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Fehlende Netzwerktransparenz bremst digitale Transformation
Eine eingeschränkte Netzwerktransparenz erschwert Cloud-, Hybrid- und KI-Projekte. Warum Ende-zu-Ende-Sichtbarkeit für Sicherheit, Performance und Digitalisierung unverzichtbar ist.
Das Ziel jeder Initiative zur digitalen Transformation ist es, schlankere und einfachere Geschäftsabläufe zu fördern, eine bessere UX zu schaffen und eine schnellere Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Jedes Transformationsprojekt ist auf Netzwerke angewiesen. Viele Unternehmen arbeiten jedoch nach wie vor ohne einen vollständigen Überblick über ihren gesamten Netzwerk-Stack.
Laut dem Worldwide Digital Transformation Spending Guide von IDC werden Unternehmen weltweit bis 2027 fast 4 Billionen US-Dollar (3,5 Billionen Euro) für die digitale Transformation ausgeben. Trotz dieser Kapitalinvestitionen vergrößert sich die Kluft zwischen den Versprechungen der digitalen Transformation und der betrieblichen Realität jedoch immer weiter. Untersuchungen von McKinsey zeigen, dass 70 Prozent der Transformationsinitiativen ihre Ziele verfehlen.
Die Ursache liegt nicht in unzureichenden Investitionen von Unternehmen in moderne Cloud-Implementierungen, KI-Tools oder fortschrittliche Anwendungen. Vielmehr verstehen Unternehmen nicht vollständig, was in ihren Netzwerken abläuft.
Da Netzwerke immer dezentraler und komplexer werden, ist es schwieriger zu erkennen, wer und welche Geräte sich im Netzwerk befinden, und festzustellen, wann eine Sicherheitsverletzung auftritt. Diese eingeschränkte Netzwerktransparenz führt zu unsichtbaren Risiken und blinden Flecken, die zu unerwarteten Zeitpunkten zutage treten können.
Die Rolle der Transparenz in modernen Netzwerken
Die digitale Transformation verändert die Art und Weise, wie Unternehmen mit ihren Netzwerken interagieren. Netzwerke haben heute keine klar definierten Grenzen mehr. In der Vergangenheit verfügten Unternehmen über die erforderliche Transparenz. Sie erlangten Einblicke in den Datenverkehr, indem sie ihre lokalen Rechenzentren überwachten und sich auf eine kleine Anzahl fester Beobachtungspunkte stützten.
Da Unternehmen jedoch in die Cloud wechseln, laufen Anwendungen und Dienste meist in einer verteilten Umgebung. Zu den Betriebsbereichen gehören typischerweise Kubernetes-Cluster, die sich über private On-Premises-Infrastrukturen, mehrere öffentliche Cloud-Anbieter und Software-defined-WAN-Edge-Standorte erstrecken.
Durch hybrides Arbeiten hat sich dieser Rahmen weiter ausgeweitet. So kann eine Transaktion innerhalb nur einer Sekunde verschiedene Umgebungen durchlaufen, die möglicherweise von unterschiedlichen IT-Teams verwaltet und überwacht werden. Dies erhöht die Komplexität der Netzwerksicherheit und macht eine echte Ende-zu-Ende-Überwachung schwieriger. Die Folgen untergraben die Ziele der digitalen Transformation direkt.
Hinzu kommt, dass verschlüsselter Datenverkehr (TLS 1.3), Zero-Trust-Architekturen sowie SASE- und SSE-Plattformen die klassische Netzwerküberwachung zusätzlich erschweren. Um trotz Verschlüsselung aussagekräftige Einblicke in den Netzwerkverkehr zu erhalten, benötigen Unternehmen deshalb moderne Verfahren wie Metadatenanalysen, Flow Monitoring und Deep Observability.
Zu den schwerwiegendsten Problemen hinsichtlich der Netzwerktransparenz, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind, gehören unter anderem die folgenden:
1. Nachlassende Anwendungsleistung
Anwendungen, die Unternehmen antreiben, sind nur so zuverlässig wie die Netzwerke, über die sie bereitgestellt werden. Ist die Netzwerktransparenz fragmentiert, fällt es IT-Teams schwer, die Leistung von Anwendungen in Echtzeit nachzuvollziehen. Es kann zu spezifischen Verlangsamungen bei Anwendungen kommen, die unentdeckt bleiben, bis ein Endnutzer sich über das Problem beschwert.
Die Ermittlung der Ursachen für diese Leistungseinbußen kann aufgrund der zahlreichen verbundenen Pfade im System schwierig sein. Dies verzögert die Markteinführung, belastet die Ressourcen und wirkt sich negativ auf die Umsatzgenerierung aus.
2. Sicherheitslücken
Die Transformation vergrößert naturgemäß die Angriffsfläche. Neue Tools führen zu neuen Einstiegspunkten und schaffen das Potenzial für bösartige Payloads. Doch Sicherheitsteams können nicht schützen, was sie nicht beobachten können. Eine eingeschränkte Netzwerktransparenz öffnet Angreifern Tür und Tor, so dass sie sich unentdeckt quer durch Umgebungen bewegen können. Unternehmen müssen daher umfassende Tools zur Netzwerktransparenz und -überwachung einführen, um Einblicke in den Datenverkehr zu gewinnen, Basiswerte festzulegen, böswillige Akteure zu erkennen und Identitätsdiebstahl rechtzeitig zu identifizieren.
Ein Sicherheitsvorfall könnte einen Plan zur digitalen Transformation vollständig zum Erliegen bringen. Wenn IT-Teams ihre Entwicklungsbemühungen auf die Behebung von Sicherheitslücken umlenken müssen, verzögert sich die gesamte Roadmap. Unentdeckte Sicherheitsvorfälle erhöhen das regulatorische Risiko, die Kosten für die Behebung und den Reputationsschaden erheblich. Die Gewährleistung der Netzwerktransparenz ist daher ein integraler Bestandteil der Netzwerksicherheit. Eine durchgängige Netzwerktransparenz ist daher ein wesentlicher Bestandteil moderner Sicherheitskonzepte wie Zero Trust sowie der Anforderungen aus NIS2 und DORA.
3. UX-Probleme
Benutzern fällt es oft schwer, den Unterschied zwischen einem Netzwerkproblem und einem Anwendungsfehler zu erkennen, da beide zum gleichen Ergebnis führen: Die Software ist unbrauchbar. Netzwerktransparenz hilft dem Team dabei festzustellen, auf welcher Ebene das Problem liegt. In einem verteilten Netzwerk erstrecken sich Probleme häufig über mehrere Segmente. Ein Netzwerkproblem kann viele Ursachen haben – vom Paketverlust am Ausgangspunkt eines Cloud-Anbieters bis hin zu erhöhter Latenz in einer kritischen Region.
Ohne vollständige Verkehrsdaten über alle Segmente hinweg lassen sich solche Probleme unmöglich einordnen. Beschwerden von Nutzern sind das erste Anzeichen für eine Verschlechterung der Netzwerkleistung. Das untergräbt das Vertrauen und kann zu Produktivitätsverlusten führen.
4. Wichtige Entscheidungen auf der Grundlage von Annahmen
Ohne umfassende Daten zur Netzwerkleistung können IT-Führungskräfte keine Entscheidungen über Netzwerkinvestitionen treffen. Andernfalls ist das Management gezwungen, Vermutungen anzustellen, was dazu führen könnte, dass falsche Engpässe überdimensioniert werden, um die Unsicherheit auszugleichen. Entscheidungen können sich zudem verzögern, bis Probleme akut werden. Fehler, die frühzeitig gemacht werden, führen später oft zu kostspieligen Korrekturen.
5. Erhöhte Komplexität bei der Fehlerbehebung
Eine fragmentierte Transparenz verhindert, dass Anwendungs- und Sicherheitsteams einen vollständigen Überblick über Leistung und Sicherheit erhalten. Selbst scheinbar einfache Fehlerbehebungen können so erhebliche Zeit und Ressourcen in Anspruch nehmen. Netzwerkteams verbringen letztendlich mehr Zeit mit der Diagnose von Netzwerkproblemen, wenn die Ursache in einem Mangel an Telemetriedaten liegt.
6. Cloud- und Hybrid-Initiativen verlieren an Dynamik
Cloud-Migration, Multi-Cloud-Einführung und hybride Netzwerke bilden die Grundlage der meisten Strategien zur digitalen Transformation in Unternehmen. Doch jede dieser Maßnahmen bringt Transparenzherausforderungen mit sich, wie sie Unternehmen bisher noch nicht bewältigen mussten. Werden diese Herausforderungen ignoriert, kann dies die digitale Transformation zum Stillstand bringen.
Netzwerktransparenz gezielt verbessern
Bevor Netzwerkteams ein Projekt zur digitalen Transformation in Angriff nehmen, sollten sie sicherstellen, dass sie über ausreichende Transparenz verfügen. Zu den Möglichkeiten zur Verbesserung der Netzwerktransparenz gehören die folgenden:
- Führen Sie eine einheitliche Observability-Anwendung für Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen ein: Während das Monitoring Fehler identifiziert, zeigt Observability, wie es zu diesen Fehlern gekommen ist. Moderne Observability-Tools bieten umfassende Echtzeit-Transparenz hinsichtlich der Anwendungsleistung, des Betriebszustands und der Ressourcenauslastung in hybriden Umgebungen.
- Investieren Sie in Tools zur Netzwerkkartierung und Topologieanalyse: Tools zur Netzwerkkartierung können dabei helfen, Hardware wie Router, Switches und Server automatisch zu erkennen und Diagramme zu erstellen, die deren Interaktion veranschaulichen. Da die Cloud dynamisch ist, ist eine kontinuierliche Erkennung erforderlich, um die Karten bei neuen Bereitstellungen auf dem neuesten Stand zu halten.
- Bauen Sie eine sicherheitsbewusste Transparenzarchitektur auf: Sowohl das Netzwerk- als auch das Sicherheitsteam sollten Sicherheits-Frameworks nutzen, um Lücken in den Sicherheitstools zu identifizieren und die Auswirkungen eingeschränkter Netzwerktransparenz zu minimieren.
- Nutzen Sie Netzwerk-Telemetrie und KI-gestützte Analysen: Flow-Technologien wie NetFlow, IPFIX oder sFlow sowie Lösungen für Network Detection and Response (NDR) liefern detaillierte Telemetriedaten über den Netzwerkverkehr. In Verbindung mit KI-gestützter Anomalieerkennung lassen sich verdächtige Aktivitäten, Performanceprobleme und Sicherheitsvorfälle auch in verschlüsselten, hybriden und Multi-Cloud-Umgebungen deutlich schneller erkennen.
Dieser Artikel ist im Original in englischer Sprache auf Search Networking erschienen.