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Digitale Souveränität: Von der Absicht zur Handlung
In den Bereichen Cybersicherheit, KI und Cloud-Dienste ist IT-Entscheidern die digitale Souveränität besonders wichtig. Vielerorts ist aus dem Wunsch bereits eine Handlung erfolgt.
Wie immer man digitale Souveränität im Detail definiert, in vielen Ausprägungen hat sich die Situation von einer Absichtserklärung in ein tatsächliches Handeln weiterentwickelt. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie State of Digital Sovereignty 2026 Uncharted Waters des Münchner Sicherheitsanbieters Myra Security. Hierfür wurden 1.001 IT-Entscheider in Deutschland, 504 in Frankreich und 307 in den nordischen Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland befragt. Die Erhebung erfolgte im Zeitraum Februar/März 2026. Und für die Einordnung der Antworten zu berücksichtigen: Digitale Souveränität wurde in diesem Zusammenhang als Fähigkeit erklärt, auf europäische Softwarelösungen zurückzugreifen, statt von außereuropäischen Anbietern abhängig zu sein.
Eine Erkenntnis der Studie sei, dass sich viele Unternehmen bereits aktiv in der Einführung europäischer Softwarelösungen befinden würden. Verglichen mit einer Vorjahresbefragung sei dieser Wert annähernd doppelt so hoch, bezogen auf deutsche Unternehmen (2025: 20,4 Prozent, 2026: 39,7 Prozent). Betrachtet man den Anteil derer, die einen Wechsel innerhalb der nächsten sechs Monate planen, dann ist die Steigerung noch deutlicher (2025: 3,9 Prozent, 2026: 20,4 Prozent).
Ganz allgemein geben in allen Regionen rund die Hälfte der Befragten an, den Fokus auf die eigene Souveränität verstärkt zu haben (Deutschland: 51,5 Prozent, Frankreich: 50,0 Prozent, Nordics: 48,9 Prozent). Daran dürften nicht zuletzt auch geopolitische Entwicklungen ihren Anteil haben.
Im Hinblick auf die Zuversichtlichkeit, wenn es um die Zukunft sind doch regionale Unterschiede zu verzeichnen. So halten die IT-Entscheider aus den nordischen Ländern eine weitgehende digitale Unabhängigkeit Europas innerhalb der nächsten zehn Jahre für realistisch, 49,5 Prozent sind dieser Ansicht. Ganz so euphorisch sehen es die deutschen Entscheider nicht, hier sind nur 39,6 Prozent dieser Meinung. Die französischen Teilnehmer sind mit einer Nennung von 33,7 Prozent sogar noch etwas zurückhaltender.
Stellt sich die Frage, wo man den schwerpunktmäßig ansetzen möchte, um die Situation der eigenen Souveränität zu verbessern.
Wo wird Souveränität als besonders notwendig betrachtet?
Die Teilnehmer der Studie wurden befragt, welche Technologiebereiche ihrer Meinung für die digitale Souveränität am wichtigsten sind. Nicht wirklich verwunderlich ist, dass alle drei Regionen die Cybersicherheit als den wichtigsten Bereich einstufen und diesbezüglich übereinstimmen. Ohne eine gewisse Souveränität bei der Sicherheit dürfte vieles andere schwierig werden. Von den deutschen Befragten nennen 57,6 Prozent den Bereich Cybersicherheit (Frankreich: 57,1 Prozent, Nordics: 68,4 Prozent).
Relative Einigkeit herrscht zwischen den Regionen auch bei der Einschätzung des Bereichs künstliche Intelligenz. Hier führt Frankreich mit 52,4 Prozent der Nennungen, in Deutschland nennen dies 50 Prozent der Teilnehmer und in den Nordics 48,6 Prozent.
Besondere Beachtung hinsichtlich der Souveränität finden auch Cloud-Dienste. Das verwundert nicht, laufen dort doch eine Vielzahl von auch kritischen Anwendungen und gleichzeitig werden dort sensible Daten gespeichert. 46 Prozent der deutschen Befragten befinden dies, ebenso wie 38,1 der französischen Teilnehmer sowie 47,2 Prozent der Teilnehmer aus den nordischen Ländern.
Weit weniger Konsens gibt es beim Thema Hardware in Sachen Souveränität, hier sehen die hiesigen Befragten die Situation deutlich kritischer als ihre europäischen Kollegen. 26,8 Prozent der deutschen Teilnehmer sehen da Handlungsbedarf. Frankreich (18,1 Prozent) und die Nordics (18,6 Prozent) sind da deutlich entspannter.
Die Situation in Deutschland
Insbesondere, wenn es um die IT von Staaten oder kritischen Infrastrukturen geht, scheinen die Befragten hinsichtlich der Souveränität sensibilisiert. So sprechen sich 87,5 Prozent der hiesigen befragten IT-Entscheider dafür aus, dass dort europäische Digitalprodukte eingesetzt werden sollten. Allerdings sei der Anteil, derjenigen die diese Frage mit einem Eher ja als rein positiv beantworten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Mutmaßlich eine eher realistische Einschätzung.
Wie sieht es in den Unternehmen selbst aus? Im Vorjahr hatten 20,4 Prozent der Befragten angegeben sich bereits aktiv in der Einführung von europäischer Software zu befinden. In der aktuellen Studie liegt dieser Wert bei 39,7 Prozent. Verändert hat sich auch die ablehnende Haltung in Organisationen. So haben im Vorjahr noch 47,7 Prozent der hiesigen Teilnehmer geantwortet, sie würden keinen Einsatz europäischer Software planen. Dieser Wert liegt nunmehr nur noch bei 4,6 Prozent.
„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was wir in der Praxis täglich erleben: Der Bedarf an digitaler Souveränität ist groß. Jetzt geht es darum, diese umzusetzen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass wir alles selbst entwickeln müssen. Wir brauchen aber auf jeder Ebene europäische Alternativen. Sprich, einen souveränen German-Stack.", sagt Leonhard Kugler, Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDis).
Woran die Migration tatsächlich scheitert
Auch wenn viele Organisationen und Entscheider willens sind beispielsweise auf europäische Lösungen zu setzen, gibt es in der realen Umsetzungen dennoch mannigfaltige Hürden mit denen sie zu kämpfen haben, oder die zumindest beachtet werden wollen. Und die müssen keineswegs rein technischer Natur sein
So nennen 33,5 Prozent der Befragten aus Deutschland fehlende Information über europäische Alternativen als Hinderungsgrund (Frankreich: 33,1 Prozent, Nordics: 42 Prozent). Die unzureichende technische Leistung wird von 31 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland als Problem angeführt (Frankreich: 27,2 Prozent, Nordics: 24,4 Prozent).
Zu den meistgenannten Hürden im Hinblick auf einen Wechsel zu einer europäischen IT werden in alle Regionen zählen die Migrationskosten. So nennen dies 34,6 Prozent der deutschen Teilnehmer als Hindernis. (Frankreich: 34,7 Prozent, Nordics: 39,7 Prozent).
Zwei Aspekte, die genannt werden dürften im Alltag vielleicht mehr Beachtung finden, als die tatsächlichen Zahlen wiedergeben. So nennen 22,7 Prozent der deutschen Teilnehmer eine fehlende wahrgenommene Dringlichkeit als Hindernis und 21,7 Prozent nennen internen Widerstand beziehungsweise Politik als Hemmschuh.