Maksym Yemelyanov - Fotolia

Low-Code- und Codeless-Plattformen lösen einige Dilemmata

Für viele Unternehmen, die eine Mobile App haben möchten, wird es immer schwieriger, Entwickler zu finden. Ein Blick auf Low-Code-Tools kann helfen.

Das Einstellen von Entwicklern von Unternehmens-Apps kann dem Versuch gleichen, eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Es nimmt erhebliche Ressourcen in Anspruch, und wenn die richtigen Anwendungen für die Benutzer nicht verfügbar sind, leidet die Produktivität.

Enterprise Mobile Apps – und Entwickler – sind gefragt, da Unternehmen ihre Mobilitätsstrategien verfeinern. Geschäftsprozesse, die früher Stunden oder Tage dauerten, können dank mobiler Technologie heute in Minuten erledigt werden, was zu mehr Umsatz führt.

„Manchmal reicht das, was im App Store erhältlich ist, aber nicht aus. Und native Entwicklungskompetenzen, also Erfahrung in der Programmierung von Objective-C, Swift und Java, sind schwer zu finden“, sagt Adam Bookman, Mitbegründer und Partner bei Propelics, einem Unternehmen für mobile Strategie- und Anwendungsentwicklung.

Ein weiteres Problem besteht darin, Entwickler zu finden, die bisher nicht nur an Spielen oder Marketing-Anwendungen herumgebastelt haben, sondern auch Erfahrung mit der Entwicklung von Unternehmensanwendungen haben.

„Auch wenn App-Entwickler nicht unbedingt Enterprise-Architekten oder Webservice-Gurus sein müssen, sollten sie Enterprise-Systeme und -Prozesse verstehen und wissen, wie man sich in sie einklinken kann“, erläutert Bookman.

Diese qualifizierten Entwickler zu finden, ist das Haupthindernis für zeitnahe App-Releases, so eine Umfrage unter mehr als 8.000 Entwicklern und 121 IT-Entscheidern, die von IDC und der App-Entwicklungsplattform Appcelerator erhoben wurde.

Der Mangel an verfügbaren Talenten hat auch die Art und Weise verändert, wie Unternehmen an die Entwicklung herangehen. Die Anbieter bringen immer neue plattformübergreifende Entwicklungs-Tools und codefreie Angebote hervor, die Unternehmen nutzen können, um die Fähigkeiten ihrer bestehenden Mitarbeiter besser einzusetzen.

Bei all diesen neuen Möglichkeiten, Mobile Apps zu entwickeln, liegt es an jedem Unternehmen selbst, die Anforderungen seiner Benutzer zu kennen und diese durch intelligente Ressourcenzuweisung zu erfüllen.

Plattformübergreifende Suiten entlasten bei der App-Entwicklung

Wie zu erwarten ist, verfügen größere Unternehmen eher über die Ressourcen, um Anwendungen zu entwickeln, die ihre Benutzer benötigen. Diese Unternehmen können auf interne Talente setzen oder mit externen Firmen zusammenarbeiten, die Apps entwickeln (oder eine Kombination aus beiden Ansätzen verwenden).

Die Umfrage von IDC ergab auch, dass 40 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern in den letzten 12 bis 18 Monaten alle ihre Apps selbst entwickelt und implementiert haben. Fünfzehn Prozent der Befragten setzten Apps mit Hilfe von Drittanbietern ein, und 43 Prozent mischten Drittanbieter und interne Entwicklung.

Die Größe der Organisation und ihre finanziellen Ressourcen können ein Faktor sein, ob Unternehmen für mobile Plattformen Anwendungen entwickeln können und wer sie entwickelt. Die Entwicklung nativer Apps kann eine natürliche Benutzererfahrung bieten, aber das hat seinen Preis – was kleinere Unternehmen sich möglicherweise nicht leisten können.

„Es ist kein tragfähiges Modell für Unternehmen, auf einen Drittanbieter zuzugehen und 10.000, 50.000 oder 350.000 Dollar auszugeben, um Anwendungen dauerhaft entwickeln, perfektionieren und warten zu lassen“, sagt John Jackson, IDC Research Vice President.

Gleichzeitig ist es aber teuer, Leute mit nativen Fähigkeiten in der Entwicklung mobiler Apps einzustellen. „Es ist unsinnig anzunehmen, dass die meisten Unternehmen derzeit in der Lage sind, immer neue Entwickler anzuziehen“, sagt Jackson. „Also braucht man ein paar Tools und eine Menge Tricks.“

Ein solches Tool ist eine plattformübergreifende Entwicklungs-Suite, mit der Entwickler Anwendungen für mehrere Betriebssysteme mit JavaScript, C# oder .NET erstellen können. Häufig haben Firmen bereits Entwickler mit Kenntnissen in diesen Sprachen eingestellt, so dass sie nicht nach diesen Talenten suchen müssen.

„Diese Leute sind im Allgemeinen günstiger als native Entwickler“, sagt Bookman. Zu den Anbietern, die eine plattformübergreifende Suiten verkaufen, gehören zum Beispiel Xamarin, SAP, Alpha Software und FeedHenry (Red Hat) .

Codeless Apps funktionieren für leichte Aufgaben

Nicht alle Unternehmensanwendungen werden gleich entwickelt, und als solche benötigen nicht alle Anwendungen die gleiche Menge an Entwicklungszeit und Ressourcen. Unternehmen werden wahrscheinlich mehr Ressourcen für Business-to-Consumer-Anwendungen (B2C) zur Verfügung stellen, die direkt zu Verkäufen führen, als für Business-to-Employee-Anwendungen (B2E), die „nur“ weiche Vorteile bieten.

Jackson verweist darauf, dass man zweimal darüber nachdenken sollte, bevor man sich auf die Entwicklung stürzt, wenn es um so etwas wie Salesforce-Automatisierung oder Anwendungen für die Planung des Fuhrparks geht. „Es muss nicht wie Facebook aussehen“, sagt er.

Für diese leichtgewichtigen B2E-Apps können Unternehmen auf Low-Code- oder Codeless-App-Entwicklungsplattformen zurückgreifen, die von vielen Anbietern angeboten werden. Diese Plattformen sind für Nicht-Entwickler gedacht: IT-Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse und in manchen Fällen auch für Mitarbeiter ohne jeglichen technischen Hintergrund.

„Man muss hierfür kein Technologieexperte sein“, sagt Charlotte Dunlap, Senior Analystin für Anwendungsplattformen bei Current Analysis. „Wenn IT-Mitarbeiter und Fachanwender an der Frontend-Entwicklung arbeiten, kann dies auch dazu beitragen, den Rückstand bei App-Projekten in einem Unternehmen aufzuholen – eine Herausforderung angesichts der Geschwindigkeit der heutigen Update-Zyklen für Mobile Apps.“

Kony Modeler, SAP Web IDE und IBM MobileFirst Platform Foundation gehören zum Beispiel zu den Entwicklungsplattformen für Apps, die codefreie Tools enthalten. „Doch diese Tools lösen nicht alle Probleme der App-Entwicklung“, sagt Bookman. „Um etwas Schnelles zu bauen, kann man eine dieser Codeless Apps erstellen. Ich denke aber nicht, dass das der Standard für Unternehmen ist.“

Tieferen Problemen begegnen

„Es wäre einfach, die langsame Enterprise-Mobile-App-Entwicklung auf den Mangel an verfügbaren Entwicklern zurückzuführen, aber es ist nicht so einfach“, sagt Jackson.

Unternehmen stehen auch vor anderen Herausforderungen, zum Beispiel der Notwendigkeit, neue Denkansätze für Architekturen, User Experience Design, die Mobilisierung von Geschäftsprozessen und die Anbindung an Backend-Datenquellen zu akzeptieren. Das sind tiefere Probleme, als nur die richtigen Entwickler zu finden. „Es ist eine breitere Palette an Fähigkeiten, auf die man zugreifen muss“, ist Jackson überzeugt.

„Unternehmen können externe Hilfe für die Entwicklung von Mobile Apps in Anspruch nehmen und dann Talente ins Haus holen“, sagt Bookman. Mit eigenen Entwicklern an Bord können Unternehmen diese Fähigkeiten nutzen, um neue Innovationen zu fördern.

Die Nachfrage nach Entwicklern von Mobile-Anwendungen wird nicht verschwinden und wahrscheinlich noch stärker werden, wenn das Internet der Dinge im Unternehmen weiter an Bedeutung gewinnt. „Die Anzahl und Art der Anwendungen wird nur noch deutlich größer und wesentlich komplexer werden“, sagt Jackson.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Nächste Schritte

No-Code- sowie Low-Code-Projekte erfolgreich umsetzen.

Die Leistungsfähigkeit von No-Code-/Low-Code-Plattformen.

Interview mit Paul Maguire, Vice President Europe bei Appian, über Low-Code-Entwicklung.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2018 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Business-Software

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close