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Unternehmen sind begrenzt auf einen KI-Ausfall vorbereitet

Was-wäre-wenn-Szenarien gehören zur Basis solider Betriebsamkeit. Wie gut sind Firmen darauf vorbereitet, den Betrieb aufrecht zu erhalten, wenn die KI-Nutzung beeinträchtigt wird?

Das ist eine der Fragen, die Red Hat in einer Studie zum Thema KI-Souveränität untersucht hat. Hierfür wurden in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich jeweils 100 IT-Entscheider diesbezüglich befragt.

So wurde abgefragt, ob das Unternehmen darauf vorbereitet ist, wenn der primäre Anbieter der genutzten KI-Dienste plötzlich den Zugang zu seinen Diensten einschränken würde. Sprich, wäre das Unternehmen in der Lage mit einer Exit-Strategie auf einen alternativen Anbieter oder ein anderes Modell umzusteigen? Als Exit-Strategie wurde in diesem Zusammenhang definiert, ob für den Fall der Fälle ein klarer Plan für einen Wechsel vorhanden sei.

Hier geben 57 Prozent der deutschen Teilnehmer für eine solche Situation mit einer Ausstiegsstrategie gewappnet zu sein, falls ihr primärer KI-Dienstleister ihnen den Zugang zu seinen Angeboten beschränken sollte.

Die Folgen des KI-Wechsels für den Geschäftsbetrieb

Die Bedeutung eines solchen Plans für den Geschäftsbetriebs hängt natürlich zu einem großen Maße davon ab, welchen Einfluss eine Einschränkung an sich auf den regulären Geschäftsbetrieb hätte. Von denjenigen, die über eine Ausstiegsstrategie verfügen, geben neun Prozent an, dass ein entsprechender Wechsel erhebliche Folgen für die Geschäftskontinuität hätte. Und bei 28 Prozent derjenigen, die über eine Exit-Strategie verfügen, hätte in KI-Anbieter-Wechsel moderate Folgen für den regulären Geschäftsbetrieb.

Von denjenigen, die über eine Exit-Strategie verfügen, geben immerhin sechs Prozent der Befragten an, dass ein KI-Wechsel durchaus erhebliche Auswirkungen auf die normale Geschäftstätigkeit hätte.

Geht es um die KI-Nutzung, dann ist die Frage nach den Daten und den Orten der Speicherung und Verarbeitung von nicht unerheblicher Bedeutung. Haben Unternehmen nicht nur den Überblick, sondern auch die Kontrolle darüber, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell abgerufen werden können? Und hier beantworten 97 Prozent der deutschen Teilnehmer dies positiv. So gehen 51 Prozent sogar davon aus, die komplette Kontrolle zu haben. 46 Prozent dieser Teilnehmer geben an, dass diese Transparenz und Kontrolle nur teilweise bestehen würde.

Nur 57 Prozent der deutschen Teilnehmer der Studie von Red Hat zum Thema KI-Souveränität verfügen über eine Ausstiegsstrategie, für den Fall dass es bei der KI-Nutzung zu Einschränkungen kommen sollte.
Abbildung 1: Nur 57 Prozent der deutschen Teilnehmer verfügen über eine Ausstiegsstrategie, für den Fall, dass es bei der KI-Nutzung zu Einschränkungen kommen sollte.

KI-Agenten und Kontrollmechanismen

Der Einsatz von KI-Agenten und die Integration von Agentic AI in Geschäftsprozesse hebt das Risiko bei etwaigen Problemen auf ein neues Niveau. KI-Agenten können ja nicht unerheblich Einfluss auf Abläufe haben, da wäre es ganz gut mit Wachsamkeit und Struktur dies unter Kontrolle zu haben. Sprich, die digitalen Mitarbeitenden bedürfen ja durchaus einer engen Führung, um eigensinniges Agieren im Griff zu behalten.

Angesichts der Möglichkeiten, die KI-Agenten haben können, sieht es da nicht allzu rosig in Sachen Regelwerken bei den hiesigen Befragten aus. Lediglich 30 Prozent der deutschen Befragten geben an über eine ausgeprägte Governance in Sachen Agentic AI zu verfügen. Und 29 Prozent der hiesigen Teilnehmer geben, zwar Kontrollmechanismen zu haben, sind sich aber diesbezüglicher Lücken bewusst. Bei 27 Prozent der IT-Entscheider geht man davon aus, zumindest das Grundlegende diesbezüglich im Griff zu haben. Dabei gaben lediglich sieben Prozent der Befragten an, Agentic AI in ihrem Unternehmen nicht einzusetzen.

Souveränität und Open-Source-Prinzipien

Die Teilnehmer der Studie wurden zudem befragt, wie sie dazustehen, wenn Politik und Regulierung Open-Source-Prinzipien wie Transparenz, Überprüfbarkeit und Open-Source-Lizenzierung vorschreiben würde. Dies solle Unternehmen dabei helfen, KI-Souveränität zu erreichen. Da fällt es sichtlich schwer, sich komplett dagegen auszusprechen, so beantworten 72 Prozent der deutschen Befragten dies positiv.

In diesem Zusammenhang ist es nachvollziehbarer, wenn es um einzelne Vorteile geht, die sich aus deinem Open-Source-Ansatz ergeben können. So bewerten es 69 Prozent der deutschen Teilnehmer positiv, wenn mehr Kontrolle darüber herrschen würde, wie KI entwickelt und wo sie eingesetzt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die geringere Anbieterabhängigkeit (Vendor Lock-in), die 67 Prozent als wesentlich betrachten.

Zudem sind für die Befragten Themen wie mehr Transparenz, bessere Nachvollziehbarkeit und mehr Anpassungsmöglichkeiten an regulatorische und nicht zuletzt auch gesellschaftliche Anforderungen von Bedeutung.

„Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Kluft. KI ist in den Unternehmen angekommen, aber Kontrolle und Steuerbarkeit halten nicht im gleichen Tempo Schritt. Hier wird Open Source entscheidend, weil offene Ansätze die Unternehmen dazu befähigen, Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Flexibilität zu behalten, unterschiedliche KI-Modelle und Infrastrukturen zu kombinieren. KI-Souveränität entsteht nicht durch den Einsatz einzelner Technologien, sondern durch die Fähigkeit, sie kontrolliert zu orchestrieren und im Zweifel auch zu wechseln.“, so Gregor von Jagow, Senior Director und Country Manager Deutschland bei Red Hat.

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