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App-Entwicklung für Mobilgeräte: Amazon Web Services (AWS) versus Google

AWS bietet eine leistungsfähige Infrastruktur für die App-Entwicklung. Doch Google und andere Anbieter von Entwicklungsservices sitzen AWS im Nacken.

Die IT-Welt hat ihren Wendepunkt erreicht: Stationäre Geräte sind out, aktuell gibt es mehr Mobile Devices als Desktop-PCs und Laptops. Kein Wunder, dass sich immer mehr Entwickler auf die mobile Welt konzentrieren. Eine wachsende Zahl von Entwicklern erstellt Anwendungen, die den Komfort von Smartphones und Tablets erweitern.

Die Herausforderungen in diesem Segment sind allerdings erheblich. Wenn innovative Organisationen wollen, dass ihre Anwendungen erfolgreich sind, dann müssen sie strategisch einen Weg finden, Entwicklung, Tests und Markteinführungszeit zu beschleunigen – und das alles bei hoher Qualität und Leistung.

Die Anforderungen an die Entwickler sind ebenfalls eine Herausforderung, weil immer mehr Tools auf den Markt kommen, die die schnelle Entwicklung unterstützen. Dies hat zu einem raschen Wachstum bei MBaaS-Lösungen (Mobile Backend as a Service) geführt. MBaaS hilft Web- und Mobile-App-Entwicklern, Anwendungen mit Backend-Cloud-Servern und Storage-APIs zu verbinden. Beliebte MBaaS-Anbieter sind beispielsweise Feedhenry, Kinvey und Appery.io. Auch die drei großen Public-Cloud-Anbieter – AWS, Google Cloud Platform und Microsoft Azure – haben ihre eigenen MBaaS-Plattformen, die den Markt aufmischen.

AWS bietet die Gelegenheit, den Markt für die Mobile-Entwicklung anzuführen – wie es das bereits im Bereich Infrastructure as a Service (IaaS) macht. Es stellt verschiedene Dienstleistungen für mobile Anwendungen bereit und bündelt diese Services, um es Entwicklern einfach zu machen, Funktionen für Apps zu designen, hinzuzufügen, zu verwalten und zu konfigurieren.

AWS Mobil Hub ist eine integrierte Konsole, die Entwicklern hilft, Mobile Apps zu bauen, zu testen und im praktischen Einsatz zu überwachen. Entwickler erstellen ein Projekt und wählen und konfigurieren Features für die App-Entwicklung. AWS Mobile Hub stellt automatisch die Ressourcen für die gewünschten Konfigurationen bereit und erzeugt eine funktionsfähige Quick-Start-App.

Die Mobile-Welt verfügt über drei Säulen, die sie zum Leben erwecken: App-Entwicklung, App-Distribution und App-Engagement. AWS Mobil Hub deckt alle drei Aspekte ab.

Die folgenden AWS-Mobile-App-Entwicklungs-Tools stehen zur Verfügung:

  • Die meisten Mobile Apps brauchen eine Backend-Logik, um Code auszuführen. AWS Lambda ermöglicht es Entwicklern, ein mobiles Backend ohne eine Extra-Bereitstellung oder -Verwaltung von Servern zu erstellen. Der Benutzer kann seinen Code direkt auf Lambda hochladen und ihn in eine App implementieren.
  • AWS Device Farm ermöglicht auf einer großen Anzahl physischer Geräte automatisierte Tests sowie den Fernzugriff auf Mobile Devices in Echtzeit.
  • Die skalierbare und hochperformante Amazon-DynamoDB-Datenbank ist eine vollständig gemanagte NoSQL-Datenbank. Sie unterstützt Dokumente und Key-Value-Konzepte und bietet zuverlässige Leistung bei hoher Skalierbarkeit.
  • Amazon API Gateway hilft, Apps zu erstellen, zu veröffentlichen, zu warten, zu überwachen und zu sichern. Die mobile App ruft das Amazon API Gateway auf, das den Aufruf an die Datenbank, Lambda-Funktionen oder einen anderen Dienst umleitet. Mit AWS Lambda im Backend und dem API-Gateway im Frontend unterstützt AWS dabei eine skalierbare, serverlose Cloud für MBaaS.
  • Jeder AWS-Benutzer kann Elastic Compute Cloud (EC2), Relational Database Service, Elastic Load Balancing und Auto Scaling für Backend-Hosting und Scale-Management verwenden.

Wenn die App fertig ist, können Entwickler diese auf App-Plattformen verteilen, um mehr Nutzer zu gewinnen. Allerdings benötigen sie für die Benutzeranmeldung, Datenspeicherung und Verteilung von Inhalten ein Authentifizierungssystem. Amazon Cognito ermöglicht es dem Anwender, sich mit öffentlich zugänglichen Identity-Providern wie Facebook und Google+ anzumelden. Der Zugang wird ihnen auch über ein benutzerdefiniertes Identitäts-Management-System gewährt. Dies bedeutet, dass der Entwickler kein Identitätssystem von Grund auf neu erstellen muss.

Wenn ein Endbenutzer Daten wie Bilder, Spielergebnisse und Videos speichern muss, stellt Amazon Simple Storage Service (S3) statischen Content-Speicher für das Internet bereit. Die App kann Amazon Cognito verwenden, um Daten direkt auf S3 hochzuladen. Auch mit Cognito kann die App DynamoDB aufrufen, um Daten wie zum Beispiel Spielergebnisse, Login-Daten und Freunde dauerhaft zu speichern.

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AWS Mobile Hub bietet verschiedene Services für App-Entwickler.

Wenn eine App statische Inhalte verwendet, kann Amazon Cloudfront die Inhalte global über alle AWS-Regionen verteilen. Dies hilft, die Latenz zu reduzieren, da lokal vorgehaltene Caches genutzt werden.

Nachdem eine App verteilt wurde, sollte diese auch vermarktet werden. AWS bietet hierfür eine Vielzahl von Dienstleistungen und hilft dabei, mehr Endanwender zu binden.

Amazon Simple Notification Service (SNS) ermöglicht es einer App, Push-Benachrichtigungen an Apple-, Google, Fire-OS- und Windows-Geräte zu senden–- sowie in China auf Android-Geräte mit Baidu Cloud Push. Entwickler können dann Updates und Benachrichtigungen für die Endbenutzer erstellen, um sie zum Beispiel über ein neues Feature zu informieren. SNS benachrichtigt den Benutzer sofort von einer installierten mobilen Anwendung.

Erfolgreiches App-Marketing basiert heute auf Analytics. Nutzungsmuster und Nutzerverhalten sind zum Beispiel wichtige Kennzahlen. Mit Amazon Mobil Analytics können diese verfolgt und die Nutzerinteraktion optimiert werden. Der Entwickler kann auch Amazon Redshift für die Kundenanalyse einsetzen.

Google kontert AWS

Jeder Nutzer eines Android-Smartphones weiß, dass Google die Welt der Mobile-Betriebssysteme regiert. Google bietet viele SaaS-Angebote (Software as a Service) wie Google Docs, Gmail und Google Talk. In der mobilen Welt heißt das MBaaS-Angebot von Google Firebase. Die End-to-End Mobile App Development Suite von Google ist eine starke Konkurrenz für AWS.

Firebase ist eine vollständig gemanagte Plattform zum Bau von iOS-, Android- und Webanwendungen. Es sorgt für die automatische Datensynchronisation und beinhaltet Authentifizierungsdienste.

Wenn es darum geht, Mobile-Backend-Dienste zu bauen oder Prototypen zu entwerfen, ist Firebase ein effizienter Weg. Die echtzeitfähige, in der Cloud gehostete NoSQL-Datenbank hat eine REST API integriert, die für niedrige Latenz optimiert ist, und verfügt über einen Login-Dienst mit mehreren Arten von Built-In Authentifizierung. Allerdings ist Firebase in manchen Punkten eingeschränkt, insbesondere in Bezug auf Management und Skalierbarkeit.

Kombiniert man Firebase mit der Google App Engine oder mit gemanagten virtuellen Maschinen (VM), erhält man viele Möglichkeiten für die Entwicklung, Verwaltung und Skalierung mobiler Anwendungen. Firebase kann mit Ruby, Node.js, Python, Java, Clojure, PHP und Perl-Servern über Bibliotheken von Drittanbietern oder seiner REST API zusammenarbeiten.

Google bietet auch Cloud-Messaging, das Benachrichtigungen einschließlich Push-Nachrichten sendet. Das Firebase Cloud Test Lab stellt Interessenten eine Cloud-basierte Infrastruktur zum Testen von Android-Anwendungen zur Verfügung. Der Google Cloud Security Scanner identifiziert Sicherheitslücken in App-Engine-Webanwendungen. Stackdriver Trace überwacht die Performance mit automatisierter Zustandsüberwachung für App Engine und gemanagte VMs.

Firebase läuft derzeit nur in seiner eigenen Public Cloud und bietet keine Optionen für einen anderen Speicherort. Firebase funktioniert derzeit auch nicht mit HIPAA, PCI DSS oder FIPS-Standards, und es erlaubt keine Datenspeicherung in der EU.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2016 aktualisiert

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