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Cloud-Migration: die echte Herausforderung steht erst bevor
Die Nutzung einzelner Cloud-Anwendung ist kein Ersatz für echte Migration. Welche Strategie Unternehmen für Datensouveränität, Shared Destiny und KI-Integration brauchen.
Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren bei der Nutzung von Cloud-Technologien stark aufgeholt. Laut Bitkom Cloud Report 2025 nutzen heute rund 90 Prozent Cloud-Anwendungen – von Start-ups bis hin zu Konzernen.
Doch diese Zahl täuscht leicht darüber hinweg, wie weit die eigentliche Transformation wirklich ist. Denn Cloud-Nutzung bedeutet nicht automatisch, dass Unternehmen auch ihre Kernsysteme modernisiert haben. Nur 38 Prozent haben laut einer Studie tatsächlich ein Cloud-Migrationsprojekt umgesetzt. Die Mehrheit arbeitet weiterhin in hybriden IT-Umgebungen, in denen moderne Anwendungen auf alte Legacy-Systeme treffen. Diese Strukturen können aber Innovationen ausbremsen.
Gerade im Zeitalter generativer KI und datengetriebener Geschäftsmodelle blockieren Datensilos, die geschlossenen Systemen gleichen, die Entwicklung: Echtzeit-Analysen scheitern, Plattformen skalieren nicht angemessen, KI-Anwendungen bleiben schwer integrierbar. Das Risiko: Innovationsstau und Wettbewerbsnachteile.
Mehr als ein IT-Projekt
Eine Cloud-Migration ist weit mehr als ein technischer Systemwechsel. Sie greift in die Kernprozesse eines Unternehmens ein und schafft die Grundlage, um Unternehmen langfristig zu modernisieren und Wachstum voranzutreiben. Entscheidend ist, welchen Mehrwert die Migration bringt – zum Beispiel schnellere Produktzyklen, eine verbesserte Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg oder die Möglichkeit, KI-Lösungen effizient einzubinden.
Deshalb ist es wichtig, dass die Migration nicht als reines IT-Projekt verstanden wird, sondern als strategische Aufgabe, die Geschäftsführung, Fachabteilungen, IT und Finanzteams gleichermaßen betrifft.
Vertikal oder horizontal – oder beides?
Wie dieser Transformationsprozess gestaltet wird, hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Unternehmen können Anwendungen einzeln in die Cloud überführen (vertikale Migration) oder ganze Systemschichten auf einmal verschieben (horizontale Migration).
Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile: Die vertikale Migration erlaubt eine schrittweise Modernisierung, die horizontale schafft Tempo, wenn Fristen zur Stilllegung oder enge Systemverflechtungen bestehen. In der Praxis entsteht häufig eine Mischform – etwa wenn kritische Datenplattformen horizontal migriert werden, während kundennahe Anwendungen schrittweise folgen. So lassen sich Risiken kontrollieren, ohne das Tempo komplett zu verlieren.
Data-First-Strategie – Daten als Fundament der Migration
Ob vertikal, horizontal oder hybrid: Der Erfolg steht und fällt mit dem Umgang mit Daten. Eine Migration, die ohne vorbereitete Datenstrategie startet, verwandelt die Cloud schnell in einen teuren Speicher ohne Mehrwert. Unternehmen müssen daher klären, wie Daten strukturiert sind, welche Governance-Regeln gelten und welchen Beitrag sie zur Wertschöpfung leisten.
In Deutschland spielt dieser Punkt eine besondere Rolle: Datenschutz und Datensouveränität sind nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch entscheidend für das Vertrauen von Kunden und Partnern. Die DSGVO verlangt, dass Unternehmen jederzeit wissen, wo ihre Daten liegen, wer Zugriff hat und wie sie geschützt sind. Eine Data-First-Strategie ist damit keine Empfehlung, sondern Pflicht.
Parallel dazu lassen sich technische Aufgaben wie Infrastrukturoptimierung, Performance-Tests oder Code-Transformation gut an externe Spezialisten auslagern. Diese verfügen über das notwendige Know-how und nutzen moderne, oft KI-gestützte Werkzeuge. Wichtig bleibt jedoch, dass Unternehmen die Kontrolle behalten: Governance-Regeln, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßiger Wissenstransfer sorgen dafür, dass das eigene Team handlungsfähig bleibt.
Shared Responsibility wird zu Shared Destiny
In Bezug auf Sicherheit galt dabei lange Zeit auch das Modell der Shared Responsibility: Der Cloud-Anbieter war für die Infrastruktur verantwortlich, das Unternehmen für Daten und Anwendungen. Inzwischen setzt sich jedoch ein erweitertes Verständnis durch: das Modell der Shared Destiny. Es geht davon aus, dass im Falle einer Sicherheitsverletzung beide Parteien gleichermaßen betroffen sind. Dieses geteilte Risiko motiviert Anbieter dazu, Kunden stärker bei der Sicherheitsarchitektur zu unterstützen, statt sich allein auf den eigenen Verantwortungsbereich zu konzentrieren.
Damit verändert sich auch die Rolle der Cloud-Anbieter. Sie übernehmen eine proaktivere Funktion, schließen potenzielle Lücken gemeinsam mit den Unternehmen und tragen zu einer höheren Gesamtsicherheit bei. Multi-Faktor-Authentifizierung, gesicherte Zugriffe oder KI-gestütztes Monitoring sind nur einige Bausteine, die dadurch einfacher und zuverlässiger umgesetzt werden können. Unternehmen profitieren von einer robusteren Sicherheitsposition – und damit von größerem Vertrauen bei Kunden und Partnern.
Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg
Damit eine Cloud-Migration gelingt, müssen schließlich alle relevanten Unternehmensbereiche zusammenarbeiten. IT und Engineering verantworten die technische Umsetzung, die Finanzabteilung prüft Kosten und ROI-Potenziale, während die Fachabteilungen definieren, welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Ein bereichsübergreifendes Steuerungsgremium stellt sicher, dass alle Perspektiven berücksichtigt werden und Konflikte frühzeitig gelöst werden. Auf diese Weise bleibt die Migration nicht auf technische Fragen reduziert, sondern wird zu einem integrierten Unternehmensprojekt.
Flexibilität als Überlebensfaktor
Neben Zusammenarbeit entscheidet auch Flexibilität über den Erfolg. Keine Migration gleicht der anderen. Unternehmen sollten in der Lage sein, zwischen verschiedenen Vorgehensweisen zu wechseln und das eigene Tempo zu bestimmen. Während beim einfachen Lift and Shift Systeme nahezu unverändert übertragen werden, kombiniert Move and Improve die Migration mit einer Optimierung, um Altlasten loszuwerden. Besonders wichtig ist eine anbieterunabhängige Architektur, die Freiheiten bei Datenmodellen und Tools ermöglicht. So lassen sich Abhängigkeiten vermeiden und Störungen im laufenden Betrieb minimieren.
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„Die Konsequenz ist eindeutig: Cloud-Anwendungen allein genügen nicht. Erst die konsequente Migration, eine klare Datenstrategie, weiterentwickelte Sicherheitsmodelle und die Einbindung der Mitarbeitenden erschließen das volle Potenzial.“
Jonah Rosenboom, Snowflake
Flexibilität gilt ebenso für die Wahl der Plattformen. Moderne Datenlösungen unterstützen nicht nur die Migration selbst, sondern auch Anforderungen an Zusammenarbeit und Governance. Gerade in Europa, wo unterschiedliche Länder eigene Vorgaben machen, kommt es auf hohe Standards bei Datenqualität, Sicherheit und Compliance an. Nur so lassen sich die besonderen Anforderungen an europäische Datenresidenz und Souveränität zuverlässig erfüllen.
Deutschlands besondere Lage
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die deutsche Wirtschaft an einem Wendepunkt steht. Einerseits ist die Cloud-Nutzung nahezu flächendeckend etabliert, andererseits ist die eigentliche Migration längst nicht abgeschlossen. Laut Bitkom Cloud Report 2025 planen 46 Prozent der Unternehmen, ihre Investitionen in Cloud-Technologien im laufenden Jahr zu erhöhen. Gleichzeitig äußern 78 Prozent Bedenken wegen der starken Abhängigkeit von internationalen Anbietern. Für 97 Prozent spielt das Herkunftsland des Cloud-Providers eine Rolle, für zwei Drittel ist es sogar eine zwingende Voraussetzung. Diese Haltung spiegelt die besondere Situation wider: Während die Cloud längst genutzt wird, sind Fragen nach Sicherheit, Souveränität und strategischer Unabhängigkeit weiterhin offen.
Fazit: Fortschritt reicht nicht
Die Konsequenz ist eindeutig: Cloud-Anwendungen allein genügen nicht. Erst die konsequente Migration, eine klare Datenstrategie, weiterentwickelte Sicherheitsmodelle und die Einbindung der Mitarbeitenden erschließen das volle Potenzial. In einer Welt, die von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und datengetriebenen Geschäftsmodellen geprägt ist, bedeutet Stillstand Rückschritt. Die Cloud ist deshalb nicht das Endziel, sondern der Weg in eine Zukunft, in der Innovationen schnell, sicher und skalierbar entstehen können.
Über den Autor:
Jonah Rosenboom ist Vice President & Country Manager Germany bei Snowflake.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.