildung 1: Diese Faktoren beeinflussen den Erfolg von Partnerschaften im Open-Source-Bereich und damit den gesamten Unternehmenserfolg.

1. Konzentration auf das Kerngeschäft

Bei den meisten Service-Providern hängt der Erfolg direkt von ihrem Kerngeschäft ab. Sie sollten sich deshalb darüber im Klaren sein, was ihr Kerngeschäft ausmacht und welche Leistungen ihr Unternehmen einzigartig machen. Der scheinbar einfache Weg ist, die Arbeitsweise anderer Unternehmen zu analysieren und zu übernehmen. Wer besser sein will als der Wettbewerb, kann ihn nicht einfach kopieren. Service-Provider sollten sich auf ihre Stärken besinnen, auf Innovationen setzen und diese ausbauen. Mit dieser Herangehensweise klärt sich auch die Frage, welche Produkte und Services sie selbst entwickeln, wo externe Mitarbeiter mit der Lösung eines Problems beauftragt werden oder ob es besser ist, auf die Angebote eines Partners zurückzugreifen. Vor allem aber müssen sie offen sein für neue Lösungswege.

2. Vorhandenes Fachwissen durch mehr Vielfalt ergänzen

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sollten sich Service-Provider auch für Ansätze und Ideen außerhalb des traditionellen STEM-Bereichs (Science, Technology, Engineering and Mathematics) öffnen. Mit dem Slogan STEM plus A ist STEAM, gehen Unternehmen neue Wege. Das A in STEAM steht dabei für Arts und bezeichnet im übertragenen Sinn die Entwicklung neuer, kreativer Problemlösungsstrategien. Solche Ansätze erweitern den Blickwinkel und eröffnen ungewohnte Perspektiven auf die sich stürmisch verändernden Märkte. Sie können dazu beitragen, die enorme Vielfalt der Kundenanforderungen zu bewältigen.

3. Die Ideen und Ansätze von Vordenkern einbeziehen

Haben Service-Provider ihre strategischen Kernaufgaben definiert, kommt der nächste Schritt: Auf welcher Entscheidungsgrundlage organisieren sie die interne und externe Zusammenarbeit? Meist werden hier Meinungsführer oder Vordenker genannt – doch wer füllt diese Rolle aus? Erfahrungsgemäß ist dies heute weder der Mitarbeiter, der die besten Lösungen für technische Probleme liefert, noch derjenige, der eine plausible technische Vision der Zukunft zeichnen kann. Vielmehr fällt die Rolle demjenigen zu, der das Unternehmen so organisieren kann, dass es mit bislang unbekannten Herausforderungen am besten zurechtkommt. Der CEO von Red Hat, Jim Whitehurst, nennt dies eine Organisation für Innovation. In den hochdynamischen Märkten der Gegenwart ist die klassische Planung mit ihren bekannten Analysekonzepten und Reaktionsschemata überholt. Stattdessen sollten Service-Provider Mentalitäten und Prozesse fördern, die schnelle Veränderungen und Anpassungen ermöglichen.

4. Nach gemeinsamen Überzeugungen mit Partnern suchen

Die Wahl der Geschäftspartner bestimmt auch darüber, wie Service-Provider am Markt wahrgenommen werden. Deshalb sollten sie sich auf jene Partner konzentrieren, die ihre Werte, Ziele und Überzeugungen teilen. Wollen sie in einer Welt, die sich immer stärker dem Open-Source-Konzept verschreibt, als führender Innovator im Upstream-Umfeld wahrgenommen werden? Wollen Service-Provider einen aktiven Beitrag in Open Source Communities leisten und dabei helfen, neue Funktionen zu gestalten, die nach den Anforderungen der Industrie entwickelt werden? Oder wollen sie bei der Einführung von Technologien im Markt an der Spitze stehen? Service-Provider sollten sich daher auf jene Partnerkandidaten konzentrieren, die ihr Geschäftsmodell am besten unterstützen oder ergänzen.

5. Offenheit priorisieren

Einige sagen, ein guter Freund sei daran zu erkennen, dass er den Mut habe, einem auch unangenehme Wahrheiten zu sagen. Ähnliches sollte man auch von guten Geschäftspartnern erwarten. Ehrlich und offen zu sein ermöglicht es Partnern, gemeinsam zu wachsen. Diese Art der Zusammenarbeit bietet die Chance, Risiken schnell zu erkennen und gegenzusteuern. In Open Source Communities ist es einfach, bei Fehlern ehrlich zu sein – denn jeder kann sie sehen. Alle haben Zugriff auf den gesamten Code und arbeiten auf dem gleichen Wissensstand.

Der Grad des Engagements in Open Source Communities verrät Service-Providern also einiges darüber, ob potenzielle Partner Offenheit und Ehrlichkeit schätzen. Und auch sie selbst sollten sich darüber klar werden, welchen Einfluss eine offene Kommunikation und ein fairer Umgang miteinander auf die Geschäftsbeziehung haben.

6. Verbindliche Partnermodelle etablieren

Die Beziehungen zu Partnern können sehr facettenreich sein. Da gibt es auf der einen Seite die Zusammenarbeit in den Open-Source-Entwickler-Communities, auf der anderen Seite Kooperationen beim Produktvertrieb. In beiden Fällen sind Ziele und Anforderungen höchst unterschiedlich. In den Upstream-Communities dominieren schnelle Entwicklungsschritte, Kreativität und Innovation. Bei der Markteinführung eines Produktes zählen Zuverlässigkeit, Sicherheit und das Funktionieren der Software im praktischen Einsatz.

Es kommt durchaus vor, dass sich die beiden Bereiche überlappen: Die Anforderungen an das Endprodukt können die Community beeinflussen und sie in eine bestimmte Richtung bewegen; genauso kann die Zusammenarbeit in zentralen Entwicklungsprojekten auch die Vertriebspartnerschaft stärken. Ebenso muss definiert werden, anhand welcher Faktoren der Erfolg der Partnerschaft zu bemessen ist. Nicht zuletzt sollte sich die Partnerschaft für beide Seiten lohnen – ansonsten steht der langfristige Erfolg in Frage.

7. Das Open-Source-Konzept verstehen

Die Verbreitung von Open Source in allen Branchen ermöglicht es neuen Unternehmen, in Märkte einzusteigen, und etablierten Service-Providern, enger zusammenzuarbeiten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Open-Source-Technologien zu nutzen, und es ist wichtig zu verstehen, wie sich unterschiedliche Varianten auf ein Unternehmen auswirken.

Susan James, Red Hat

„Dass Open-Source-Software kostenlos heruntergeladen werden kann, bedeutet nicht, dass damit keine Pflichten verbunden wären.“

Susan James, Red Hat

Dass Open-Source-Software kostenlos heruntergeladen werden kann, bedeutet nicht, dass damit keine Pflichten verbunden wären. Wer beispielsweise Änderungen an der Software vornimmt, sollte sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Denn damit verbunden ist die Verantwortung, einen sicheren Betrieb zu gewährleisten und die Pflege über den gesamten Lifecycle sicherzustellen. Dafür müssen Kompetenzen aufgebaut und Ressourcen eingesetzt werden.

Entscheidet sich ein Service-Provider dagegen für den Einsatz einer Variante mit Service und Support, zahlt er eine Subscription Fee an den Anbieter. Dafür übernimmt dieser die Verantwortung. Der Softwarehersteller muss für eine stabile Versionen sorgen, Zertifizierungen zur Kompatibilität mit anderen Hard- und Softwareprodukten erlangen, den sicheren Einsatz über die gesamte Lebensdauer gewährleisten und Unterstützung bei der Integration in die vorhandene IT-Infrastruktur leisten. Darüber hinaus unterscheiden sich die Softwarehersteller auch im Grad der Zusammenarbeit mit der Open Source Community. Wer seine eigenen Änderungen nicht vollständig dem Upstream-Projekt zur Verfügung stellt, verliert irgendwann den Anschluss und kann selbst nicht mehr von den Innovationen der Community profitieren. Letztlich geht es für Service-Provider darum, von den Innovationen der Community zu profitieren, um damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Über den Autor:
Susan James ist Senior Director of Telecommunications Strategy bei Red Hat. Sie kam im Mai 2018 zu Red Hat, nachdem sie 27 Jahre bei Ericsson gearbeitet hatte, unter anderem als Head of Product Line NFV Infrastructure. Während ihrer Zeit bei Ericsson arbeitete sie bei Unternehmens-, Festnetz-, Netzwerk- und Cloud-Kunden. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem IP Multimedia Subsystem (IMS) und war für eine Reihe von Netzwerkfunktionen im Ericsson-Portfolio verantwortlich. Susan James ist eine erfahrene Expertin im Bereich Produktmanagement und hat sich in ihrer Karriere auf die Entwicklung von Produkten konzentriert, um die Herausforderungen des Technologietransfers zu meistern, sowie auf die Gründung neuer Geschäftsfelder.

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