Beschaffungsteams, die aktuell All-Flash-Storage bestellen, müssen umdenken. Die anhaltende Knappheit bei NAND-Flash führt dazu, dass Systeme, die früher innerhalb weniger Wochen verfügbar waren, heute mehrere Monate Lieferzeit benötigen und gleichzeitig deutlich teurer geworden sind.
Samsung wird seine Preise in diesem Jahr um mindestens 50 % erhöhen, SanDisk sogar um 100 %, andere führende Anbieter um 50–80 %. Unternehmen, die diese Entwicklung nicht aktiv einplanen, werden zunehmend von Lieferzeiten und Kosten überrascht.
Im Oktober vergangenen Jahres meldete SK Hynix, einer der weltweit größten NAND-Flash-Hersteller, dass die gesamte Produktion bereits bis Jahresende vollständig an bestehende Kunden vergeben ist. Diese Situation ist keine kurzfristige Marktverzerrung, sondern entwickelt sich zum neuen Normalzustand. Hyperscaler treiben den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur mit hoher Geschwindigkeit voran und binden damit einen erheblichen Teil der Produktionskapazitäten. Gleichzeitig erzeugen neue GPU-Architekturen zusätzlichen Bedarf an Flash-Speicher, der vor zwei Jahren in dieser Form noch nicht existierte.
Zur Einordnung: Wenn eine Fertigungsanlage zehn Produktionslinien betreibt, flossen früher acht davon in die Versorgung klassischer Enterprise-Storage-Infrastrukturen. Heute werden vier oder mehr Linien für Hyperscaler-KI-Projekte genutzt. Für alle anderen Marktteilnehmer bleibt entsprechend weniger verfügbarer Speicher. Solange die Investitionen in KI weiter steigen und keine Abschwächung erkennbar ist, handelt es sich nicht um eine vorübergehende Störung, sondern um eine strukturelle Verschiebung.
Die Angebotsseite allein wäre bereits herausfordernd genug. Gleichzeitig wächst die Nachfrage weiter. Laut einer Studie von ESG (einem Unternehmen von Omdia), die auf Daten aus Nordamerika basiert, erwartet nahezu die Hälfte der Unternehmen, dass ihre Datenvolumina in den kommenden zwei Jahren jährlich um mindestens 26 % steigen. Insbesondere KI-Workloads verschärfen diesen Druck zusätzlich.
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Die Planung von Storage-Kapazitäten ist aktuell die größte Herausforderung in KI-Umgebungen. Laut ESG benennen 45 % der Unternehmen dieses Thema als zentrales Problem. Damit liegt es mit einem Abstand von 21 Prozentpunkten deutlich vor Datensicherheit und Compliance. Die Situation wird sich weiter verschärfen. Wie können sich Beschaffungsteams darauf vorbereiten?
Flexibler mit Storage-Architekturen umgehen
All-Flash-Storage ist derzeit schwerer verfügbar. Gleichzeitig besteht kein Zwang, ausschließlich auf All-Flash-Architekturen zu setzen. Statt stark flash-zentrierter Architekturen bietet sich der Einsatz hybrider Modelle an, die NVMe, HDDs und SATA-basierte SSDs kombinieren.
Storage-Effizienz gezielt nutzen
Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist die Effizienz der eingesetzten Systeme. Moderne All-Flash-Lösungen komprimieren und deduplizieren Daten, sodass aus 100 Terabyte physischem Speicher bis zu 400 Terabyte nutzbare Kapazität werden können.
Dieser Effekt war schon immer relevant. Unter den aktuellen Marktbedingungen gewinnt er jedoch deutlich an Bedeutung, da neue Flash-Kapazitäten schwerer verfügbar und gleichzeitig teurer sind. Damit steigt auch die wirtschaftliche Bedeutung belastbarer Data-Reduction-Garantien.
Effizienzgarantien sollten daher genau geprüft werden, denn nicht alle Anbieter bieten vergleichbare Werte. Während einige Hersteller Verhältnisse von zwei zu eins garantieren, erreichen andere bis zu fünf zu eins. Der Unterschied entspricht realer Kapazität, die entweder zusätzlich beschafft oder durch effizientere Nutzung gewonnen werden muss.
Bisher standen bei der Auswahl von Storage-Lösungen vor allem Performance, Kosten und Funktionen im Vordergrund, während Effizienz oft nachrangig betrachtet wurde. Diese Priorisierung verschiebt sich zunehmend.
Bestehende Ressourcen konsequent nutzen
Neben der Neubeschaffung stellt sich immer auch die Frage: Was lässt sich aus der bestehenden Infrastruktur noch herausholen? Maßnahmen wie Controller-Upgrades, Firmware-Updates, Predictive Analytics, Garantieverlängerungen oder erweiterter Support haben schon immer geholfen, Kosten zu senken. Unter den aktuellen Bedingungen gewinnen sie zusätzlich an Bedeutung, da Ersatzhardware oft mit schwer planbaren Lieferzeiten verbunden ist.
In vielen gewachsenen IT-Landschaften existieren nach wie vor isolierte und ungenutzte Kapazitäten, die sich durch eine gezielte Analyse identifizieren lassen. Je länger die Knappheit bei NAND-Flash anhält, desto größer wird der Nutzen, bestehende Systeme effizienter auszulasten.
Anbieter mit starker Lieferfähigkeit wählen
Auch die Lieferfähigkeit von Storage-Anbietern hat sich zu einem entscheidenden Faktor für die Projektumsetzung entwickelt. Zwei Lösungen können technisch und preislich vergleichbar sein und sich trotzdem deutlich in ihrer Verfügbarkeit unterscheiden.
Während kleinere Anbieter heute oft Lieferzeiten von sechs bis neun Monaten nennen, können global aufgestellte Hersteller in vielen Fällen innerhalb von zwei bis drei Wochen liefern. Zusätzlich sorgen langfristige Vereinbarungen für eine stabilere Preisentwicklung.
Was früher eine bewusste Entscheidung zugunsten kleinerer Anbieter sein konnte, wird unter diesen Bedingungen schnell zum Risiko. Selbst bei identischen Kosten und Funktionen können lange Lieferzeiten Projekte verzögern oder blockieren.
Die Checkliste für die Beschaffung hat sich nicht verändert. Sie ist länger geworden. Performance, Kosten und Funktionen bleiben wichtig. Gleichzeitig gehören Effizienzgarantien, Optionen zur Lebenszyklusverlängerung und die Lieferfähigkeit heute selbstverständlich dazu. Das sind keine temporären Anpassungen, sondern Kriterien, die den aktuellen Markt realistisch abbilden.