Checkliste: Orientierungshilfe für nützlichere Server-Benchmarks

Jeder Administrator kann Benchmark-Tests auf Servern ausführen. Die Herausforderung ist, es richtig und mit den am besten geeigneten Tools zu tun.

Ob Server-Benchmarks ein Erfolg oder Misserfolg sind, hängt von der Herangehensweise des IT-Personals ab.

IT-Profis und Administratoren haben schon immer auf Benchmarks vertraut, um die Performance im Data Center zu ermitteln. Allerdings sind Server-Benchmarks nur so akkurat, wie die Ausführenden diese anwenden. Natürlich hängt auch noch viel von anderen Umständen ab. Zu oft werden die falschen Benchmark-Tests eingesetzt. Diese spiegeln dann nicht die realen Betriebsbedingungen wider. Möglich ist auch ein falscher oder nicht durchdachter Einsatz, gepaart mit den falschen Gründen für den Benchmark-Test. Folgen Sie unserer Checkliste, wenn Sie mit Server-Benchmarks arbeiten.

1. Werden Sie sich über die Ziele der Benchmarks im Klaren

IT-Mitarbeiter sind sowieso mit allen möglichen Arbeiten und knappen Budgets belastet. Zeit ist knapp und Benchmark-Tests sind durch die vielen Möglichkeiten ihrer diversen einstellbaren Parameter echte Zeitfresser.

  • Mit einem klaren Ziel vor Augen sparen Sie Zeit und kommen somit schneller zu sinnvollen Erkenntnissen.

Administratoren sollten sich zunächst bewusst werden, welches Problem sie eigentlich lösen möchten. Vielleicht wollen Sie lediglich die Angaben eines Herstellers hinsichtlich Performance überprüfen, bevor Sie ein weiteres Gerät oder einen Server der nächsten Generation anschaffen. Möglicherweise möchten Sie auch nach unbenutzten System-Ressourcen Ausschau halten, die sich konsolidieren lassen. Einem seltsamen Performance-Problem auf den Grund zu gehen, ist ebenfalls denkbar. Haben Sie ein klares Ziel vor Augen, finden Sie die richtigen Parameter für den Benchmark. Eine Auslastung der CPU könnte zwar von Interesse sein, wird Ihnen beim Beheben eines Problems mit Netzwerk I/O allerdings wenig helfen.

2. Finden Sie das richtige Benchmark-Tool

Auf dem Markt befinden sich sehr viele Benchmark-Tools. Jedes davon verrichtet in der Regel eine ganz spezielle Aufgabe. Sobald Sie wissen, nach was Sie suchen, können Sie sich auf die Wahl des bestmöglichen Tools konzentrieren.

  • Verwenden Sie aktuelle Benchmark-Tests und halten Sie sich nach Möglichkeit an SPEC.
  • Vermeiden Sie Hersteller-spezifische Benchmark-Tests, um möglichst neutrale Ergebnisse zu erhalten.

Die Standard Performance Evaluation Corporation (SPEC) stellt eine Auswahl von Benchmarks zur Verfügung, die häufig in IT-Umgebungen Verwendung finden. Zum Beispiel misst SPEC CPU2006 die Performance rechenintensiver Workloads. SPECjbb2013 hingegen ist für die Performance von Java-Applikationen zuständig. Verwenden Sie die aktuelle Version des entsprechenden Benchmarks. Somit stellen Sie sicher, dass neue Hardware richtig identifiziert und gemessen wird.

Vermeiden Sie nach Möglichkeit Benchmark-Tools, die von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Der Grund ist ganz einfach: Befangenheit. Es sollte keine Überraschung sein, dass das Benchmark-Tool von „Hersteller X“ den eigenen Server in ein besseres Licht rückt.

3. Führen Sie Server-Benchmark-Tests unter realen Bedingungen durch

Benchmark-Ergebnisse liefern nur dann exakte Informationen, wenn der Server auch mit reellen Workload-Konditionen betrieben wird. Allerdings ist es nicht immer möglich, einen Benchmark-Test auf einem Server in einer produktiven Umgebung zu fahren. Stattdessen verwendet man einen Benchmark häufig in einer Test- oder Entwicklungs- oder einer anderen simulierten Umgebung. Diese spiegeln möglicherweise nicht die Muster von CPU, Workload, Storage und Netzwerk-Traffic wider.

  • Testen Sie unter realitätsnahen Bedingungen.
  • Evaluieren Sie so genau wie möglich, was der entsprechende Server in Wirklichkeit tut und simulieren diese Workloads mit entsprechenden Mitteln.

Ein klassischer Fall ist das Benchmarken einer CPU, die außer vom Betriebssystem und dem Benchmark mit keinen weiteren Workloads zu kämpfen hat. Natürlich ist das Ergebnis eine Menge an freien Kapazitäten. Viele Organisationen setzen bei offiziellen Benchmarks deswegen Test-Umgebungen ein, die Transaktions-Scripting oder Load-Generatoren verwenden. Somit simulieren Sie echte Arbeitsbedingungen. Performance kann durch Faktoren wie Load Balancing und sogar durch Schreibzugriffe auf die Datenträger beeinflusst werden. Deswegen müssen Administratoren sämtliche Faktoren eines Server-Einsatzes in die Rechnung aufnehmen. Nur so sind die Benchmark-Daten relevant.

4. Testen Sie Test unter verschiedenen Zeit- und Nutzungsbedingungen

Die meisten Server eines Data Centers sind nicht ständig gleich belastet. Ein Web-Server verzeichnet während der Geschäftszeiten sicherlich mehr Workloads bei Netzwerk- und Datenzugriffen als Nachts. Eine Anwendung zur Lohnabrechnung setzt man möglicherweise nur wenigen Tage pro Monat ein. Ein Schnappschuss der Server-Performance zu einer bestimmten Zeit liefert somit kein exaktes Gesamtbild.

  • Verlassen Sie sich nicht auf Einmal-Tests. Das ist ein verfälschtes Ergebnis, weil sich die Bedingungen ändern.

Führen Sie deswegen den entsprechenden Benchmark häufiger aus oder lassen ihn durchgehend laufen, weil sich die Workload-Bedingungen ändern. Somit identifizieren Sie möglicherweise Szenarien, die zu unerwartet schlechter Performance führen. Mit diesen Informationen können Sie unter Umständen Verbesserungen durch Upgrades oder Umverteilung der Workloads erzielen.

5. Dokumentieren Sie die Test-Bedingungen und seien Sie konsequent

Mangel an Dokumentation gehört zu den schlimmsten Flüchtigkeitsfehlern in Sachen Server-Benchmarking. Das gilt im Speziellen für nicht aufgezeichnete Test-Setups und Load-Bedingungen. Ohne bekannte Parameter zwischen den Tests könnten sich Ihre Ergebnisse überraschend unterscheiden. Das gilt sowohl für das Testen von verschiedenen Systemen, als auch beim Benchmarken desselben Servers. Administratoren erhalten reproduzierbare und objektivere Resultate, wenn sie die Test-Setups, Skripte, Datensätze der Load-Generatoren und so weiter dokumentieren. Eine Überprüfung der Dokumentation kann auch helfen, die Gültigkeit der Benchmark-Ergebnisse zu bestätigen.

  • Eine vernünftige Dokumentation erinnert nicht nur an die verwendeten Parameter. Damit lässt sich auch die Gültigkeit früherer Ergebnisse bestätigen und Sie können verschiedene Server vergleichen.

Durch Server-Benchmarks können Administratoren die Schlüssel-Attribute der System-Performance bewerten und die Performance im Laufe der Zeit beobachten. Weiterhin lassen sich verschiedene Server miteinander vergleichen. Die meisten Benchmark-Tests sind schnell einsatzbereit. Nützliche Ergebnisse bekommen Sie allerdings nur dann, wenn Sie ein klares Ziel vor Augen haben und dementsprechend auf die richtigen Tools setzen. Tests unter möglichst realen Bedingungen über einen gewissen Zeitraum, plus eine aussagekräftige Dokumentation sind der Schlüssel zum Erfolg.

Artikel wurde zuletzt im November 2013 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Serverbetriebssysteme

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close